Arbeit

    Aufmucken wird bestraft

    Stylebop.com setzt engagierte Mitarbeiter vor die Tür

    Gerade junge „e-commerce“-Unternehmen haben oftmals ein eher frühkapitalistisches Verhältnis zu ihren Beschäftigten und deren Rechten – wie die Praktiken beim Onlinehändler Amazon belegen. Ganz ähnlich geht das weniger bekannte Unternehmen Stylebop.com mit seinen Mitarbeitern um. Der Onlinehandel für Luxusmode und Schmuck mit Sitz in München setzte Anfang September 2014 nach einer Gewerkschaftsaktion im Betrieb kurzerhand zwei Beschäftigte vor die Tür.

    „Offenkundig wusste die Geschäftsleitung, dass wir ver.di-Mitglieder sind.“

    Ein Gekündigter bei Stylebop.com

    Dabei hatten die Gekündigten gar nicht selbst an der Aktion teilgenommen; vorsichtshalber waren hier nur die hauptamtlichen ver.di-Sekretäre Jürgen Emmenegger und Victoria Sklomeit aufgetreten. „Wir verteilten ein Flugblatt vor den Geschäftsräumen, das auf die miserablen Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung bei Stylebop.com hinwies“, sagt Victoria Sklomeit. Doch schon nach kurzer Zeit unterband einer der Chefs die Verteilaktion und ließ die Gewerkschafter des Grundstücks verweisen. Am selben Tag erhielten zwei Stylebop-Beschäftigte die Kündigung.

    „Offenkundig wusste die Geschäftsleitung, dass wir ver.di-Mitglieder sind“, sagt einer der Gekündigten. „Wir gehörten zu den Kollegen, die sich nicht alles gefallen ließen und auch regelmäßig Kritik übten.“ Und kritikwürdig ist bei Stylebop.com – einem Unternehmen, das nach eigenen Angaben im Durchschnitt jährliche Wachstumsraten von 40 bis 50 Prozent verzeichnet – eine Menge. „Die Tätigkeitsbereiche werden im Arbeitsvertrag eher vage gehalten, das heißt, dass die Mitarbeiter nach Bedarf sehr flexibel eingesetzt werden können“, erzählt der Gekündigte. Dafür gibt es als Einstiegsgehalt 1.800 Euro brutto – für Münchener Preisverhältnisse ein echter Armutslohn.

    Doch das ist längst nicht alles: Der Arbeitgeber „erwartet“ als Gegenleistung fürs Monatsgehalt neben den regulären 40 Wochenarbeitsstunden bis zu fünf entgeltfreie Überstunden wöchentlich. „Und diese Stunden werden regelmäßig fällig“, sagt der Ex-Mitarbeiter, ebenso wie Wochenendarbeit während bestimmter Sonderaktionen, die aber zumindest mit Zuschlägen vergütet werde. Das Betriebsklima sei gut in der Firma mit rund 200 Beschäftigten, doch die Umgangsformen der Geschäftsleitung seien völlig inakzeptabel.

    Beide Gekündigten haben umgehend Kündigungsschutzklage eingereicht und erhalten von ver.di Rechtsschutz. Der erste Gütetermin für einen der Betroffenen findet am 21. Oktober vor dem Arbeitsgericht München statt.

    von Gudrun Giese

    Luxusmode für die Kunden, Druck auf das Personal – Stylebop.com entlässt nach Gewerkschaftsaktion dpa-Bildfunk Luxusmode im Online-Handel, Druck auf die Beschäftigten

     

     

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