Bildung & Ausbildung

    Selbstoptimierung ist...

    ...Eis am Stiel mit BECK

    In der ver.di-Bundesverwaltung geht derzeit niemand zum Lachen in den Keller, sondern auf die Galerie. Eigentlich lacht man schon zum ersten Mal am Treppenabsatz der Galerie, wo BECK's Gurke steht, mit der Einladung, seinen Traum zu leben und mit ihr, der Gurke, ein Selfie zu machen. Die Redaktion der ver.di publik, der ver.di-Mitgliederzeitung, hat BECK beim Wort genommen und sich einen Traum erfüllt. Nach 15 Jahren BECK in jeder ver.di publik hat sie sich seinen bissigen Blick auf die Welt ins Haus geholt.

    BECK ist BECK Illustration: BECK BECK ist BECK


    Fake News? Gibt’s bei Beck nur auf der Gewichtswaage. Fachkräftemangel? Herrscht, wenn der Patient auf dem OP-Tisch selbst die Tupfer reicht. Schwarmintelligenz? Ist möglicherweise auch nicht mehr wert als ein Fliegenschiss, wenn die Mutter das Wort hat. BECK macht in seinen Cartoons mit den unverkennbar knollenbenasten Figuren vor nichts halt, was uns nah und fremd ist. Vor allem den Selbstoptimierungswahn hat er sich schon vorgenommen, als von ihm noch gar nicht die Rede war. Denn seine „Gurke“ ist eine ziemlich bittere, wenn man den ganzen Cartoon betrachtet, der wie alle seine Cartoons erst über die dazugehörige Stellungnahme seinen kompletten Geist und Witz entfaltet: „LEBE DEINEN TRAUM – außer es ist der, wo Du als Gurke verkleidet in der Fußgängerzone stehst und Deine Zähne ausspuckst.“ Der tiefere Sinn dahinter ließe sich gut mit der Hartz IV-Misere beschreiben, dem viel beschworenen „Fördern und Fordern“. Und mag der Job noch so beschissen sein, als Hartz IV-Empfänger*in hast du keine Wahl mehr.

    Home-Office mit Klobürste

    BECK sieht Wunden in der Gesellschaft überall, im Großen und im vermeintlich Kleinen, im Öffentlichen und im Privaten. Wenn sich etwa die Hausfrau ihren Putzjob auf Anfrage am Telefon mit „...nein, ich bin gerade im Home-Office“ und der Klobürste in der Hand schönredet. Oder auch auf der Karikatur von drei dicken Menschen, von denen einer sagt: „Der einzige Weg für uns ,kleine Leute’ bei der Politik Beachtung zu finden, ist dick zu werden.“ Womit wir wieder bei der Selbstoptimierung angelangt wären, die sich seitens der Politik in Ampeln auf Lebensmitteln spiegelt. Oder der Überlegung, die Lebensmittelindustrie auf Zuckerreduzierung zu verpflichten. In BECK’s jüngstem Cartoon für die ver.di publik ermahnt eine beleuchtete Anzeige „Zucker macht dick und unfruchtbar!“. Auf die Frage, die die rundliche Frau mit dem Eis am Stiel zu bedenken gibt, muss man erst mal kommen: „...und wenn es Fruchtzucker ist?“

    Zur Ausstellungseröffnung am 6. Juni gab sich BECK, der Künstler, sehr bescheiden. Er würde sich ja manchmal mit seinen Wortspielen bei anderen bedienen. Tatsächlich lässt er sich ständig und von allem Möglichen inspirieren. In seinem 2014 erschienen dicken Taschenbuch mit 416 Cartoons schreibt BECK über sich: „In meinem zweiten Leben möchte ich als BECK wiedergeboren werden. Man könnte mich überall hinstellen und fast überall fühlte ich mich nach kürzester Zeit zu Hause.“ Jetzt ist er bei ver.di zuhause mit rund 90 mal Lebens- und Alltagswitz. Fehlt eigentlich nur noch ein ver.di-Cartoon. Scherz beiseite, einfach vorbeikommen, so lange noch auf der Galerie gelacht werden darf.

    Text: Petra Welzel

    Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Juli in der ver.di-Bundesverwaltung, Paula-Thiede-Ufer 10, Montag bis Freitag von 10-18 Uhr zu sehen.   

    Lesen mit BECK Illustration: BECK Lesen mit BECK