Corona

    Die schwarzen Schafe identifizieren

    Speditionen

    Lohn- und Sozialdumping in der Logistik eindämmen

    Arbeiten in Zeiten von Corona

    Berlin, 9. April 2020 – Zur Eindämmung des um sich greifenden Sozial- und Lohndumpings in der Speditionsbranche fordert ver.di die Einrichtung einer offiziellen Informationsplattform, auf der offensichtlich illegale Angebote für Frachtdienstleistungen (Frachtraten) erfasst werden. „Wenn illegale Angebote öffentlich werden, können mit Hilfe der Finanzkontrolle Schwarzarbeit die schwarzen Schafe identifiziert werden. Das hilft den Beschäftigten ebenso wie den fairen Unternehmen“, sagt die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis.

    „Es nützt den LKW-Fahrerinnen und -Fahrern nichts, als Helden der Corona-Krise gefeiert zu werden, wenn die Unternehmen die Frachtraten und damit einhergehend die Löhne drücken.“

    Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-Vorsitzende

    Gegenwärtig bahnt sich eine weitere deutliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für die Fahrerinnen und Fahrer an. Grund dafür sei, dass vor allem die großen Branchen-Unternehmen die Frachtraten extrem unter Druck setzen würden, sagt Kocsis. In der Folge würden Angebote abgegeben, die nicht mehr mit dem Mindestlohngesetz und dem Kabotage-Verbot vereinbar sind; mit Kabotage wird das Erbringen von Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes durch ein ausländisches Verkehrsunternehmen bezeichnet. „Es nützt den LKW-Fahrerinnen und -Fahrern überhaupt nichts, als Helden der Corona-Krise gefeiert zu werden, wenn die großen Unternehmen gleichzeitig die Frachtraten und damit einhergehend die Löhne drücken. Viele Betroffene erhalten – wenn überhaupt – nur noch den gesetzlichen Mindestlohn“, so Kocsis. Sie seien am Ende die Leidtragenden, die nicht nur unter extrem schlechten Bedingungen, sondern aus Angst um einen Jobverlust am Rande der Legalität arbeiten müssten.

    Für eine funktionierende Gesellschaft mit moderner Infrastruktur seien Speditions- und Logistikdienstleister mit motivierten Beschäftigten unverzichtbar, das zeige sich gerade in der Krise sehr deutlich. Deshalb müsse der Gesetzgeber jetzt eingreifen und für Transparenz und Kontrolle sorgen, fordert Kocsis.

    Voll besetzter Lkw-Parkplatz an der Autobahn-Raststätte Michendorf © Hirscheberger/dpa-Bildfunk Gute Idee: Ein europäisches Melderegister würde die Ahndung von unlauterem Wettbewerb und Verstößen gegen das Arbeitsrecht erleichtern