Arbeit

    „Sorry we missed you“ von Ken Loach

    Sozialdrama mit Sprengkraft

    Berlin, 17. Januar 2020 – „Es heißt immer gern: Wir haben fast Vollbeschäftigung, die Erwerbsquote ist auf Rekordniveau. Aber was sind das für Jobs? Was für Folgen haben sie?“, sagt Ken Loach. In seinem neuen Film „Sorry we missed you“ ist er genau diesen Fragen nachgegangen. Es ist ein Film über eine ganz normale Familie in England: Ricky, der Vater, fährt Pakete aus, Abby, die Mutter, ist mobile Pflegekraft, Teenagersohn Seb(astian) hat keinen Bock mehr auf Schule und geht stattdessen Graffiti sprayen, Nesthäkchen Liza hingegen versucht, aus Allem das Beste zu machen. Tatsächlich leidet die Jüngste aber am meisten unter dem ständigen Streit übers Geld, das nie reicht. Und auch unter dem Streit der Eltern über den Bruder, der von der Schule zu fliegen droht. Eigentlich ahnt man vom ersten Dialog an, in denen sich Ricky um den Ausliefererjob bewirbt, dass das alles nicht gut gehen kann.


    Die sogenannte Gig-Economy, in der der Paketbote als Franchisee auf eigene Rechnung fährt, nach Stückzahlen bezahlt oder eben bei Raub um seinen Verdienst geprellt wird, und die Pflegekraft ihre Arbeit minutiös per Mobilfunk dokumentieren muss, hat soziale Sprengkraft. Das zeigt der Film bis in die kleinsten Details. Seb und Liza wünschten, alles wäre wir früher, als die Familie eine eigenes Haus kaufen wollte, der Bankkredit noch nicht geplatzt war und der Vater noch eine anständig bezahlte Stelle hatte. Doch nach dem größten Krach haut Seb ab und Liza nässt wieder ins Bett. Wie im wahren Leben – das war und ist die Stärke aller Ken Loach-Filme. Auch „Sorry we missed you“ ist solch ein starkes Stück. Ein Muss für Gewerkschafter*innen und für alle anderen erst recht.    Petra Welzel

    GB/B/F 2019, R: KEN LOACH, D: KRIS HITCHEN, DEBBIE HONEYWOOD, U.A., L: 100 MIN., KINOSTART 30. JANUAR 2020

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