Arbeit in Zeiten von Corona

    Einwahl in den virtuellen Tunnel

    IT/Telekommunikation

    Das Netz am Laufen halten

    Arbeiten in Zeiten von Corona

    Die Tarifverhandlungen zwischen ver.di und der Deutschen Telekom sind mitten in den sogenannten Lockdown wegen des Coronavirus gefallen. Das jetzt weder gestreikt noch von Arbeitgeberseite die Verhandlungen ausgesessen werden konnten, war beiden Seiten klar. Und so einigte man sich so zügig wie noch nie mit einem für alle Beteiligten guten Ergebnis. Wenn nahezu das halbe Land ins Home Office geschickt wird, dann müssen die Leitungen laufen und stabil sein. Und wenn sie das nicht sind, müssen Störungen schnell behoben werden.

    Innerhalb kürzester Zeit hat der Coronavirus die Arbeitswelt grundlegend verändert. Home Office, sicheres Remote-Arbeiten, Arbeitsmaterialien in die Cloud verlagern, Videokonferenzen und mehr – Unternehmen, aber auch öffentliche Verwaltungen müssen seit Beginn der Corona-Krise massiv umdenken und rasch handeln. Vieles von dem, was jetzt digital und von Zuhause aus erledigt wird, könnte auch noch nach der Krise sinnvoll sein. Flexibles mobiles Arbeiten, ob im Home Office oder von unterwegs – es könnte selbstverständlich werden. Telekommunikations- und IT-Branche jedenfalls geht die Arbeit dieser Tage nicht aus.

    Jetzt darf nur kein Kabel reißen Foto: DPA Jetzt darf nur kein Kabel reißen


    Wir haben Nachholbedarf bei der Digitalisierung

    Christian Cordes, 45, ist Projektleiter New Work (Neue Arbeit) im Referat Digitalisierung der Stadt Wolfsburg privat Christian Cordes, 45, ist Projektleiter New Work (Neue Arbeit) im Referat Digitalisierung der Stadt Wolfsburg

    30. April 2020 – „Studiert habe ich eigentlich mal Pädagogik und Medienwissenschaften. Ganz klassisch habe ich dann im Jugendamt angefangen zu arbeiten und bin von dort nach vier Jahren in den Kulturbereich gewechselt. Dort habe ich einen Kreativ-Thinktank, also eine Denkfabrik für die Kulturwirtschaft der Stadt Wolfsburg gegründet. Den betreibe ich im Prinzip bis heute in einer neuen Location. Es ist so eine Art Hybrid, von dem wir von intern und extern in die Stadtverwaltung wirken und mit vielen Kreativen und Freelancern zusammenarbeiten im Bezug auf neue Arbeitsformen, Technologieeinsatz wie Videokonferenzen, etc., also das, was viele heute im Home Office nutzen. Das ist seit Jahren mein täglich Brot.

    Ich und meine Kollegen sind gerade viel gefragt. Wir kümmern uns um Querschnittsthemen und verschiedene Fragen: Wie kann das Team in solchen Situationen zusammenhalten? Wie geht das mit Videokonferenzen? Wie sieht es aus mit Cloud-Speichermöglichkeiten, was hat die Stadt da schon? Wie kann man im Home Office sein und trotzdem auf die Infrastruktur der Stadt zurückgreifen? Daran arbeite ich gerade mit den Kollegen der IT-Abteilung.

    Wir haben dafür schon eine relativ gute Grundstruktur. Es gibt viele Dienst-iPhones und -iPads, auch schon vor der Coronazeit gab es die Möglichkeit, auf einen Cloud-Speicher zugreifen zu können, um mobil arbeiten zu können. Auch ein sogenanntes VPN gab es schon, also ein virtuelles Netzwerk für die Stadtverwaltung. Aber die Zahl derjenigen, die das jetzt alles nutzen wollen, die ist gestiegen. Da muss die IT ordentlich nacharbeiten, weil es viel mehr Nutzer gibt als in den Jahren zuvor. Auch Videokonferenzen erzielen auf einmal eine ganz andere Reichweite als zuvor.

    Zum Thema Datenschutz haben alle Mitarbeiter seitenlange Papiere bekommen, zum Beispiel mit dem Hinweis, keine Daten auf einem USB-Stick mit nach Hause zu nehmen oder sich zuzumailen, sondern dass man das alles nur über die Dienstgeräte und Dienstspeicher macht. Auch Akten dürfen das Rathaus nur in begründeten Fällen verlassen. Da müssen sich jetzt alle dem neuen Workflow anpassen.

    „Wir klären aber auch, ob es denn immer eine Videokonferenz sein muss oder ob nicht auch eine Telefonkonferenz eine Lösung sein kann. Der Mensch neigt ja dazu, wenn das All-You-Can-Eat-Buffet ausgefahren wird, dann haut er sich das auch rein.“

    Ich habe daher gerade sehr sehr viele Beratungsaufgaben rund um das Thema Digitalisierung. Wie können Pressekonferenzen laufen? Wie läuft es mit dem Feedback von Journalisten? Dann bekomme ich aber auch Fragen, wie installiere ich eine App, das habe ich noch nie gemacht? Meistens kann ich alle Fragen innerhalb von einer halben Stunde beantworten. Wir klären aber auch, ob es denn immer eine Videokonferenz sein muss oder ob nicht auch eine Telefonkonferenz eine Lösung sein kann. Der Mensch neigt ja dazu, wenn das All-You-Can-Eat-Buffet ausgefahren wird, dann haut er sich das auch rein. Wir sorgen da für den sinnvollen Einsatz der Ressourcen und der technischen Möglichkeiten.

    Überfordert fühle ich mich bisher nicht, aber schon gestresst, weil mache Abstimmungsschlaufen und Rückkopplungen auf Grund des Krisenmodus einfach länger laufen. Aber weil mein Herz für die Digitalisierung schlägt, macht mir meine Arbeit gerade auch viel Spaß.

    „Wir sollten jetzt die Erfahrungen, die die Menschen im Home Office machen, sammeln und in Zukunft mit in die Arbeitssysteme aufnehmen.“

    Die meiste Angst habe ich davor, dass die Wirtschaft und wir alle aus dieser Krise nichts lernen und nachher weitermachen wie bisher. Was uns das Coronathema ja auch aufzeigt, ist, dass wir zum Thema Arbeitsverständnis, Home Office, Flexibilisierung von Arbeit an einigen Stellen Nachholbedarf haben wie insgesamt zum Thema Digitalisierung. Wenn man etwa sieht, wie viele Menschen noch nie Videokonferenzen oder so ein Kommunikationstool wie Slack genutzt haben. Die es nur gewohnt sind, mit Telefon, E-Mail und Fax zu arbeiten. Wir sollten jetzt die Erfahrungen, die die Menschen im Home Office machen, sammeln und in Zukunft mit in die Arbeitssysteme aufnehmen. Kann ich zum Beispiel nicht auch nach der Krise viel mehr von zuhause aus machen, das ist so ein Wunsch, den ich für die Zukunft habe. Auch unter dem Aspekt der vielen Pendler ist die Flexibilisierung von Arbeitsorten wünschenswert. Oder auch die Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

    Bei der Stadt Wolfsburg haben wir einen Arbeitszeitkorridor, in dem wir auch mal die Betreuung der Kinder unterbringen können. Da arbeite ich dann am Morgen, betreue mittags die Kinder und arbeite dann wieder am Nachmittag oder Abend. Ich weiß natürlich, dass das nicht für alle Berufsgruppen so möglich ist, aber das ist ein großes Thema, und da muss jetzt auch ver.di auf beiden Klavieren gut spielen können, ohne Mitglieder zu vergrätzen oder sämtliche gewerkschaftlichen Errungenschaften über Bord zu werfen.

    Wer im Home Office arbeitet, sollte sich auf jeden Fall so eine Art Workflow aneignen. Man sollte Arbeitszeiten, Pausen, Regenerationszeiten mit einplanen und darauf achten, sie einzuhalten. Ich strukturiere meinen Tag immer auf einem Stück Papier, plane Zeiten für verschiedene Aufgaben ein, aber auch Dinge, die ich schieben kann. Und das setze ich dann auch um. In unserem Team haben wir übrigens neben all den dienstlichen Videokonferenzen eine 15-Uhr-Espresso-Videokonferenz eingeführt, in der es nur um Büroschnack geht: Wie geht es der Familie? Was machen die Kinder? Wir reden dann nicht über die Arbeit. So kann man das Thema des Social Distancing auch digital einfangen.“

    Protokoll: Petra Welzel


    Wenn Daten umziehen sollen

    Felix Koop, 54, ist Technical Solution Manager bei der Firma IBM Jürgen Lang Felix Koop, 54, ist Technical Solution Manager bei der Firma IBM

    8. April 2020 – „Wenn Kunden mit ihren Daten umziehen wollen, dann ist es meine Aufgabe, ihnen ein Angebot dafür zu erstellen. Entweder wechseln sie mit ihren Daten in eine Cloud oder in ein anderes Rechenzentrum. Meist geschieht das virtuell und aus der Entfernung heraus etwa in Deutschland, Europa, aber auch in Indien. Dafür muss niemand vor Ort sein.

    Meine Aufgabe ist relativ weit vorne im Ablauf dieses Wechselprozesses. Wenn so eine Anfrage kommt, steckt häufig dahinter, dass die Kunden durch diesen Umzug Geld sparen wollen. Daher kann ich bislang noch keinen Rückgang an Anfragen feststellen. Derzeit ist auch noch Quartalswechsel und es sind Osterferien, da ist es eh ruhiger. Ob die Umzüge dann nachher auch stattfinden, also die Angebote angenommen werden, kann ich noch nicht sagen. Allerdings stelle ich jetzt schon manchmal fest, dass in den Firmen Ansprechpartner fehlen, wenn sie etwa in Kurzarbeit sind.

    „Was sich verändert hat, ist meine Betriebsratsarbeit. Auch die Betriebsratssitzungen finden jetzt per Videokonferenz statt.“

    Ich arbeite zu 95 Prozent im Home Office, ebenso wie viele meiner Kollegen. Nur selten begleite ich vertriebsunterstützend einen Mitarbeiter im Außendienst. Auch Videokonferenzen waren bei uns schon immer Arbeitsalltag. Was sich verändert hat, ist meine Betriebsratsarbeit. Auch die Betriebsratssitzungen finden jetzt per Videokonferenz statt. Wir haben daher eine Absprache mit dem Arbeitgeber, dass er die Form unserer Beschlussfassung nicht beanstandet. Würden kritische Themen anstehen, etwa Kündigungen, würden wir sicherlich wieder zu einer Präsenzsitzung zusammenkommen. Probleme macht auch, dass der Arbeitgeber Tools für Kontrollen nutzen will, die wir nicht genehmigt haben.

    Den Kontakt zum Betriebsrat halten die Kolleginnen und Kollegen wie bisher meist per E-Mail und Telefon. Häufig geht es dabei jetzt um die Angst vor Kurzarbeit und Personalabbau. In den letzten Jahren war es so, dass nicht mehr direkt Personal abgebaut wurde. Aber durch das Angebot von Abfindungen und die Nicht-wieder-Besetzung freiwerdender Stellen hatten wir pro Jahr ein von Arbeitgeber gewolltes Minus, meist von rund 1.000 Stellen netto pro Jahr. Zurzeit ist aber kein Mitarbeiter zu einem Stellenwechsel bereit. Wie wird der Arbeitgeber darauf Ende des Jahres reagieren? Viele unserer Mitarbeiter arbeiten auch in Partnerfirmen, da muss man sehen, wie es nach der Krise mit diesen Firmen weitergeht. Für IBM geht der Arbeitgeber offiziell davon aus, dass das Geschäft im zweiten Halbjahr brummen wird.

    Protokoll: Heike Langenberg


    Wir müssen uns gegenseitig schützen

    Joachim Stahl, 55, Monteur im Außendienst der Telekom Regen, tätig in Niederbayern und der Oberpfalz Foto: privat Joachim Stahl, 55, Monteur im Außendienst der Telekom Regen, tätig in Niederbayern und der Oberpfalz

    2. April 2020 – „Wir, als Projekte-Team, sind für die Kupfer- und Glasfasermontage verantwortlich, das heißt für den Ausbau des schnellen Internets für Städte und Gemeinden. Wir kommen, wenn der Tiefbau fertig ist und die Kabel verlegt sind, montieren dann die Kabel in der Vermittlungsstelle, an den Verteilerkästen, wie Kabelverzweiger, Mehrfachgehäuse und Netzverteiler, sowie an den Muffen.

    Durch den Breitbandausbau, lässt sich der Kontakt mit der bauausführenden Tiefbaufirma nicht immer vermeiden. Da wir auch Kundenkontakt haben, müssen wir uns vor Corona am Arbeitsplatz schützen. Heute fahre ich noch nach Regensburg und hole für unser Team die Schutzausrüstung ab. Wir sind elf Monteure in mehreren Ortsgruppen. Es arbeiten höchstens immer zwei von uns zusammen. Auch das Verteilen der Schutzhandschuhe, Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel, wird unter größtmöglicher Sicherheit gemacht. Das Paket wird für uns abgestellt, damit es möglichst ohne Kontakt für weitere Personen abgeholt werden kann.

    „Ich muss nur noch vorsichtiger sein und bei der Montage schauen, dass der Abstand eingehalten wird.“

    Direkt an den Arbeitsabläufen hat sich für mich sonst nichts verändert. Ich muss nur noch vorsichtiger sein und bei der Montage schauen, dass der Abstand eingehalten wird. Gerade bei der Glasfasermontage, lässt es sich trotzdem nicht immer vermeiden, dass man den Sicherheitsabstand zum Kollegen einhalten kann. Klar benutze ich Schutzhandschuhe im Job und achte auch privat darauf, mich beim Anfassen von Türklinken und Einkaufswagen zu schützen. So richtig Angst habe ich nicht, aber recht wohl ist mir auch nicht. Schließlich breitet sich das Virus immer weiter aus.

    Ich finde, jeder sollte beim Einkaufen einen Schutz vor dem Mund tragen. Ich weiß, ein Tuch gibt einem selbst keinen hundertprozentigen Schutz. Aber es schützt andere. Und wenn das alle machen, dann schützt es auch einen selbst. Ein Tuch vor dem Mund hilft, dass man beim Sprechen niemanden versehentlich anspuckt. Wenn das alle machen, dann schützen wir uns gegenseitig.“

     

    Abstand zum Kunden ist jetzt wichtig

    Nadine Helmers, 29, Servicetechnikerin im Außendienst der Telekom, Dortmund Foto: privat Nadine Helmers, 29, Servicetechnikerin im Außendienst der Telekom, Dortmund

    2. April 2020 ­– „Ich bin als Servicetechnikerin der Telekom im Außendienst tätig und im Nordosten von Dortmund im Umland wie Lünen, Kamen und Selm unterwegs. Ich behebe vor Ort Fehlermeldungen oder bin für die Montage neuer Anschlüsse zuständig. Dazu habe ich eine Ausbildung bei der Telekom gemacht. Zur Technik bin ich vermutlich gekommen, weil mein Papa mit Computern selbstständig war. Das ist wohl auf mich abgefärbt.

    Für die Servicearbeiten muss ich bei den Kunden direkt in die Wohnungen, in den Flur, ins Büro, ins Wohnzimmer oder ins Kinderzimmer, je nachdem, wo die Anschlussdosen sind. Und die sind überall. Ich benutze Handschuhe und halte vor allem Abstand zum Kunden. Und wir lassen die erledigten Aufträge auch nicht mehr unterzeichnen. Ich bin täglich bei rund zehn Kunden, die würden sonst alle das Tablet anfassen. Nachdem ich die Wohnung verlassen habe, desinfiziere ich meine Hände.

    „Wenn wir in ein Altenheim müssen, dann tragen wir sogar so einen Ganzkörperanzug.“

    Mit Mundschutz arbeite ich normalerweise nicht. Unsere Kunden bekommen vorher von den Kolleginnen und Kollegen bei uns in der Kundenbetreuung Informationen, wie sie sich zu verhalten haben. Zum Beispiel die Räume lüften, Abstand halten, um sich und uns schützen. Bei diesen Anrufen wird vorher schon geklärt, ob jemand durch das Gesundheitsamt vorsorglich in Quarantäne geschickt wurde und ob sich der Hausbesuch um ein paar Tage verschieben lässt, bis die Quarantäne vorbei ist.

    Ich habe noch keinen Kunden besucht, der in Quarantäne ist. Und zum Glück auch noch keinen, der krank wirkte. Aber man weiß ja nie. Deshalb ist Abstand das Gebot der Stunde. Und wenn wir in ein Altenheim müssen, dann tragen wir sogar so einen Ganzkörperanzug, um die Menschen zu schützen, damit wir niemanden anstecken.

    Eigentlich habe ich für mich selbst keine Angst. Ich bin gesundheitlich in einem guten Zustand. Trotzdem muss es auch nicht sein, dass ich das kriege. Das wünscht man ja keinem. Und ich muss vor allem auch ältere Menschen schützen. Mein Schwiegervater hat was an der Lunge. Da muss ich aufpassen.“

     

    Im Büro halten wir Abstand und lüften

    Stefanie Hartmann, 36, Kundenberaterin im Servicecenter der Deutschen Telekom in Magdeburg Foto: privat Stefanie Hartmann, 36, Kundenberaterin im Servicecenter der Deutschen Telekom in Magdeburg

    1. April 2020 – Ich arbeite im Callcenter in einem Großraumbüro. Dort beantworte ich Kundenanfragen, telefonisch und schriftlich. Wir haben 50 bis 60 Arbeitsplätze hier. Insgesamt sind wir 120 Kundenberater*innen in zwei Callcentern. Wegen Corona sind die meisten vom Büro ins Home Office gewechselt. Hier sind wir jetzt nur noch zwölf Leute in einem Raum und lassen zwischen uns mindestens einen Tisch frei.

    „Innerhalb der Telekom stehen die Türen offen, damit wir so wenig Klinken wie möglich anfassen müssen. “

    Die Außentüren zu unserem Bereich sind zwar geschlossen, damit niemand Unbefugtes eindringen kann. Doch innerhalb der Telekom stehen die Türen offen, damit wir so wenig Klinken wie möglich anfassen müssen. Außerdem haben wir Desinfektionsmittel und wir lüften viel. Trotzdem bleibt ein Restrisiko. Das ist mir bewusst.

    Eine Mitarbeiterin näht gerne, die hat uns Atemschutzmasken genäht, die aber hier keiner trägt. Die Masken stören beim Telefonieren. Allerdings durften wir die Masken mitnehmen. Wir können sie beim Einkaufen nutzen. Da kann man sich ja auch überall anstecken. Die Menschen halten nirgends richtig Abstand. Und es werden auch nicht in allen Geschäften die Griffe der Einkaufswagen desinfiziert. Letzte Woche schien die Sonne, da waren so viele Menschen gleichzeitig draußen spazieren. Das waren Menschenmassen, die da unterwegs waren.

    Von unserem Arbeitgeber ist es das Ziel, dass alle zuhause arbeiten, die können. Wir bekommen vom Bürostuhl bis zum Rechner alles mit nach Hause. Im Callcenter sind jetzt nur noch jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geblieben, die zum Beispiel zuhause keinen ruhigen Arbeitsplatz haben, weil dort Kinder betreut werden müssen, oder aus anderen Gründen.

    Ich bin keine Risikogruppe und denke, dass ich Corona überstehe, aber wissen kann man das nie. Ich gehe trotzdem ins Büro, denn es kann mich überall treffen. Beim Einkaufen oder auch im Treppenhaus. Allerdings bin ich älteren Menschen gegenüber vorsichtig, halte Abstand und treffe jetzt erst einmal meine Eltern nicht. Ich bin aber gerne im Callcenter. Mir würde der Austausch fehlen und die soziale Bindung.“

     

    Mir ist schon ein wenig mulmig

    Jens Jürschke, 32, Außendienstmitarbeiter bei der Deutschen Telekom in Wuppertal und Umgebung Foto: privat Jens Jürschke, 32, Außendienstmitarbeiter bei der Deutschen Telekom in Wuppertal und Umgebung

    1. April 2020 – „Mein Job ist es, DSL-Anschlüsse bereitzustellen oder Fehler zu beseitigen. Ich komme, wenn jemand beispielsweise ein neues Haus hat und dort neue Anschlüsse verlegt werden oder Leitungen freigeschaltet werden müssen. Die Aufträge erhalte ich von den Kolleg*innen an der Disposition. Unsere Arbeit ist systemrelevant, das heißt, die Leitungen, Telefone und Internetanschlüsse müssen auch in Notlagen funktionieren.

    Für die meisten meiner Servicearbeiten muss ich direkt zu den Menschen nach Hause. Das ist in Zeiten von Corona schwierig. Zu unserem Schutz haben wir Einmalhandschuhe, Masken und Desinfektionsmittel vom Arbeitgeber bekommen. Mein Chef hat zusätzlich Wasserkanister und Seife persönlich bereitgestellt. Wichtig: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Vorerkrankungen können Urlaub nehmen oder bekommen Aufgaben ohne Kundenkontakt.

    „Besonders ältere oder Menschen mit Migrationshintergrund reagieren auf unsere Schutzmasken besorgt und beunruhigt.“

    Doch wir bleiben weiter im Kundenkontakt. Dabei ist mir manchmal schon ein wenig mulmig, denn meine Freundin hat Vorerkrankungen. Ich passe also sehr auf, um nicht mich und dann sie anzustecken. Wichtig ist für mich, dass mein Arbeitgeber uns zugesichert hat, wenn wir uns bei einem Auftrag nicht wohl fühlen, beispielsweise weil der Kunde die Räume nicht lüftet, hustet oder den Sicherheitsabstand nicht einhält, dass wir dann den Auftrag sofort abbrechen können, um uns zu schützen.

    Besonders ältere oder Menschen mit Migrationshintergrund reagieren auf unsere Schutzmasken besorgt und beunruhigt. Doch es gibt auch Kunden, die sehr dankbar sind für meine Vorsicht. Wir schützen uns ja schließlich gegenseitig.

    Von Geschäftskunden haben wir jetzt weniger Aufträge. Sicher auch, weil viele Geschäfte geschlossen haben, oder die Angestellten im Home Office arbeiten. Die Privatkunden brauchen uns dafür umso mehr, da die Kinder zu Hause betreut werden müssen und der Internetanschluss für Schularbeiten gebraucht wird.“

     

    Dienstantritt direkt von zuhause

    Peggy Zinke, 40 Jahre, Sachbearbeiterin, Mess bei der Deutschen Telekom Technik Foto: privat Peggy Zinke, 40 Jahre, Sachbearbeiterin, Mess bei der Deutschen Telekom Technik

    31. März 2020 – Ich arbeite im Außendienst für die Telekom und bin dazu im südlichen Sachsen-Anhalt unterwegs. Mein Job ist es, Kabelfehler einzumessen und Störungen zu beheben. Wir sind gerüstet, Störungen zu bearbeiten und das momentan leicht strapazierte Netz am Laufen zu halten. Die Aufträge kommen bei uns über die Disposition rein. Ich fahre dann raus, überprüfe die Kabelstrecke und behebe kleine Fehler selbst vor Ort. Die großen Sachen werden vom Tiefbau gemacht. Da ich im sogenannten optimierten Dienstantritt arbeite, starte ich von zuhause und fahre von dort direkt zu den Baustellen. Das bedeutet, für mich hat sich durch die Corona-Krise nichts am Arbeitsablauf geändert.

    Neu ist für uns, dass jetzt mein Mann auch immer von zuhause direkt zu den Kunden fährt. Früher hat er das im Wechsel gemacht und ist die Hälfte der Zeit vom Büro aus gestartet. Wir sehen uns seit 15 Jahren bei uns zu Hause und quasi auf der Arbeit. Das ist schon eine lustige Situation. Zugleich ist aber nun auch unser 13-jähriger Sohn zuhause, weil er keine Schule hat. Ich muss da aber nicht die Lehrerin spielen, er macht alles selbst und ist unkompliziert.

    Wirklich besorgt bin ich um meine Eltern und meine Schwiegermutter, die alle im kritischen Alter sind. Von denen darf jetzt keiner die Nase rausstrecken. Ich finde es sehr wichtig, dass sich die Leute daran halten, nur unter unbedingt nötigen Belangen das Haus zu verlassen. Sie schützen sich und andere. Beunruhigend finde ich, dass nicht vorhersehbar ist, wie alles weitergeht. Man weiß einfach nicht was kommt. Aber wir haben in Hainrode ein Haus und Garten, da halten wir es noch gut aus.


    Noch Schutzpaket von der Schweinegrippe gefunden

    Olaf Zinke 52 Jahre, Sachbearbeiter, Mess DT Telekom Technik Foto: privat Olaf Zinke 52 Jahre, Sachbearbeiter, Mess DT Telekom Technik

    31. März 2020 – Seit der Corona-Krise fahre ich direkt von zuhause zu den Kunden, um Kabelfehler einzumessen und Störungen zu beheben. Das ist eigentlich kaum eine Veränderung für mich. Denn zum Büro war es kein langer Anfahrtsweg, nur fünf Kilometer bis nach Hainrode. Insofern mache ich dasselbe wie vor Corona.

    Wenn ich am Computer sitze, fällt mir schon auf, dass die Netze mehr belastet sind. Zum Beispiel wenn sich morgens alle bei der Telekom ins Home Office begeben, dann wird die Einwahl in den virtuellen Tunnel unserer technischen Anwendungen langsamer. Ich habe zwar schon immer mit dem Laptop gearbeitet, doch viele Kolleginnen und Kollegen eben nicht. Das merkt man jetzt.

    Von der Schweinegrippe habe ich noch Reserven bei uns im Keller gefunden. Wir hatten damals vom Arbeitgeber Schutzmasken bekommen. Damals war es nicht so schlimm, aber jetzt weiß ich wozu die Dinger gut sind. Ich pack auf jeden Fall Schutzmasken ein, wenn ich zum Kunden fahre. Und außerdem halte ich Abstand, verzichte aufs Hände schütteln und habe Desinfektionsmittel dabei. Sicherheit ist wichtig.

    Texte: Marion Lühring