Corona

    Erste Lehren aus der Corona-Krise

    Aus der Krise lernen

    Auf die Beschäftigten und Gewerkschaften kommt es an

    Gewerkschaft in Zeiten von Corona

    Berlin, 29. Juni 2020 – Vor Corona ließ sich Vieles, das in der Arbeitswelt und Gesellschaft im Argen lag, schön- beziehungsweise kleinreden. Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist es damit vorbei. Wir befinden uns nach wie vor in einem Ausnahmezustand, der vor allem eines deutlich macht: auf welche Menschen, auf welche Berufsgruppen es in einer Krise wirklich ankommt. In einem Positionspapier hat ver.di erste Lehren aus der Corona-Krise gezogen. Unter anderem heißt es in dem Papier: Der Ausnahmezustand droht für viele Kolleginnen und Kollegen zur Normalität zu werden. Viele Beschäftigte haben Existenzängste, da ihre Betriebe und Einrichtungen noch immer geschlossen sind oder nur sehr eingeschränkt öffnen können. Gleichzeitig arbeiten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in vielen Bereichen, die für die Aufrechterhaltung des Zusammenlebens unabdingbar sind, am Limit und sind zugleich Ansteckungsrisiken ausgesetzt. Darüber hinaus erleben viele Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice Fluch und Segen der Digitalisierung unter Bedingungen, die oft alles andere als optimal sind. Hier ist ver.di weiterhin gefordert.

    Beschäftigte im Einzelhandel, die wochenlang auf Schutzausrüstung warten musste Foto: Jelca Kollatsch Beschäftigte im Einzelhandel, die wochenlang auf Schutzausrüstung warten musste


    Erreicht hat ver.di einiges in der Krise, von einer 1.500-Euro-Prämie für über eine Million Beschäftigte in der Altenpflege über die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes in etlichen Tarifverträgen bis zur gesetzlichen Erhöhung des Kurzarbeitergeldes. Aber das kann nur ein Anfang gewesen sein. Die Beschäftigten, die viele Menschenleben gerettet und gepflegt haben, die Beschäftigten, die die Grundversorgung gesichert haben, sie alle haben zukünftig mehr als Applaus und eine Prämie verdient.

    Was die Beschäftigten wirklich brauchen, sind dauerhafte Verbesserungen. Und keinesfalls Verschlechterungen. Die Beschäftigten in den nicht nur in der Krise lebenswichtigen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge und der privaten Dienstleistungen machen eine hervorragende Arbeit. Ihnen ist es zu verdanken, dass aus der Krise keine Katastrophe wurde und die Versorgung der Bevölkerung nicht zusammenbrach. Was sie angesichts der außerordentlichen Belastungen und Risiken allerdings nicht brauchen, sind schlechtere Arbeitsbedingungen durch längere Arbeitszeiten und kürzere Ruhezeiten, wie sie die COVID-19-Arbeitszeitverordnungen erlauben und die manche Arbeitgeber als Modell für eine neue Arbeitswelt sehen. Was diese Beschäftigten stattdessen brauchen, ist ein guter Arbeits- und Gesundheitsschutz. Dass sie jetzt endlich öffentlich wertgeschätzt werden, ist erfreulich. Aber die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Gesundheits- und Pflegesektor, in der Logistik, im Handel, in den sozialen Diensten – und das alles sind nur Beispiele – kurz: Die Menschen, die in der Krise wie auch tagtäglich Außerordentliches leisten, verdienen dauerhaft gute Löhne und Arbeitsbedingungen, heißt es in dem Positionspapier.

    Eine weitere Lehre aus der Krise

    ver.di wird mit den Beschäftigten um jeden Arbeitsplatz kämpfen und sich für einen starken Sozialstaat stark machen. Dort, wo schon vor der Krise teils massiv Personal abgebaut wurde wie im Gesundheitswesen, im Öffentlichen Personennahverkehr und in vielen anderen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge, darf jetzt nicht weiter gespart werden, im Gegenteil. Eine zentrale Lehre aus der Krise muss eine Aufwertung der Daseinsvorsorge, der öffentlichen Güter und der sozialen Infrastrukturen sein. Und auch der in den letzten drei Jahrzehnten angewachsene Niedriglohnsektor muss abgebaut werden, zählten doch gerade die Geringverdienenden, Minijobber*innen, Leiharbeiter*innen, Teilzeitbeschäftigte, Werkvertragsnehmer*innen und Soloselbstständige zu den ersten Opfern der Krise. Und unter ihnen vor allem auch viele Frauen.

    Das ver.di-Papier spannt einen weiten Bogen, hat den nötigen sozial-ökologischen Umbau und die Digitalisierung genauso im Blick wie Europa, die internationale Solidarität und die Verteilungsfragen, nämlich wer das alles bezahlen soll. Es mangelt weder am reellen Vermögen noch am Vermögen, den Umbau in jeglicher Hinsicht zu stemmen. In dem Positionspapier heißt es: Wir brauchen eine grüne Null – Klimaneutralität – statt einer schwarzen Null.

    Das gesamte ver.di-Positionspapier zum Herunterladen gibt’s hier: