Corona

    Arbeitsschutzkontrollen derzeit nur alle 22,5 Jahre

    Sicherheit am Arbeitsplatz

    Vorfahrt für den Arbeitsschutz – ver.di fordert mehr Schutz und mehr Kontrollen

    Arbeiten in Zeiten von Corona

    Berlin, 20. April 2020 – Die Infektionsgeschwindigkeit der Corona-Pandemie in Deutschland hat abgenommen, und in den nächsten Wochen soll in kleinen Schritten daran gearbeitet werden, mehr Eigenverantwortlichkeit zu ermöglichen, unterbrochene Wertschöpfungsketten wiederherzustellen und geschlossene Dienstleistungsangebote wieder zu eröffnen. Damit dies gelingt, müssen Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen überall und ganz besonders in Arbeitsbereichen mit Personenkontakten im Mittelpunkt stehen. Hierzu hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die verbindlichen Arbeitsschutzstandards Sars-Cov-2 erlassen, deren Umsetzung zum Schutz der Beschäftigten unerlässlich sind.

    „Wir fordern Vorfahrt für den Arbeitsschutz der Beschäftigten und eine deutliche, dauerhafte Stärkung der personellen Ressourcen der Arbeitsschutzbehörden.“

    Frank Werneke, ver.di-Vorsitzender

    „Alle Arbeitgeber aller Branchen sind gefordert, unter Beteiligung der Betriebs- und Personalräte, für alle Arbeitsplätze Gefährdungsbeurteilungen konsequent durchzuführen“, sagt der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. Neben den klassischen Gefährdungen und den psychischen Belastungen am Arbeitsplatz müssten jetzt auch systematisch die infektiologischen Aspekte des Corona-Virus in die Gefährdungsbeurteilungen aufgenommen werden. Daran müssten sich alle Maßnahmen messen lassen. „Wir fordern Vorfahrt für den Arbeitsschutz der Beschäftigten und eine deutliche, dauerhafte Stärkung der personellen Ressourcen der Arbeitsschutzbehörden“, so Werneke.

    In typisch weiblich dominierten Berufen wird weniger verdient Foto: Hendrik Schmidt/dpa Vor allem im Friseurhandwerk wird ohne Mundschutz erst einmal nicht gearbeitet werden können, auch nicht wie hier in der Ausbildung am Modell


    Nur in gut der Hälfte aller Wirtschaftszweige werden Gefährdungen untersucht

    Obwohl die Arbeitgeber bisher schon gesetzlich verpflichtet waren, Gefährdungsbeurteilungen für alle Arbeitsplätze zu erstellen, ist dies jedoch noch nicht die Regel. Gerade in dieser besonderen Situation ist das nicht länger hinnehmbar. Bei einer Betriebsbefragung im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) im Jahr 2015 wurde festgestellt, dass nur in 53,9 Prozent in Betrieben aller Wirtschaftszweige tatsächlich Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt wurden. Die Unterschiede nach Wirtschaftszweigen waren dabei sehr heterogen. Je nach Branche lag der Anteil der durchgeführten Gefährdungsbeurteilungen im Bereich von Verkehr und Lagerei bei 69,6 Prozent, Erziehung und Unterricht bei 63,6 Prozent, Gesundheits- und Sozialwesen bei 60,5 Prozent, den Kommunikations-, Finanz- und sonstigen Dienstleistungen bei 38 Prozent und Dienstleistungen, die für Unternehmen erbracht werden, bei 40 Prozent. 

    Die Gewerbeaufsichtsämter der Länder, die als staatliche Behörden für die Arbeitsschutzkontrolle und -aufsicht verantwortlich sind, müssen, so ver.di, deutlich gestärkt und personell ausgebaut werden. In der Zeit von 2007 bis 2017 haben die fachlichen Aufgaben deutlich zugenommen, und die Anzahl der Betriebsstätten ist in diesem Zeitraum um 14,4 Prozent gestiegen. In gleichem Zeitraum sank jedoch bundesweit die Anzahl der Gewerbeärzte von 158 im Jahr 2007 auf 68 im Jahr 2017. Zwar erfolgte in anderen Teilbereichen ein Personalaufbau, dieser reicht jedoch nicht aus. Am deutlichsten wird dies durch einen Blick auf die Intervalle von Arbeitsschutzkontrollen im Betrieb. So stieg bundesweit der durchschnittliche Turnus von Arbeitsschutzkontrollen in Betriebsstätten von 10,5 Jahren im Jahr 2007 auf 22,5 Jahre im Jahr 2017.