Bildung & Ausbildung

    Studium an der EAdA ohne Abitur

    Theorie und Praxis verbinden

    An der Europäischen Akademie der Arbeit studiert Johannes Mandlmeier im Januar 2021 Frederik Birk Johannes Mandlmeier studiert derzeit an der Europäischen Akademie der Arbeit

    1. Februar 2021 – Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf den Ablauf des derzeitigen Studiengangs an der Europäischen Akademie der Arbeit (EAdA) aus. Seit Anfang des Jahres finden die Veranstaltungen nur noch online statt. Doch zum Glück, sagt Johannes Mandlmeier, einer der derzeit Studierenden, habe man seit Studienbeginn am 1. Oktober schon drei Monate Präsenzuntericht gehabt – Zeit, um sich kennenzulernen.

    Arbeitnehmer*innen akademisch ausbilden

    29 Studierende zählen zu diesem Lehrgang, dem 85. an der EAdA, die zur Universität Frankfurt/Main gehört. Die dahinter stehende gemeinnützige Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Arbeitnehmer*innen für ihre Aufgaben im wirtschaftlichen und öffentlichen Leben auszubilden. Die Besonderheit: Für das elfmonatige Studium wird kein Abitur benötigt.

    So war es auch für Johannes Mandlmeier möglich, hier sein Studium zu beginnen. Er hat nach seinem mittleren Schulabschluss eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik gemacht, die Anschlussbefristung vor deren Ablauf gekündigt, um dann elf Monate für ein anderes Unternehmen von Montag bis Freitag auf Montage zu gehen. „Ich habe dabei vieles kennengelernt", sagt der 22jährige. Arbeiten im Großbetrieb, Arbeiten ohne Interessenvertretung, Arbeiten bei einem Arbeitgeber, der alles in die Eigenverantwortung der Beschäftigten abwälzt, ausufernde Arbeitszeiten, das Kräftemessen unter Kolleg*innen. 

    Wertschätzender Umgang

    Unterschiedliche Erfahrungen, die er in den Diskurs im Studienalltag einbringen kann. Das ist es, was er an dem Angebot der EAdA schätzt: dass jede*r Studierende ihre*seine Erfahrungen mit einbringt, in respektvollen, wertschätzenden Diskussionen. So könnten die Teilnehmenden Theorie und Praxis verbinden und den Stoff lebensnah machen. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt der 22jährige. Ein fester Verbund von 29 Studierenden, wie eine Schulklasse, auch wenn der älteste Teilnehmer in diesem Jahrgang 48 Jahre alt ist. 

    Einige der Teilnehmenden wohnen in einem Wohnheim, wo kleine Appartements mit eigenem Bad bei Bedarf zur Verfügung stehen. So sei es möglich, außerhalb des Stundenplans coronakonform mit dem gebotenen Abstand zu diskutieren oder sich über den Lernstoff auszutauschen. Dennoch sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch im Freizeit-Bereich zu spüren: Ist es sonst üblich, dass immer wieder ehemalige Absolvent*innen vorbeischauen, so dass große Netzwerke geknüpft werden können, entfällt diese Möglichkeit bislang.

    Bezug zur gewerkschaftlichen Basis

    Inhaltlich konzentriert sich das elfmonatige Studium auf vier Bereiche: Arbeits- und Sozialrecht, Soziologie, Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre. Hinzu kommen Angebote aus dem Bereich Kommunikation und Sprache. Neben der Praxisnähe lobt Mandlmeier die fachlich-kompetenten Dozent*innen, die einen starken Bezug zur gewerkschaftlichen Basis haben. Nach dem Abschluss des Studiengangs ist es für die Absolvent*innen möglich, fachgebunden an allen hessischen Hochschulen zu studieren. Myschka Schulze vom Bereich Organisations- und Personalentwicklung beim ver.di-Bundesvorstand empfiehlt das EAdA-Studium auch als gute Grundlage für die gewerkschaftliche Arbeit und das Trainee-Programm bei ver.di. Dessen nächste Ausschreibung läuft vom 19. Februar bis zum 16. März.

    Johannes Mandlmeier denkt darüber nach, nach Abschluss des EAdA-Studiengangs weiter zu studieren, wenn möglich als Stipendiat der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. In zehn Jahren sieht er sich im Bildungssektor, dort, wo er auch gewerkschaftliches Gedankengut weitervermitteln kann. Schließlich ist er schon am ersten Ausbildungstag in ver.di eingetreten, hat sich in seiner Freizeit in der Gewerkschaft engagiert und auch schon eine Teamenden-Ausbildung der ver.di Jugend durchlaufen.

    Bewerbung bei der EAdA

    Im Oktober 2021 beginnt das nächste Studienjahr an der Europäischen Akademie der Arbeit. Ein Abitur ist nicht erforderlich, aber berufliche Erfahrung und gewerkschaftliches oder gesellschaftspolitisches Engagement. Wer in ver.di aktiv ist und das EAdA-Studium mit einem Stipendium finanzieren möchte, sollte seiner Bewerbung eine Stellungnahme der örtlichen ver.di-Gliederung beifügen. Einsendeschluss ist der 31. März 2021. Mehr Infos bei myschka.schulze@verdi.de

    Website der EAdA