Arbeit

    Einfach abgewickelt

    „Schlag ins Gesicht der apm-Beschäftigten“

    Berlin, 9. Januar 2019 | An den Weihnachtstagen durften die letzten 130 Beschäftigten der apm-Druckerei in Darmstadt noch hoffen. Seit Juli steckte ihr Betrieb im Insolvenzverfahren. Aber es gab Kaufinteressenten und solvente Stammkunden – darunter ver.di und die IG Metall. Die drängten auf eine Fortführung des Betriebs an der Kleyerstraße. Doch am 27. Dezember kam das Aus: Der letzte Interessent sagte ab, die letzte große Druckerei im 160.000 Einwohner zählenden Darmstadt ist seit Neujahr geschlossen. Die Kündigungen sind draußen. Unklar ist, ob der Sozialplan (2,5 Gehälter pro Beschäftigungsjahr) wirklich ausgezahlt werden kann. „Viele fühlen sich verraten“, sagt die Prokuristin Petra Werkmann. Nun schreibt sie den Beschäftigten, die meist viele Jahre dort tätig waren, die Zeugnisse. Sie sind laut Betriebsratschefin Rita Winkels im Schnitt 50 Jahre alt.

    Wenn nicht wir, wer dann? Das fragen sich die entlassenen apm-Beschäftigten auch – als die ver.di publik noch von der Rolle in den Druck ging und hinterher eine Zeitung herauskam Foto: Frank Rumpenhorst Wenn nicht wir, wer dann? Das fragen sich die entlassenen apm-Beschäftigten auch – als die ver.di publik noch bei der apm von der Rolle in den Druck ging und hinterher eine Zeitung herauskam


    Unternehmen mit gewerkschaftlichen Wurzeln

    Die Pleite ist besonders bitter, weil das Unternehmen gewerkschaftliche Wurzeln hat. Bis 1998 druckte man die Gewerkschaftszeitungen in der eigenen Union-Druckerei in Frankfurt. 2006 verkaufte die von ver.di, IG Metall, Transnet (heute EVG) und IG BAU getragene Beteiligungsgesellschaft GBG den Betrieb an Andrew Seidl und Torsten Voß aus Dresden. Der Zusammenschluss einer Druckerei aus Eppelheim (bei Heidelberg) und der Union-Druckerei führte zur apm AG in Darmstadt. Die apm druckte fortan in Darmstadt die Metallzeitung, die ver.di-Zeitung „publik“, das Fachblatt „Druck + Papier“ sowie weitere ver.di-Fachbeilagen und auch Produkte nicht-gewerkschaftlicher Kunden. Das ist vorbei. Die Gewerkschaften brauchen für ihre Publikationen einen neuen Hersteller.

    Als „Schlag ins Gesicht der apm-Beschäftigten“ wertet der hessische ver.di-Fachbereichsleiter Manfred Moos die Insolvenz. Die Druckerei-Schließung wäre nach seiner Ansicht vermeidbar gewesen, wenn Torsten Voß und Andrew Seidl ein echtes Interesse am Erhalt des Standortes gehabt hätten. „Wir haben aber seit Monaten zunehmend den Eindruck gehabt, dass die Investorensuche nur halbherzig und sehr dilettantisch betrieben wurde.“ Der letzte Interessent habe abgesagt, nachdem die Preisvorstellungen von Voß und Seidl wohl zu hoch waren. Womöglich ließen sich mit der Verwertung der Anlagen und des Grundstücks mehr Erlöse erzielen. Die Insolvenz sei vielleicht von langer Hand geplant gewesen, so Moos.

    2017 spalteten die Eigner die apm auf. In die Insolvenz ging jetzt die Produktions-GmbH, bei der die Belegschaft angestellt ist. Außerhalb des Einflussbereichs von Insolvenzverwalterin Julia Kappel-Gnirs bleibt die apm AG als Eigentümerin der Maschinen, des Betriebsgeländes und Auftragnehmerin der gewerkschaftlichen Druckaufträge.

    Schweres Päckchen

    Nicht nur die Betriebsführung von Torsten Voß ist ver.di-Mann Moos suspekt. Ihn stört auch dessen Freundschaft mit dem sächsischen AfD-Funktionär Maximilian Krah. Sichtbar wird die auf Youtube-Mitschnitten zweier Vorträge der beiden Männer. Ob er AfD-Mitglied sei, ließ Voß auf Nachfrage offen. Er sei „ein komplett überzeugter Demokrat und Europäer“. In die apm-Druckerei habe man seit 2006 rund 15 Millionen Euro gesteckt, ließ Voß  im „Darmstädter Echo“ ausrichten. Obwohl seit 2008 kein Gewinn erwirtschaftet worden sei. Am Ende stand das Insolvenzverfahren, bei dem die Arbeitsagentur drei Monate lang die Gehälter der Belegschaft zahlt. Auf der Facebook-Seite von Torsten Voß können seine jetzt arbeitslosen Drucker seit dem 24. Dezember zynisch wirkende Grüße lesen: „Ich wünsche allen frohe Weihnachten und etwas mehr Leichtigkeit im Päckchen, das jeder mit sich rumschleppt!“

    Text: Klaus Nissen

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