Arbeit

    Erneut Entlassungen nach einem Betreiberwechsel

    Jobs verloren

    Im ostwestfälischen Herford hat zum 1. März der Betreiber der Landeseinrichtung für Flüchtlinge in der ehemaligen Harewood-Kaserne gewechselt. Seither ist nicht mehr European Homecare, ein auf Flüchtlingsunterbringung spezialisierte Unternehmen aus Essen, zuständig, sondern die Weberhaus Nieheim gGmbH, eine Tochter des Kolping-Bildungswerks Paderborn. Für die meisten Beschäftigten bedeutete der Betreiberwechsel den Verlust ihres Arbeitsplatzes. 17 von ihnen klagen mit Unterstützung von ver.di dagegen. European Homecare hatte den 17 Beschäftigten in einer ersten Reaktion 500 Euro Abfindung angeboten. Allerdings lehnten die Kolleg/innen das Angebot ab. Sie wollen ihre Arbeitslätze behalten.

    In der Landeseinrichtung für Geflüchtete in Herford hat der Betreiber gewechselt. ver.di In Herford wehren sich 17 Beschäftigte gegen den Verlust ihres Arbeitsplatzes  – In der Landeseinrichtung für Geflüchtete in Herford hat der Betreiber gewechselt.

    Bsirske will Gespräch mit Landespolitikern führen

    Mitte März besuchte sie der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Er sprach von unhaltbaren Zuständen und forderte die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, dieser Form von Vergabeentscheidungen einen Riegel vorzuschieben. Er sagte den Betroffenen zu, Ministerpräsident Armin Laschet, CDU, und Landesarbeitsminister Karl Laumann, CDU, auf den Fall anzusprechen.

    Weberhaus Nieheim hatte in der Ausschreibung durch die Bezirksregierung in Arnsberg den Zuschlag bekommen. Das ist nicht das erste Mal in Nordrhein-Westfalen, dass sich ein billigerer Anbieter durchsetzt, sagt der zuständige ver.di-Sekretär Jens Ortmann. Vor einem Jahr hatte er einen ähnlichen Fall im benachbarten Oerlinghausen, hier hatte die Betreuungsdienste Westfalen-Lippe gGmbH, eine Tochter des Deutschen Roten Kreuzes, von den Johannitern übernommen. Beschäftigten, die bei diesem Wechsel den Job verloren haben, hatte das Arbeitsgericht Detmold jüngst bestätigt, dass die Entlassungen nicht rechtmäßig gewesen seien, weil es sich um einen Betriebsübergang gehandelt habe.

    Auf freie Stellen in Wuppertal verwiesen

    Den sieht Jens Ortmann auch beim jetzigen Betreiberwechsel. Der neue Betreiber argumentiert jedoch, es handele sich um ein neues Konzept. Und weil weniger Geflüchtete hier zukünftig betreut werden sollen, brauche er nicht alle bisherigen Beschäftigten. Er verwies dabei auf freie Stellen, für die er noch Fachkräfte suche – im 160 Kilometer entfernten Wuppertal.

    Jens Ortmann geht hingegen von Lohndumping aus. Das Land wolle mit der Neuausschreibung Kosten sparen, habe daher dem billigsten Anbieter den Zuschlag gegeben. Die Folge sei, dass die Löhne weiter sinken. Weberhaus Nieheim verweist darauf, sich bei der Bezahlung an einer kirchlichen Richtlinie zu orientieren. Diese lehne sich an den Tarifvertrag Öffentlicher Dienst (TvÖD) an. Nach Berechnungen Ortmanns liegt sie aber bis zu 27 Prozent darunter. Sozialarbeiter bekämen demnach teilweise monatlich mehr als 1.100 Euro weniger. Dazu kommen noch weitere schlechtere Regelungen wie beispielsweise eine deutliche geringere Jahressonderzahlung.

    Text: Heike Langenberg

     

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