Corona

    Deutlich leerer als sonst

    ÖPNV

    Die Fahrgäste schwinden

    Arbeiten in Zeiten von Corona

    Wer dieser Tage im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit dem Bus unterwegs ist, hat sich längst an den Anblick gewöhnt. An die mehr oder weniger professionell gespannten Absperrbänder, die die Fahrgäste vom Busfahrer oder von der Busfahrerin trennen. Auch die vordere Tür zur Fahrerkabine öffnet sich seit Wochen nicht mehr. Der ÖPNV muss auch in Zeiten von Corona aufrecht erhalten werden, damit diejenigen noch zur Arbeit oder etwa zum Arzt kommen, die nicht mit dem Fahrrad oder dem Auto dorthin fahren können. Aber gerade deshalb muss der ÖPNV auch dafür sorgen, dass sein Personal geschützt ist und nicht erkrankt.

    Auf der anderen Seite ächzt der öffentliche Personennahverkehr unter schwindenden Fahrgästen. Leere Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen – in Zeiten von Home Office und geschlossenen Schulen fahren viele Berufspendler*innen und Schüler*innen nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Seit Beginn der Corona-Krise hat der Fahrradanteil im Verkehr von zwei auf sieben Prozent zugenommen, zu Fuß erledigen momentan sogar 14 statt zuvor 4 Prozent der Verkehrsteilnehmer*innen ihre Wege. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs mit dem Auto legte trotz des Rückgangs des Verkehrs insgesamt von 63 auf 70 Prozent zu. Erklären lässt sich das damit, dass sich die Strecken, die mit dem Auto zurückgelegt werden, nahezu halbiert haben. Dramatisch eingebrochen ist aber der ÖPNV: prozentual um 71 Prozent. ver.di fordert deshalb auch für den ÖPNV ein staatliches Nothilfeprogramm.

    Genug am kommunalen Nahverkehr im Saarland gespart Foto: Dietze/dpa-Bildfunk Der öffentliche Personennahverkehr rollt noch, doch oft ohne Fahrgäste


    Wenn jemand im Bus stark hustet, ertappe ich mich dabei, dass ich in den Rückspiegel gucke

    Frank Olschinka, 43, ist Busfahrer bei der Hamburger Hochbahn AG Foto: privat Frank Olschinka, 43, ist Busfahrer bei der Hamburger Hochbahn AG

    14. April 2020 – „Die vordere Tür meines Busses bleibt seit einigen Wochen zu. Anfangs war das für die Fahrgäste ungewohnt. Seit der Grund aber über die Medien publik gemacht worden ist, läuft das ganz gut. Diejenigen, die immer noch vorne einsteigen wollen, wollen oft auch was fragen. Da auch die Sitzreihe hinter mir abgesperrt ist, müssen wir das jetzt auf Entfernung klären.

    Meist geht es darum, wo sie denn jetzt die Fahrkarte kaufen sollen. Bei mir geht das nicht mehr, und wenn an der Haltestelle kein Automat ist, dann haben sie keine. Ich frage die Leute erst mal, ob sie unsere App auf dem Smartphone haben. Haben sie die nicht, empfehle ich ihnen, zur nächsten Haltestelle mitzufahren, an der ein Automat steht.

    „Ich fahre seit fast 20 Jahren Bus, ich habe es noch nie so entspannt auf den Straßen erlebt wie derzeit.“

    Ich fahre meist im Hamburger Westen. Eine unserer Hauptlinien dort ist die Linie 5, vom Hauptbahnhof nach Burgwedel. Die ist zur Hauptzeit immer noch relativ voll, da kann es auch jetzt manchmal eng werden, obwohl wir alle drei Minuten fahren. Auch an einigen Haltestellen kommt es manchmal noch zu Gedränge. Aber es ist deutlich leerer als sonst. Ich fahre seit fast 20 Jahren Bus, ich habe es noch nie so entspannt auf den Straßen erlebt wie derzeit. Zwar gibt es immer noch viele Baustellen, aber es ist durch die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie viel weniger Verkehr unterwegs. Nur jetzt, wo das Wetter so schön geworden ist, sind wieder viel mehr Fahrräder auf den Straßen.

    „Ausreichend geschützt fühle ich mich nicht durch die Absperrung des vorderen Bereichs im Bus. Toll hätte ich es gefunden, wenn man dort mit Folie ein komplett geschlossenes Abteil geschaffen hätte, so wie bei der U-Bahn.“

    Ich habe aber noch nie so viel positive Resonanz bekommen wie derzeit. Keiner meckert. Viele sagen: „Toll, dass ihr noch fahrt“, oder sie sagen: „Bleib gesund.“ Allerdings leide ich an Heuschnupfen. Wenn ich jetzt schniefend hinter dem Lenkrad sitze, gucken mich einige schon auch mal schief an. Aber wenn jemand im Bus stark hustet, ertappe ich mich auch dabei, dass ich in den Rückspiegel gucke und mich frage, warum der ausgerechnet in meinem Bus sitzt. Ausreichend geschützt fühle ich mich nicht durch die Absperrung des vorderen Bereichs im Bus. Toll hätte ich es gefunden, wenn man dort mit Folie ein komplett geschlossenes Abteil geschaffen hätte, so wie bei der U-Bahn. Aber auf der anderen Seite gehe ich auch einkaufen. Anstecken könnte ich mich also auch woanders.

    Auch unsere Pausen haben sich verändert. Wir unterhalten uns zwar und machen auch unsere Witze über Corona, aber dabei halten wir eine gewisse Distanz. Jeder denkt an sich selbst und damit auch an die anderen. Wir hatten hier mal für ein paar Tage einen Satz in einer Ansage, dass man nur die wirklich nötigen Wege machen sollte. Das fand ich gut. Die Leute sind immer noch viel unterwegs, manche sicherlich mehr als sie müssten. Ich für meinen Teil bin jedenfalls immer froh, wenn ich nicht raus muss. Ich verbringe meine freie Zeit am liebsten in meinem kleinen Garten.“

    Protokoll: Heike Langenberg