Corona

    Crewwechsel muss auch in Zeiten von Corona möglich sein

    Schifffahrt

    Corona-Krise: Seeleute müssen dringend entlastet werden

    Arbeiten in Zeiten von Corona

    Berlin, 6. April 2020 | „Covid-19 belastet die ganze Welt und damit auch die Seeleute“, sagt Robert Hengster, Bundesfachgruppenleiter Maritime Wirtschaft in ver.di. 90 Prozent der weltweit und 40 Prozent der innerhalb Europas gehandelten Güter werden auf dem Seeweg transportiert. Damit sind die Seeleute ein essentielles Glied in den globalen Lieferketten. Ohne sie würde kein Schiff den Hafen sicher erreichen, kein LKW, Güterzug oder Binnenschiff im Anschluss beladen werden können. Aufgrund der angespannten Flugsituation müsse der Crewwechsel auf den großen Containerschiffen in diesen Wochen häufig eingestellt werden. Ablösungen könnten kaum mehr stattfinden und viele Seeleute müssten notgedrungen ihre Verträge verlängern, statt zu Familie und Freunden heimzukehren. 

    Zudem: „Der Landgang leidet gerade aufgrund der nationalen Schutzbestimmungen. Häfen waren für Seeleute auch so etwas wie eine Tankstelle; es gab die Möglichkeit zum Einkaufen von Dingen, die es an Bord nicht gibt, und es bestand die Möglichkeit, in der Seemannsmission mit der Familie zu telefonieren, was an Bord nur eingeschränkt möglich ist. All das ist aktuell so gut wie unmöglich. Damit das wichtige Glied der Lieferkette nicht ausfällt, gibt es dringenden Handlungsbedarf“, sagt der Gewerkschafter.

    Mit 365 Meter Länge und 51 Meter Breite ist die MSC Daniela eines der weltweit größten Containerschiffe Foto: DPA Normalerweise werden die Crews der Containerschiffe zum Wechsel ein- und ausgeflogen. In Zeiten von Corona dürfen die Crews nicht einmal mehr an Land gehen


    ver.di fordert die Politik auf, dafür zu sorgen, dass Seeleuten ein besonderer Status zuerkannt wird. Grenzüberschreitungen müssen möglich sein, sodass Seeleute wieder weltweit abgelöst und in ihre Heimatländer reisen können. Das bedeutet auch, dass die entsprechende Ablösung zum Schiff kommen kann. Zudem müsse allen Seeleuten, unabhängig von ihrer Nationalität, unter Berücksichtigung der allgemeinen Sicherheitsstandards, der Landgang ermöglicht werden. Auch die ärztliche Versorgung in den Häfen müsse abgesichert sein, denn Handelsschiffe haben keinen Arzt an Bord.

    Die Reeder fordert ver.di auf, die Kommunikationsmöglichkeiten der Seeleute umgehend zu verbessern und die entsprechenden Kapazitäten dafür an Bord kostenlos zur Verfügung zu stellen. Gerade in diesen Zeiten sei besonders auf die physische aber auch seelische Gesundheit der Crew zu achten. Den Seeleuten müsse sowohl die notwendige Schutzausrüstung gestellt werden, als auch darüber hinaus alles möglich gemacht werden, damit auch die Seeleute diese schwierige Zeit gesund überstehen können.