Arbeiten, wenn andere feiern

    22.12.2022

    Zwischen 8 und 20 Prozent aller Erwerbstätigen müssen an den Festtagen arbeiten – besonders hohe Quote im Gastgewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Logistik sowie im Handel. Beschäftigte mit Tarifvertrag sind vielfach im Vorteil

    Sie kümmern sich um Menschen in Not, bringen dringend benötigte Güter von A nach B oder machen Weihnachtseinkäufe in letzter Minute möglich: Ein Teil der Erwerbstätigen in Deutschland muss arbeiten, während die Mehrheit der Bevölkerung Weihnachten und den Jahreswechsel feiert. Wer an den Festtagen 2022/23 „im Dienst“ ist, hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Ergebnis der neuen Studie: Je nach Tag und Uhrzeit arbeiten zwischen 8 und 20 Prozent aller Erwerbstätigen. Besonders hoch sind die Anteile im Handel, Gastgewerbe, in Verkehr und Logistik sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Und besonders stark sind Menschen mit geringeren Einkommen betroffen.
         
    Fast 4200 Erwerbstätige haben in der Befragung von November darüber Auskunft gegeben, ob und wann sie an Weihnachten oder zum Jahreswechsel arbeiten: Am Vormittag des 24. Dezember müssen noch 20 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten. Und das obwohl der 24. im Jahr 2022 auf einen Samstag fällt. Im Handel und im Verkehrsgewerbe sind sogar 45 bzw. 33 Prozent der Erwerbstätigen noch im Erwerbsjob aktiv. Auch nach Ladenschluss um 14 Uhr und beiden folgenden Weihnachtstagen müssen noch 8 Prozent aller befragten Erwerbstätigen arbeiten. Im Gesundheits- und Sozialwesen liegt die Quote sogar bei 22 Prozent – und bleibt über die Feiertage auf diesem Niveau. Im Gastgewerbe muss an den Weihnachtstagen sogar rund ein Drittel der Erwerbstätigen im Job arbeiten.

     
    Stressig und Kräfte zehrend: Verkäuferin in der Weihnachtszeit
    © Jens Büttner/DPA Bildfunk
    Stressig und Kräfte zehrend: Verkäuferin in der Weihnachtszeit

    Ähnlich ist es an Silvester. Vormittags müssen 19 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten. Nach 14 Uhr sinkt der Anteil auf 10 Prozent. Deutlich überdurchschnittlich ist die Quote dann erneut im Gastgewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Logistik sowie im Handel. Und an Neujahr ist es 9 Prozent der Erwerbstätigen nicht vergönnt, auszuschlafen.

    Die Studie zeigt auch, dass Erwerbstätige aus Haushalten mit einem niedrigen bedarfsgewichteten Haushaltseinkommen häufiger an den Festtagen arbeiten müssen als solche mit einem hohen Haushaltseinkommen. Besonders auffällig ist das Muster am Vormittag des Heiligen Abends, an dem 29 Prozent der Erwerbstätigen mit einem bedarfsgewichteten Haushaltseinkommen von unter 1.500 Euro zur Arbeit gehen müssen, während der Anteil bei höheren Haushaltseinkommen nur noch bei 15 bis 17 Prozent liegt. Ähnlich ist die Situation am Silvestervormittag.

    Beschäftigte mit Tarifvertrag sind laut der Studie übrigens auch an Heiligabend und Silvester vielfach im Vorteil: Sie haben nicht nur weitaus häufiger Weihnachtsgeld bekommen, sondern auf tariflicher Basis am 24. und 31. Dezember oft einen ganzen oder halben Tag frei, obwohl das keine gesetzlichen Feiertage sind. Ohne solche tariflichen Regelungen wird Beschäftigten an Heiligabend und Silvester Urlaub abgezogen.

    Wer arbeitet an den Festtagen 2022/2023? - zur Studie