Arbeit

    Der Häuserkampf hat begonnen

    Galeria Karstadt Kaufhof

    Erste Schließungen abgewendet

    Der 19. Juni ist ein bitterer Tag für die Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) gewesen. In Betriebsversammlungen erfuhren die Beschäftigten, dass 62 Filialen geschlossen werden sollen. 172 Filialen gibt es derzeit noch, von den Schließungsplänen betroffen sind nach Angaben von ver.di etwa 6.000 Mitarbeiter*innen. Die wollen die Schließungen und den Verlust ihrer Arbeitsplätze nicht einfach hinnehmen. Bundesweit kämpfen sie zusammen mit ver.di um jedes Haus und jeden Arbeitsplatz. Und der massive Protest wirkt. Im Kampf um den Erhalt möglichst vieler Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof haben die Belegschaften und ver.di am 3. Juli einen ersten Erfolg erzielt. Demnach bleiben sechs ursprünglich zur Schließung vorgesehene Filialen erhalten. Es handelt sich um die Häuser in Chemnitz, Dortmund, Goslar, Leverkusen, Nürnberg und Potsdam mit insgesamt 750 Beschäftigten. „Das ist eine gute Nachricht für die betroffenen Beschäftigten und für die Städte. Der Einsatz und die Beharrlichkeit der Kolleginnen und Kollegen in den letzten Tagen haben sich gelohnt“, sagte Orhan Akman, ver.di-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel.

    „Wir brauchen Galeria Karstadt Kaufhof“

    Vor wenigen Tagen noch hatten die Beschäftigten der beiden GKK-Häuser in Nürnberg eine Menschenkette zum Schutz ihrer Arbeitsplätze gebildet.


    Dramatischer Arbeitsplatzverlust

    In vorhergehenden Tarifverhandlungen hatte ver.di trotz der angekündigten Schließungen noch einiges erreichen können. So ist der ursprünglich geplante Personalabbau von 10 Prozent auf der Fläche in den verbleibenden Filialen vom Tisch. Auch konnte die Zahl der von Schließung bedrohten Filialen von ursprünglich 80 auf 62 reduziert werden. Inzwischen sind es nur noch 56 Filialen. Dennoch spricht ver.di von einem „dramatischen Arbeitsplatzverlust“, der „auch angesichts der Tatenlosigkeit der Politik ein Riesenskandal“ sei.

    Immerhin konnte ver.di durchsetzen, dass die betroffenen Beschäftigten für mindestens sechs Monate in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft wechseln können. Für sie gelten die mit den Betriebsräten ausgehandelten Sozialpläne.

    „Für die Schließungsfilialen und die betroffenen Kolleginnen und Kollegen ist das eine bittere Stunde. Deshalb ist die tarifvertragliche Regelung zur Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft in einer Transfergesellschaft ein wesentlicher Punkt der Vereinbarungen“, sagte Orhan Akman nach diesen Verhandlungen. ver.di konnte auch erreichen, dass der Flächentarifvertrag erhalten bleibt und dass Vereinbarungen für einen Tarifvertrag zu guter, gesunder Arbeit und zur Beteiligung am Zukunftskonzept erzielt wurden.

    Management hat versagt

    Bei den Betriebsversammlungen war häufig vom Versagen des Managements die Rede. Eine Betriebsrätin einer von Schließung bedrohten Filiale schreibt zum Beispiel in einem Statement auf Facebook: „Das Management hat in den letzten Jahren wahnwitzige Entscheidungen getroffen, die für uns als Mitarbeiter nicht nachvollziehbar waren. Man muss nicht studiert haben, um zu wissen, dass das so nicht weiter funktionieren kann.“ Das Interesse der neuen Investoren habe allein den Immobilien gegolten.

    „Die Entscheidung zu den Schließungshäusern trifft die Menschen hart, ihnen wird die Existenz unter den Füßen weggerissen“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Sie kündigte an, dass ver.di mit aller Kraft für den Erhalt der Standorte und die Zukunft der Beschäftigten kämpfen werde. Die Beschäftigten erwarteten, dass alle Möglichkeiten, Chancen und Wege, die es gebe, in dieser dramatischen Situation ausgeschöpft werden. Auch 20 Filialen von Karstadt Sports sind von der Schließung bedroht.

    Protest gegen drohende Filial-Schließungen dpa Protest gegen drohende Schließungen findet nahezu vor allen Häusern von Galeria Karstadt Kaufhof statt


    Unterstützung von lokalen Politiker*innen

    Unterstützung kommt dabei auch von lokalen Politiker*innen, denn die Kaufhäuser haben in den Innenstädten häufig eine Ankerfunktion. Verschwinden sie, droht auch den betroffenen Innenstädten und Einkaufszentren ein weiterer Verlust an Attraktivität. Indirekt sind so weitere Arbeitsplätze bedroht.

    Diese 62 Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof wollte das Unternehmen ursprünglich schließen: 

    Berlin Charlottenburg (Karstadt), Berlin Gropius-Passage (Karstadt), Berlin Hohenschönhausen (Kaufhof), Berlin Müllerstraße (Karstadt), Berlin Ringcenter (Kaufhof), Berlin Tempelhof (Karstadt), Bielefeld (Karstadt), Bonn (Karstadt), Braunschweig (Kaufhof), Bremen (Kaufhof), Bremerhaven (Karstadt), Brühl (Kaufhof), Chemnitz (Kaufhof), Dessau (Karstadt), Dortmund (Kaufhof), Dortmund (Karstadt), Düsseldorf Schadowstraße (Karstadt), Düsseldorf Wehrhahn (Kaufhof), Essen (Kaufhof), Essen (Karstadt), Flensburg (Karstadt), Frankfurt Hessen-Center (Kaufhof), Frankfurt Zeil (Karstadt), Fulda (Kaufhof), Göppingen (Kaufhof), Goslar (Karstadt), Gummersbach (Karstadt), Gütersloh (Karstadt)

    Hamburg AEZ (Kaufhof), Hamburg Bergedorf (Karstadt), Hamburg Mönckebergstraße (Kaufhof), Hamburg Wandsbek (Karstadt), Hamm (Kaufhof), Hannover Georgstraße (Karstadt), Ingolstadt (Kaufhof), Iserlohn (Karstadt), Köln Weiden (Kaufhof), Landau (Kaufhof), Leonberg (Karstadt), Leverkusen (Kaufhof), Lübeck (Karstadt), Mainz (Karstadt), Mannheim N7 (Kaufhof), Mönchengladbach Rheydt (Karstadt), München Am Nordbad (Karstadt), München OEZ (Karstadt), München Stachus (Kaufhof), Neubrandenburg (Kaufhof), Neumünster (Karstadt), Neunkirchen (Kaufhof), Neuss (Kaufhof), Norderstedt (Karstadt), Nürnberg (Karstadt), Nürnberg Langwasser (Karstadt), Osnabrück (Kaufhof), Potsdam (Karstadt), Singen (Karstadt), Stuttgart Bad Cannstatt (Kaufhof), Sulzbach MTZ (Karstadt), Trier Simeonstraße (Karstadt), Witten (Kaufhof), Worms (Kaufhof)

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