Homeoffice und mobile Arbeit regulieren

    28.06.2021 – Wer im Homeoffice tätig ist, leistet seine Arbeit in Voll- oder Teilzeit von zuhause aus. Wer mobil arbeitet, kann seine Arbeit theoretisch und auch praktisch von irgendwo aus erledigen, auch von zuhause aus. Fakt ist: Insbesondere durch die Corona-Pandemie hat das mobile Arbeiten stark zugenommen. Zudem: Die Arbeitgeber*innen wurden immer wieder von der Politik aufgefordert – von Januar bis Ende Juni 2021 schließlich sogar dazu verpflichtet ­­–, ihren Beschäftigten mobile Arbeit wo immer es geht zu ermöglichen, um die Gefahr der Ansteckung mit dem Coronavirus zu senken. So schnell wie die Zahl der Zu-Hause-Arbeitenden anstieg, so schnell zeigten sich aber auch Licht und Schatten des Homeoffice. Sehr deutlich wurde, wo Regelungsbedarfe sind. Diese Bedarfe hat es aber auch schon vor der Pandemie gegeben, denn längst arbeiten viele Erwerbstätige auch mobil bzw. im Homeoffice (siehe Video). Laut der Arbeitsagentur bot bereits im Sommer 2019 jeder vierte Betrieb Homeoffice an – wenn auch nur für einen Teil der Beschäftigten. In Betrieben mit mehr als 50 Angestellten waren zu diesem Zeitpunkt 26 Prozent der Beschäftigten ganz oder teilweise mobil tätig, 6 Jahre zuvor, also 2013, waren es noch 19 Prozent.

    

    Die 16 wichtigsten FAQs zum Homeoffice und mobiler Arbeit

    1.    Was ist Homeoffice?
    2.    Was ist mobile Arbeit?
    3.    Wie weit sind mobile Arbeit/Homeoffice bereits verbreitet?
    4.    Was sind die Vorteile von mobiler Arbeit/Homeoffice?
    5.    Was sind die Nachteile von mobiler Arbeit/Homeoffice?
    6.    Was fordert ver.di fürs Homeoffice und für mobile Arbeit?
    7.    Sind Betriebs- und Personalräte weiterhin auch fürs Homeoffice und für mobile Arbeit zuständig?
    8.    Wie können die Interessenvertretungen (Betriebs- und Personalräte) spezielle Bedarfe bei Homeoffice und mobiler Arbeit in den Unternehmen oder Dienststellen regeln?
    9.    Wo gibt es schon überall Tarif-, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen zu mobiler Arbeit?
    10. Ist die Arbeit im Homeoffice Pflicht?
    11. Wie kann ich die Arbeit im Homeoffice bei der Steuererklärung geltend machen?
    12. Worauf sollte ich bei der Arbeit im Homeoffice oder bei mobiler Arbeit achten?
    13. Ist man bei der Arbeit im Homeoffice unfallversichert?
    14. Wird uns die vermehrte Arbeit im Homeoffice auch nach der Pandemie erhalten bleiben?
    15. Brauchen wir ein Recht auf Homeoffice bzw. mobile Arbeit?
    16. Wie lang ist die Arbeitszeit im Homeoffice/ bei mobiler Arbeit?

    1. Was ist Homeoffice?

    Homeoffice bedeutet, regelmäßig in den eigenen vier Wänden zu arbeiten. Ein anderer Begriff dafür ist (alternierende) Telearbeit. Alternierend bedeutet in diesem Fall, wenn ein Wechsel zwischen einem Arbeitsplatz zu Hause und einem Arbeitsplatz im Büro stattfindet. Es wird dann an vorab fest vereinbarten Tagen bzw. zu fest vereinbarten Zeiten zu Hause gearbeitet wird.

    Der große Unterschied zwischen Telearbeit und Homeoffice besteht darin, dass Telearbeit der Arbeitsstättenverordnung, kurz: ArbStättV, unterliegt, die die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten an ihren Arbeitsstätten regelt. Telearbeitsplätze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte, wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat (siehe dazu die Novelle der ArbStättV vom 03.12.2016).

    2. Was ist mobile Arbeit?

    Mobile Arbeit kann im Gegensatz zum Homeoffice an unterschiedlichen Orten erbracht werden, also außerhalb der eigentlichen ersten Arbeitsstätte. Das kann die eigene Wohnung sein (deshalb wird Homeoffice derzeit auch oft als Form mobilen Arbeitens betrachtet), das können aber auch unterschiedliche Standorte des Unternehmens sein. Auch wer in einem Café sitzt und dort an seinem Laptop dienstliche Mails beantwortet, arbeitet mobil.

    Ein anderes Beispiel sind sogenannte Coworking Spaces, bei denen sich Erwerbstätige aus ganz unterschiedlichen Bereichen für bestimmte Zeiten Arbeitsplätze und Büroinfrastruktur mieten, oder ihr Arbeitgeber hat diese Plätze gemietet. Etwas anders verhält es sich mit dem Cloud Working: Prinzipiell beschreibt Cloud Working das Arbeiten in einer Cloud. In der Cloud werden Daten nicht mehr konventionell auf einem Computer gesichert, sondern für alle Mitarbeiter*innen überall zugänglich gemacht. Egal ob sie sich gerade im Büro oder an anderen Orten aufhalten (siehe Video). Und nicht zu vergessen Handwerker*innen und Außendienstbeschäftigte: Ihre Arbeit bei den Kund*innen vor Ort fällt ebenfalls unter mobile Arbeit, genauso wie Dienstreisen.

    

    Durch die Corona-Pandemie hat der Anteil derjenigen, die im Homeoffice arbeiten stark zugenommen. Zum einen liegt das das daran, dass innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr Beschäftigte zumindest zeitweise nicht mehr im Büro gearbeitet haben. In der Kürze der Zeit war es aber nicht immer möglich, dass die Arbeitgeber bei den Beschäftigten zu Hause entsprechende Arbeitsplätze eingerichtet haben, auch an technischen Geräten wie Laptops etc. fehlte es. Ergonomische Anforderungen an die Arbeitsplatzgestaltungen wurden daher nicht immer eingehalten, so dass man hier eher von mobiler Arbeit gesprochen werden muss.

    In der am 10.8.2020 in Kraft getretenen SARS-COV-2-Arbeitsschutzregel des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) wurde erstmals gesetzlich Homeoffice als Form mobilen Arbeitens mit dem Hinweis definiert, dass Regelungen der ArbStättV zum Telearbeitsplatz unberührt bleiben. Dort hieß es unter Punkt 4.2.4.: „(1) Homeoffice als Form der mobilen Arbeit bietet eine Möglichkeit, die Zahl der gleichzeitig im Betrieb anwesenden Beschäftigten zu reduzieren und die Einhaltung von Abstandsregeln zu unterstützen. Dies gilt insbesondere, wenn Büroräume ansonsten von mehreren Beschäftigten bei Nichteinhaltung der Abstandsregel genutzt werden müssten.“ Nach der Pandemie wird diesbezüglich noch vieles zu regeln sein bzw. müssen Regelungen überarbeitet werden, wenn Beschäftigte weiter auch außerhalb ihre Büroarbeitsplatzes tätig sein wollen und können. Das sind auch die Interessenvertretungen wie Betriebs- oder Personalräte gefragt.

    3. Wie weit sind mobile Arbeit/Homeoffice bereits verbreitet?

    Nach einer Umfrage des DGB-Index Gute Arbeit haben im Frühjahr 2020 zwei Drittel der Beschäftigten angegeben, ihre Arbeit an einem vom Arbeitgeber zugewiesenen festen Arbeitsplatz erbracht zu haben. 36 Prozent arbeiten mobil, 18 Prozent auch im Homeoffice (Beschäftigte, die aufgrund der Corona-Pandemie ihre Arbeit erstmals im Homeoffice erledigen, sind hier nicht berücksichtigt worden). Bei allen anderen Befragten macht die mobile Arbeit häufig nur einen Teil ihrer Arbeit aus.

    Mehr erfahren unter DGB-Index Gute Arbeit 2020 – Mobile Arbeit

    Ende Januar 2021 arbeiteten nach Angaben des Statista Research Department 24 Prozent und damit knapp ein Viertel der befragten Erwerbstätigen ausschließlich oder überwiegend im Homeoffice. Auch die Hans-Böckler-Stiftung hat mehrmals den Anteil derjenigen erhoben, die von zu Hause arbeiten. Die Frage, ob sie damit rechnen, dass Homeoffice in Zukunft weiter verbreitet sein wird, beantworteten 71 Prozent der Befragten im Juni mit „Ja“.

    Mehr erfahren zur Befragung unter Hans-Böckler-Stiftung

    4. Was sind die Vorteile von mobiler Arbeit/Homeoffice?

    85 Prozent der Beschäftigten, die zu Hause arbeiten, sagten im Frühjahr 2020 bei einer Umfrage des DGB-Index Gute Arbeit, sie könnten sich ihre Arbeit frei einteilen. Von den Bürobeschäftigten sagten das 65 Prozent. Zu Hause lässt es sich einfacher im eigenen Rhythmus arbeiten, die soziale Kontrolle ist geringer. Durch fehlende Fahrtzeiten ins Büro gewinnt man Zeit und spart die Fahrtkosten. Da es sich in der Regel um eine freiwillige Entscheidung handelt bzw. handeln sollte, haben sich die Beschäftigten bewusst auf diese Arbeitsform eingestellt.

    5. Was sind die Nachteile von mobiler Arbeit/Homeoffice?

    Gerade wer in Pandemiezeiten am Küchentisch seinen Büroarbeitsplatz aufbaut, merkt u.a. schnell, dass es schwierig ist, eine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen. Sind die Kitas und Schulen geschlossen, kommt es häufig zu einer Mehrfachbelastung, und die trifft überwiegend Frauen. Viele schauen auch abends noch mal schnell in die E-Mails oder reagieren auf Anrufe. Für eine strikte Abgrenzung braucht man einen guten Arbeits- und Gesundheitsschutz mit entsprechenden Unterweisungen auch für ein gutes Selbstmanagement. Der Trend zur sogenannten Entgrenzung nimmt zu, ebenso die psychischen Belastungen. Zumindest meinen fast 40 Prozent der befragten Beschäftigten im Homeoffice, dass von ihnen erwartet wird, ständig erreichbar zu sein (DGB-Index Gute Arbeit 2020). Wer zu oft zu Hause arbeitet, gerät in Gefahr, den Kontakt zu den Kolleg*innen zu verlieren und, bei Beförderungen ist man vom Radar der Vorgesetzten verschwunden zu sein. Informelle Absprachen in der Kaffeeküche oder den Bürotratsch verpasst man. Auch deshalb bietet es sich an, alternierend, also im Wechsel zu Hause und im Büro zu arbeiten. Und immer noch gibt es misstrauische Vorgesetzte, die glauben, wer zu Hause arbeitet, schafft nichts.

    6. Was fordert ver.di fürs Homeoffice und für mobile Arbeit?

    ver.di setzt sich für ein Recht auf selbstbestimmtes Homeoffice und mobile Arbeit ein. Die Teilnahme daran muss freiwillig sein. Wer nicht mobil arbeiten will, darf keine Nachteile erfahren. Für ver.di ist es wichtig, mobile Arbeit im Sinne Guter Arbeit zu regeln und zu gestalten. Dazu gehört beispielsweise, dass die Gesundheit geschützt und potenziellen Risiken wie Entgrenzung präventiv begegnet wird.

    Mehr Material, auch zu den ver.di-Forderungen unter: https://innovation-gute-arbeit.verdi.de/themen/mobile-arbeit

    ver.di hat zudem intensiv an der DGB-Positionierung mitgearbeitet: Mobiles Arbeiten und Homeoffice: Das muss passieren

    7. Sind Betriebs- und Personalräte weiterhin auch fürs Homeoffice und für mobile Arbeit zuständig?

    Bei der Ein- und Durchführung vom Homeoffice wie auch mobiler Arbeit sind Betriebs- oder Personalrat zu beteiligen. Der Arbeitgeber darf nicht einseitig Homeoffice „anordnen“, sondern dafür bedarf es einer Vereinbarung zwischen Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen bzw. deren Interessenvertretung. Denn auch wer im Homeoffice arbeitet, zählt weiterhin zu den Arbeitnehmer*innen im Betrieb. Daher üben die Interessenvertreter*innen ihre Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte weiterhin auch in diesen Fällen aus. So muss der Betriebsrat weiterhin darauf achten, dass geltende Verordnungen und Gesetze eingehalten werden. Dazu zählen Arbeitszeit und Gesundheitsschutz. Es bietet sich vor allem an, spezielle Betriebs- und Dienstvereinbarungen auszuhandeln, in denen die betriebsspezifischen Besonderheiten von mobiler Arbeit und Homeoffice geregelt werden.

    Wichtig ist die Mitbestimmung auch, wenn es um die Einführung von Verfahren geht, mit denen Arbeit und Leistung kontrolliert werden können. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Arbeitgeber diese Verfahren auch tatsächlich nutzen will.

    Mit dem im Frühjahr 2021 verabschiedeten Betriebsrätemodernisierungsgesetz hat der Gesetzgeber ein eigenes Mitbestimmungsrecht für die Ausgestaltung mobiler Arbeit geschaffen. Die Entscheidung, ob mobile Arbeit eingeführt wird, liegt weiterhin beim Arbeitgeber.

    8. Wie können die Interessenvertretungen (Betriebs- und Personalräte) spezielle Bedarfe bei Homeoffice und mobiler Arbeit in den Unternehmen oder Dienststellen regeln?

    Die Digitalisierung der Arbeitswelt – und dazu zählen auch mobile Arbeit und Homeoffice – führen häufig zu einer Steigerung der Arbeitsbelastung, zu mehr Zeitdruck und damit zu mehr psychischen Belastungen. ver.di empfiehlt den Interessenvertretungen gemeinsam mit den Beschäftigten die für sie wichtigen Regelungsbedarfe zu identifizieren. Die können dann mit den Arbeitgeber*innen in Betriebs- oder Dienstvereinbarung geregelt werden.

    Es gibt aber auch Tarifverträge, die die mobile Arbeit/Homeoffice regeln. Ziel ist es, für die Beschäftigten Freiräume für mehr Arbeits- und Lebensqualität zu erschließen. Die technischen Voraussetzungen dafür sind meist vorhanden, allerdings müssen sie auch mit den Beschäftigten in ihrem Sinne ausgestaltet werden. Die Ausstattung des jeweiligen Arbeitsplatzes ist durchaus so ein Regelungsthema. Wichtige Punkte können neben der Regelung von Arbeitszeit und -ort die Bereitstellung von Hard- und Software, aber auch Haftungsfragen, Kostenerfassung und -erstattung, die private Nutzung von Telearbeitsplätzen, die Regelung der Zutrittsrechte des Arbeitgebers sowie die Möglichkeiten für Rückkehrregelungen sein.

    Der ver.di-Bereich Innovation und Gute Arbeit sowie die Tarifpolitische Grundsatzabteilung von ver.di haben dazu die Broschüre „Mobile Arbeit: Empfehlungen für die tarif- und betriebspolitische Gestaltung“ herausgegeben. 

    9. Wo gibt es schon überall Tarif-, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen zu mobiler Arbeit?

    In vielen Unternehmen und Branchen hat ver.di in den vergangenen Jahren schon entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen. Dabei geht es nicht nur um die Gestaltung von Guter Arbeit, mit solchen Vereinbarungen hoffen die Arbeitgeber*innen auch, attraktiver zu werden, um Fachkräfte besser anwerben und halten zu können. Wichtig ist, dass die Tarifvertragsparteien – also Gewerkschaft bzw. Interessenvertretung und Arbeitgeber – in diesen Vereinbarungen Begriffe wie „mobiles Arbeiten“ definieren. In den meisten Vereinbarungen wird festgelegt, unter welchen Umständen mobil oder in Telearbeit gearbeitet werden kann. Häufig werden auch Leistungs- und Arbeitszeitkontrolle sowie die Ausstattung mit Hard- und Software geregelt, aber auch Arbeitszeit und Erreichbarkeit. Auch wird geklärt, was bei technischen Problemen zu tun ist und wie Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet werden.

    Hier zwei Beispiele:

    ZDF
    Beim Zweiten Deutschen Fernsehen, ZDF, gilt seit 2020 ein Tarifvertrag zur modernen Arbeit. Ein Teil davon beschäftigt sich mit mobiler Arbeit und Telearbeit. Die Tarifpartner*innen wollten damit einen Ausgleich schaffen zwischen einer zunehmend vernetzten, flexibleren und einer größeren Selbstbestimmtheit zugänglichen Berufstätigkeit und dem damit einhergehenden Risiko einer Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Beim ZDF ist in der Vereinbarung klar geregelt, wer die Kosten für Einrichtung, Wartung und Betrieb des heimischen Arbeitsplatzes übernimmt.

    Bayerisches Rotes Kreuz
    ver.di und das Bayerische Rote Kreuz verständigten sich 2020 auf eine Regelung zur mobilen Arbeit, mit der sie für eine höhere Motivation der Beschäftigten sorgen und zugleich die Arbeitsqualität und Produktivität steigern wollen. Damit wollen sie den Beschäftigten bei einer lebensphasenorientierten Berufs- und Lebensplanung entgegenkommen, bei der es aber nicht nur darum geht, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, sondern auch Beruf und Gesundheit. Dies soll geschehen durch weitgehend selbstständige, eigenverantwortliche Tätigkeiten im Rahmen von ergebnisorientierten Absprachen.

    10. Ist die Arbeit im Homeoffice Pflicht?

    Grundsätzlich kann niemand gezwungen werden, im Homeoffice zu arbeiten. Selbst in Hochzeiten der Corona-Pandemie wurde an Arbeitgeber*innen wie Beschäftigte gleichermaßen appelliert, diese Möglichkeiten zu nutzen. Arbeitgeber*innen können aber grundsätzlich entscheiden, ob sie diese Möglichkeit anbieten. Dann sollten Betriebs- und Personalräte gemeinsam mit den Beschäftigten ihre Erwartungen formulieren und entsprechende Regelungen mit den Arbeitgeber*innen abschließen. Genauso aber können auch gewerkschaftliche Interessenvertretungen auf die Arbeitgeber zugehen und sie zu Verhandlungen auffordern.

    11. Wie kann ich die Arbeit im Homeoffice bei der Steuererklärung geltend machen?

    Mit dem Jahressteuergesetz 2020 wurde eine Homeoffice-Pauschale eingeführt. Das Finanzamt erkennt pauschal für jeden Tag, an dem zu Hause gearbeitet wurde, 5 Euro an. Die Summe ist insgesamt auf 600 Euro pro Jahr gedeckelt, das entspricht 120 Arbeitstagen. Diese Regelung soll auch für 2021 gelten. Die Pauschale zählt zu den Werbungskosten. Wer insgesamt mit seinen Werbungskosten (inklusive dieser Pauschale) nicht über 1.000 Euro kommt, hat von dieser Regelung keinen finanziellen Vorteil. 

    Wer sein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen möchte, steht weiterhin vor hohen Hürden. Zum einen darf kein Arbeitsplatz im Büro zur Verfügung stehen. zum anderen muss das Arbeitszimmer zu Hause ein separater Raum sein. Der Küchentisch gilt nicht. Leichter ist es da, Arbeitsmittel abzusetzen. Denn ob Schreibtischstuhl, Computer, Monitor, Repeater, Druckerpapier oder ein Kugel­schreiber – eine Liste möglicher ­Arbeitsmittel im Homeoffice ist lang. Sie können bei der Steuererklärung geltend gemacht werden, wenn die entsprechenden Belege vorhanden sind. Arbeitsmittel, die mehr als 800 Euro gekostet haben, ­werden entsprechend ihrer voraussichtlichen Nutzungsdauer über mehrere ­Jahre abgeschrieben; die liegt etwa bei einem Computer bei drei Jahren.

    Ist Homeoffice angeordnet worden und ist es dabei notwendig, mit dem Büro/Arbeitgeber beruflich zu kommunizieren, können meist pauschal 20 Euro pro ­Monat für Telefon- und Internetkosten geltend gemacht werden. Wer allerdings häufig im Homeoffice gearbeitet hat, kann an diesen Tage keine Fahrtkosten für den Arbeitsweg absetzen. Wer dazu Jahres-Abo-Karten oder eine Bahncard nutzt, muss schauen, wann die gekauft wurden. War zu diesem Zeitpunkt bereits absehbar, dass viel zu Hause gearbeitet wird, könnte es Probleme bei der Absetzbarkeit geben.

    Weiter helfen kann der ver.di-Lohnsteuerservice

    12. Worauf sollte ich bei der Arbeit im Homeoffice oder bei mobiler Arbeit achten?

    Wer im Homeoffice oder mobil arbeitet, nennt häufig die Entgrenzung der Arbeit als Problem. Im Büro bleiben Arbeitsprobleme und -themen meist dort, zu Hause mussten gerade in der Corona-Zeit noch die Kinder nebenher bespaßt und/oder beschult werden. Deshalb ist es wichtig, sich zu Hause eine Struktur zu schaffen, sei es für den Arbeitsplatz, sei es für die tägliche Arbeit. Und auch zu Hause gilt es darauf zu achten, dass die Arbeit gesund bleibt. Regelmäßige Pausen, aber auch eine Begrenzung der Arbeitszeit sind da u.a. unverzichtbar.

    Mehr Tipps im ver.di-Blog „Wir sind ver.di“ und auf den Seiten des Bereichs Innovation und Gute Arbeit (Link siehe oben).

    13. Ist man bei der Arbeit im Homeoffice unfallversichert?

    Grundsätzlich ja. Nach Aussagen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ist der Ort, an dem eine Tätigkeit erbracht wird, nicht unbedingt maßgeblich für den Unfallschutz. Entscheidend ist, dass der Unfall im Zusammenhang mit einer versicherten Tätigkeit steht, dann gilt er als Arbeitsunfall. Die DGUV nennt als Beispiel einen Treppensturz. Wer die Treppe hinuntergeht, um im Keller die unterbrochene Internetverbindung zu überprüfen, der wäre bei einem Unfall versichert. Stürzt jemand jedoch auf der Treppe, weil er während der Arbeitszeit ein Paket entgegennehmen wollte, der ist bei diesem Unfall nicht versichert.  

    Die DGUV verweist allerdings darauf, dass die Abgrenzung zwischen versicherter und unversicherter Tätigkeit im Homeoffice nicht einfach ist. Aktuell sind viele dieser Fragen, die durch die vermehrte Nutzung von Homeoffice und mobiler Arbeit während der Corona-Pandemie entstanden sind, noch vor Gerichten anhängig. Aber auch die Gesetze müssen auf den aktuellen Stand gebracht werden, um solche Lücken zu schließen. Seit 18. Juni 2021 ist im Paragraph 8 des Sozialgesetzbuches „SGB VII“ der Unfallversicherungsschutz für Beschäftigte im Homeoffice aufgenommen wurden. Damit besteht der gleiche Unfallversicherungsschutz im Homeoffice wie bei der Arbeit im Betrieb. Darüber hinaus sind Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten und ihre Kinder zur Kindertagesstätte bringen bzw. sie abholen, auch abgesichert. Auf diese Weise werden Lücken im Unfallversicherungsschutz geschlossen und Schlechterstellungen beseitigt.

    14. Bleibt uns die vermehrte Arbeit im Homeoffice auch nach der Pandemie erhalten?

    Versicherungen, Verlage und andere Branchen haben angekündigt, auch nach der Pandemie verstärkt auf Heimarbeit und mobile Arbeit setzen zu wollen. Ihr Argument sind die geringeren Kosten. So wollen sie Kosten für Büroraum, aber auch für Heizung, Möbel und Ausstattung auf die Beschäftigten verlagern. ver.di fordert daher klare gesetzliche Regelungen für das Homeoffice. Eine Homeoffice-Quote dürfe nicht zu Kostenvorteilen für die Arbeitgeber*innen führen. Es müsse geklärt werden, wer die Kosten übernimmt, die im Zusammenhang mit Betrieb, Einrichtung und Wartung des heimischen Arbeitsplatzes entstehen.

    ver.di fordert zudem eine Erweiterung des betrieblichen Mitbestimmungsrechts bei der Einführung und Ausgestaltung mobiler Arbeit und auch beim Homeoffice. Wichtig ist, dass sich die Beschäftigten freiwillig für mobile Arbeit/Homeoffice entscheiden können. Ihr betrieblicher Arbeitsplatz müsse bestehen bleiben, damit jederzeit eine Rückkehr möglich ist. Vor allem: Längst nicht alle Arbeitentsplätze können vom Homeoffice aus erledigt werden. Beispiele sind da das produzierende Gewerbe, aber auch viele Dienstleistungsberufe, etwa in der Pflege oder bei Friseur*innen.

    15. Brauchen wir ein Recht auf Homeoffice bzw. mobile Arbeit?

    Ja, ver.di setzt sich für ein Recht auf Homeoffice und mobile Arbeit ein. In vielen Berufen ist jedoch mobile Arbeit nicht möglich, auch nicht bei einem Rechtsanspruch. ver.di macht sich zudem dafür stark, die Bedingungen von mobiler Arbeit/Homeoffice in Tarifverträgen, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen festzulegen.

    16. Wie lang ist die Arbeitszeit im Homeoffice/ bei mobiler Arbeit?

    Sie entspricht der des betrieblichen Arbeitsplatzes, die im Gesetz und Tarifvertrag festgelegt ist, und muss auch entsprechend erfasst werden.