Corona

    Ansturm auf Banken und Sparkassen hat sich gelegt

    Sparkassen

    In Sachen Geld ist Beratung gefragt

    Arbeiten in Zeiten von Corona

    Die Politik spannt in der schwersten Krise nach der Bankenpleite vor gut zehn Jahren dieses Mal keine Rettungsschirme für Banken und Sparkassen, sondern vor allem für Unternehmen und in Form von Kurzarbeitergeld und Soforthilfen für Beschäftigte und Selbstständige. Dennoch sorgen sich gegenwärtig auch viele Menschen um ihre persönlichen Finanzen. Ratenkredite laufen weiter, und auch vielen Firmen geht trotz staatlicher Hilfen durch Umsatzeinbrüche gerade viel Geld verloren. Beratung ist also gefragt bei den Finanzdienstleistern.

    So hat beispielsweise die Stadtsparkasse Oberhausen derzeit allerhand Unternehmensanfragen. Viele Unternehmen erkunden sich bei den Oberhausener Sparkassenberater*innen vor allem, welche Hilfen es bei bestehenden Darlehen gibt. Der Stadtsparkasse liegen nach eigenen Angaben bisher über 750 Anfragen ihrer gewerblichen Kunden vor, bei 280 Unternehmern wurden vorübergehend die Tilgungsraten ausgesetzt. Zudem: Eine große Anzahl hat die staatliche Soforthilfe mit Zuschüssen von bis zu 25.000 Euro beantragt und in großen Teilen auch schon erhalten. Der anfängliche Ansturm von Privatkunden auf die Banken und Sparkassen hat inzwischen aber ebenso nachgelassen wie die Hamsterkäufe im Lebensmittelhandel. Kaum noch jemand hegt die Angst, dass irgendwann die Schotten fallen.

    Sparkassencontainer Foto: Uli Grohs Abstand halten – auch vor der mobilen Sparkasse auf dem Land


    Ich trage jetzt bei Kundengesprächen einen Mundschutz und Handschuhe

    Silke R., 40, arbeitet in der Privatkundenberatung in der Hauptstelle der Sparkasse an der
Lippe in Lünen
Foto: privat Silke R., 40, arbeitet in der Privatkundenberatung in der Hauptstelle der Sparkasse an der Lippe in Lünen

    2. April 2020 – „Für uns hat sich in den vergangenen Wochen alles geändert. Vor etwa drei Wochen sind wir noch von den Kunden regelrecht gestürmt worden, vor allem im Service. Die Kunden gingen zuerst in den Supermarkt, nach den Hamsterkäufen dort kamen sie zu uns in die Sparkasse, um Geld abzuholen und andere Dinge zu erledigen. Da gab es für die veränderte Situation durch Corona und die Ansteckungsgefahr noch kein Feingefühl. Die Kunden standen in einer Schlange vor den Serviceplätzen und Geldautomaten, auch die älteren Kunden. Es war eine Zeit der Unruhe, viele hatten sicher auch Angst, dass sie vielleicht irgendwann nicht mehr an Geld kommen oder sie das Haus nicht mehr verlassen dürfen.

    „Vor dem Haupteingang steht jetzt zum Ultimo, dem letzten Bankarbeitstag eines Monats, sogar eine Security-Mitarbeiterin, die aufpasst, dass tatsächlich nicht mehr als sechs Kunden gleichzeitig den SB-Bereich und die Kassenhalle betreten.“

    Es gab aber auch auf unserer Seite Sorgen, ganz besonders bei den Beschäftigten im Service. Wir sind eine moderne Filiale, haben Service-Stehtische in der Kassenhalle für Kundengespräche und Kassengeschäft für Kunden, die nicht selbstständig unsere Geldautomaten nutzen. Da war Abstand von 1,5  bis 2 Meter nicht möglich. Doch die Geschäftsführung hat schnell reagiert. Die zurückgebauten Kassenschalter wurden wieder geöffnet, um mehr Schutz bieten zu können und ein Seiteneingang wurde geschlossen. Vor dem Haupteingang steht jetzt zum Ultimo, dem letzten Bankarbeitstag eines Monats, sogar eine Security-Mitarbeiterin, die aufpasst, dass tatsächlich nicht mehr als sechs Kunden gleichzeitig den SB-Bereich und die Kassenhalle betreten. Auch die Kunden sind mittlerweile durch die Nachrichten und gesetzliche Vorgaben sensibilisiert und halten mehr Abstand. Unsere Büros für die Kundenberatung befinden sich am Rande der Kassenhalle. Vor allem seit in Kraft treten der Kontaktsperre erlebe ich täglich, wie ruhig es im Vergleich zu früher bei uns geworden ist. Natürlich waren und sind auch wir von Krankheitsausfällen und zusätzlich Quarantänefällen betroffen.

    Wir haben zusätzlich einige kleinere Geschäftsstellen geschlossen, die Kolleginnen und Kollegen von dort arbeiten im Moment bei uns in der Hauptstelle und in anderen größeren Geschäftsstellen des Geschäftsgebiets. Mittlerweile erledige ich möglichst viel am Telefon oder online oder ich versuche, Termine zu verschieben, wenn sie nicht ganz so dringend sind. Aber wenn ein Kunde dringend einen Kredit benötigt, ein Kontowechsel bereits läuft oder Wertpapiere mit Beratung kaufen möchte, dann muss ein persönliches Beratungsgespräch auch in Zeiten von Corona stattfinden. Dazu habe ich mein Büro ein wenig umgeräumt, den Beratungstisch verschoben, damit mehr Abstand zum Kunden möglich ist. Ich trage jetzt bei Kundengesprächen einen Mundschutz und Handschuhe. Das ist mir wichtig, denn ich möchte nicht daran schuld sein, dass sich jemand infiziert.

    Aber gerade der Mundschutz funktioniert ja nur in Gegenseitigkeit. Inzwischen sehen immer mehr Kunden das auch so und tragen einen Mundschutz und Handschuhe. Die Sensibilität ist mittlerweile stark gestiegen. Ich stelle auch fest, dass mehr Anrufe und Mails kommen. Viele Leute haben jetzt mehr Zeit, sortieren ihre Unterlagen und haben dann Fragen zu ihren Versicherungen oder zu anderen Dingen. Andere sind auch nur einsam, wollen sich einfach mal melden. Ich arbeite seit über 15 Jahren in der Privatkundenberatung der Hauptstelle, da habe ich über die Jahre hinweg eine enge Kundenbindung aufgebaut. Gerade jetzt in der Krise ist auch das Zwischenmenschliche enorm wichtig.

    Trotz allem ist im Moment durchaus viel Arbeit vorhanden. Im Vertrieb müssen wir auch jetzt Geschäft generieren, das können wir nicht bis zum Herbst brach liegen lassen, um es dann aufzuholen. Persönlich bin ich ein optimistischer Typ, ich glaube, dass wir auch diese Situation gemeinsam gut meistern werden.“