Corona

    Über 300.000 Beschäftigte fürchten um ihre berufliche Existenz

    Corona-Hilfe

    Luftverkehr: Beschäftigte fordern staatlichen Schutz für ihre Arbeitsplätze

    Arbeiten in Zeiten von Corona

    Berlin, 21. April 2020 – In einem offenen Brief, initiiert von ver.di, stellen Betriebsräte und Personalvertretungen der gesamten Luftverkehrsbranche klare Forderungen für die über 300.000 Beschäftigten der Luftverkehrsbranche auf. Staatshilfen, die wegen der Corona-Pandemie nötig werden, müssen an soziale Bedingungen geknüpft werden: „Wir begrüßen, dass die Bundesregierung den ohne eigenes Verschulden in Zahlungsnot geratenen Unternehmen hilft“, sagt die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Nur durch rasche finanzielle Hilfen könne die Branche vor dem Absturz bewahrt werden. Dabei müsse jedoch der Grundsatz gelten: „Staatshilfe ist, wenn's alle schützt. Wir erwarten für den Luftverkehr daher die Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen“, so Behle.

    „Die stete und nachhaltige Sicherung des Luftverkehrs hat für uns oberste Priorität. Diese Sicherung gibt es nur durch und mit uns. Denn WIR sind der Motor des Luftverkehrs.“

    Aus dem offenen Brief der Beschäftigten

    Stellvertretend für die Beschäftigten, wenden sich die betrieblichen Interessenvertretungen des Luftverkehrs öffentlich an die Bundesregierung. In ihrem offenen Brief heißt es: „Wir begrüßen jede Form der Hilfe. Wir haben verstanden, dass die Bundesregierung Arbeitsplätze retten will. Die stete und nachhaltige Sicherung des Luftverkehrs hat für uns oberste Priorität. Diese Sicherung gibt es nur durch und mit uns. Denn WIR sind der Motor des Luftverkehrs. Schon jetzt sind viele von uns von hohen Einkommensverlusten betroffen und wissen nicht, wie sie ihre Miete zahlen sollen. Hinzu kommen Existenzängste, weil niemand weiß, ob wir nach Corona unseren Beruf noch ausüben werden.“

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    „Der massive Einsatz von Steuergeldern muss darüber hinaus auch zu mehr gesellschaftlichem Einfluss in den Unternehmen führen.“

    Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende

    Alarmierend sei, dass aktuell Milliardendarlehen ausgehandelt und gezahlt würden, ohne dies an die Existenzsicherung der über 300.000 Beschäftigten im Luftverkehr zu binden, kritisiert die Gewerkschafterin Behle. „Der massive Einsatz von Steuergeldern muss darüber hinaus auch zu mehr gesellschaftlichem Einfluss in den Unternehmen führen, soziale Sicherung und den Erhalt der Infrastruktur garantieren.“

    Aktuell beobachtet ver.di branchenweit primär das Gegenteil: So drohten etwa kürzlich einige Flughäfen damit, aus dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes auszusteigen. Die Lufthansa-Gruppe, die bereits wie beinahe die gesamte Branche Staatshilfe durch Kurzarbeitergeld bezieht, hat den Flugbetrieb der Konzerntochter Germanwings beendet. Der bundesweit und mehrheitlich in öffentlicher Hand befindliche Passagierabfertiger Aviation Handling Services (AHS) ist in Hamburg aus dem kommunalen Arbeitgeberverband ausgetreten und hat damit Tarifflucht begangen. In der Diskussion um staatliche Darlehen an Condor spielt augenscheinlich die Existenzsicherung der Beschäftigung ebenfalls eine zu geringe Rolle.

    Gemeinsam mit der Vereinigung Cockpit unterstützt ver.di daher das Begehren der Beschäftigten im Luftverkehr. In diesem fordern Betriebsräte und Personalvertretungen als Erstunterzeichnende auch, jede Form von Staatshilfe an die Zusage der Unternehmen zu binden, Beschäftigung und Einkommen ihrer Beschäftigten zu schützen und fordern die Regierung auf, die Infrastruktur im Luftverkehr als Gesamtsystem im Blick zu behalten.

    Zum offenen Brief in Gänze sowie zur kompletten Liste der Erstunterzeichner*innen aus Cockpit, Kabine, Flughäfen, Technik und Dienstleistern geht’s hier lang.