Corona

    Pflegekräfte brauchen bessere Arbeitsbedingungen

    Gesundheitsminister Spahn muss liefern

    Arbeiten in Zeiten von Corona

    Berlin, 13. April 2021 – Vor gut einem Jahr wurden sie wochenlang beklatscht und als Heldinnen und Helden gefeiert – die Beschäftigten in der Krankenhauspflege. Deutschland befand sich in der ersten Corona-Welle, und die Beschäftigten in der Gesundheitsversorgung haben bis an ihre Grenzen und teils auch darüber hinaus alles gegeben, um Menschen vor dem Tod durch Covid-19 zu bewahren. Nicht zu übersehen war auch schon zu diesem Zeitpunkt, dass Personal ein rares Gut ist in den Krankenhäusern. Mit der zweiten und der aktuell dritten Corona-Welle haben sich die Notrufe aus den Kliniken vermehrt. Die Beschäftigten sind fertig. Sie sind physisch und psychisch ausgelaugt. Immer mehr Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen, steigende Todeszahlen – wer soll das über einen so langen Zeitraum aushalten? Allein im vergangenen Jahr haben bereits 9.000 Pflegekräfte ihren Beruf aufgegeben.

    Jeden Tag am Rande ihrer Kräfte – Intensivpflegekräfte auf einer Covid-Station Grubitsch/dpa-Bildfunk Jeden Tag am Rande ihrer Kräfte – Intensivpflegekräfte auf einer Covid-Station


    ver.di befürchtet, dass sich die Flucht aus den Pflegeberufen mit der anhaltenden Überlastung in den Kliniken weiter verstärken könnte. „Pflegepersonen brauchen jetzt das klare Signal der politisch Verantwortlichen, dass sich ihre Arbeitssituation absehbar verbessert“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler aus Anlass der Bundestagsanhörung zum „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ am 12. April 2021. Das Problem: Mit dem vorliegenden Entwurf ist keine Entlastung in Sicht, eine – wie unter anderem von ver.di vorgeschlagene Personalbemessung – kommt darin nicht vor. „Angesichts steigender Infektionszahlen und schwerer Krankheitsverläufe in Folge von Covid-19 spitzt sich die Lage im Gesundheitswesen – insbesondere auf den Intensivstationen – immer mehr zu“, erklärte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke vor Beginn der Beratungen im Bundeskabinett. Die Corona-Pandemie würde auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Bund und Länder müssten endlich mehr Entschlossenheit bei der Bekämpfung der Pandemie und der Verbesserung der Situation der Beschäftigten im Gesundheitswesen zeigen.

    „Wenn er nicht als Meister der leeren Versprechungen gelten will, muss der Gesundheitsminister jetzt liefern. Die Geduld der Klinikbeschäftigten ist aufgebraucht. Sie lassen sich nicht länger von der Bundesregierung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertrösten.“

    Sylvia Bühler, für das Gesundheitswesen zuständiges ver.di-Bundesvorstandmitglied

    PPR 2.0, das Instrument zur Personalbemessung, könnte kurzfristig in Kraft gesetzt werden

    Bereits vor über einem Jahr haben die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat und ver.di im Auftrag der von der Bundesregierung initiierten „Konzertierten Aktion Pflege“ die sogenannte PPR 2.0 vorgelegt. Das Instrument zur Personalbemessung in der Krankenhauspflege könnte kurzfristig in Kraft gesetzt werden, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Nur: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bislang keine Schritte unternommen, es auf den Weg zu bringen. „Dies ist Spahns letzte Chance“, sagte Bühler mit Blick auf die zu Ende gehende Legislaturperiode. „Wenn er nicht als Meister der leeren Versprechungen gelten will, muss der Gesundheitsminister jetzt liefern. Die Geduld der Klinikbeschäftigten ist aufgebraucht. Sie lassen sich nicht länger von der Bundesregierung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertrösten.“

    Mit einer bundesweiten Foto-Aktion vor verschiedenen Krankenhäusern unterstrichen Beschäftigte ihre Forderungen nach einer angemessenen Personalbemessung und besseren Arbeitsbedingungen. „Die Leute sind nach einem Jahr Pandemie fertig“, sagte Frederik Thonemann, Krankenpfleger und Verdi-Vertrauensleutesprecher bei der Protestaktion vor der Uniklinik Köln dem Kölner Stadt-Anzeiger. Und: „Dem Ideal seines eigenen Berufes kann man nicht mehr gerecht werden. Das frustriert.“

    „Seit Jahren weisen die Kolleginnen und Kollegen immer wieder darauf hin, dass sie überlastet sind und die Versorgungsqualität leidet“, so Bühler. „Klinikbeschäftigte haben appelliert, protestiert und auch gestreikt. Jetzt fordern sie vom Gesetzgeber verbindliche und wirksame Maßnahmen. Ganz vorne steht dabei die Einführung der PPR 2.0.“