Arbeit

    Aktionstage unter dem Hashtag #ausgeliefert

    Gegen Sklavenarbeit bei Amazon

    Berlin, 01.09.2021 – Vom 1. bis 4. September 2021 machen ver.di, der DGB und die Beschäftigten-Beratungsnetzwerke „Faire Mobilität“, „Faire Integration“ und „Gute Arbeit“ auf die prekären Arbeitsbedingungen von Zustellerinnen und Zustellern sowie Lkw-Fahrerinnen und Lkw-Fahrern bei Amazon aufmerksam. Unter dem Hashtag #ausgeliefert finden bundesweit Aktionen an fast 30 Standorten statt, unter anderem in Hamburg, Dortmund, Essen, Nürnberg, Pforzheim, Gera. An den Aktionstagen werden Betroffene in verschiedenen Sprachen informiert, beraten und über ihre Rechte aufgeklärt. Vor dem Amazon-Lager in Berlin-Mariendorf haben sich bereits in den frühen Morgenstunden Aktivisten und vor allem viel Presse versammelt. Denn auch der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ist gekommen.

    Zum Auftakt der Amazon-Aktionstage sind die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis und der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gekommen Christian Mang Zum Auftakt der Amazon-Aktionstage sind die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis und der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gekommen


    „Der Online-Handel boomt, und Amazon als weltgrößter Online-Händler verdreifacht seinen Gewinn. Den Preis dafür zahlen auch die Beschäftigten, die die Pakete transportieren und zustellen“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis. Sie seien zumeist nicht bei Amazon angestellt, sondern bei Subunternehmen, in Leiharbeitsfirmen oder sind Soloselbständige. „Sie arbeiten unter prekären Bedingungen und unter enormen Zeitdruck. Das ist ein unhaltbarer Zustand.“

    Auch DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel kritisiert gravierende Missstände bei Transport und Zustellung. „LKW-Fahrer, die Logistikzentren von Amazon beliefern, arbeiten in der Regel für Subunternehmer, die ihr Geschäft formal in Osteuropa zulassen. Fahrer berichten, dass Subunternehmer sie zu einem Großteil in Spesen bezahlen und sie somit um den Mindestlohn und den Sozialversicherungsschutz bringen, der ihnen aber nach deutschem Recht zusteht.“

    Olaf Scholz ließ sich vor allem von den Mitarbeiter*innen der Beratungsnetzwerke ausführlich über ihre Arbeit berichten und was sie von den Fahrer*innen über deren Arbeitsbedingungen erfahren. An die eintreffenden Fahrer wurden Flyer verteilt und kurze Gespräche geführt. Sie wurden darüber informiert, was die Gewerkschaft für sie tun kann. Einer der Fahrer prangerte die „Sklavenarbeit“ an und sagte spontan: „Ich komme zu euch!“

    „Wir fordern Amazon auf, die Beschäftigten, die beinahe rund um die Uhr Pakete für das Unternehmen befördern und ausliefern, direkt bei sich anzustellen.“

    Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-Vorsitzende

    „Wir fordern Amazon auf, die Beschäftigten, die beinahe rund um die Uhr Pakete für das Unternehmen befördern und ausliefern, direkt bei sich anzustellen. Zudem fordern wir die Sozialversicherungsträger auf, bei allen Amazon-Flex-Fahrern Statusfeststellungsverfahren einzuleiten, um mögliche Scheinselbstständigkeiten zu beenden“, so Andrea Kocsis. Die Politik sei gefordert, die Kontrollen in der gesamten Branche auszuweiten, um Verstöße gegen geltendes Recht, etwa gegen das Mindestlohngesetz, konsequent zu ahnden. „Wir erwarten, dass die Bundesregierung diesen unhaltbaren Zuständen und ausbeuterischen Bedingungen ein Ende macht“, so Anja Piel.

    Darüber hinaus fordern ver.di und DGB, das seit 2018 für die Paketbranche geltende Gesetz zur Nachunternehmerhaftung auf die gesamte Speditions- und Logistikbranche auszuweiten. Das Gesetz habe gezeigt, dass es wirksam sei. Sozialversicherungsbeiträge für Beschäftigte müssen demnach vom Auftraggeber der Sub-Unternehmen beglichen werden, wenn einer ihrer Subunternehmer diese Beiträge nicht oder nicht vollständig gezahlt hat. Da sich Paketbranche und Logistik in der Definition nicht wirklich scharf trennen ließen, sei es an der Zeit, den Geltungsbereich auszudehnen und so Schlupflöcher zu schließen.

    Mehr erfahren unter #ausgeliefert

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