5,1 Millionen Beschäftigte im Handel verdienen mehr

    Im Groß- und Au­ßen- so­wie im Ein­zel- und Ver­sand­han­del wer­den der­zeit wie­der für ins­ge­samt 5,1 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te die Ta­ri­fe ver­han­del­t. 5,1 Mil­lio­nen Men­schen, die sich auf ins­ge­samt 429.000 Un­ter­neh­men ver­tei­len, da­von al­lein 3,1 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te im Ein­zel- und Ver­sand­han­del auf 317.000 Un­ter­neh­men. Hin­ter die­sen Zah­len ste­cken zahl­rei­che Um­brü­che der letz­ten Jah­re. Di­gi­ta­le Pro­zes­se hin­ter­las­sen ih­re Spu­ren auch im Han­del. Vir­tu­el­le Ein­kaufstou­ren und Showrooms, Ro­bo­ter­e­in­sät­ze und neue Be­stell­sys­te­me sind längst Nor­ma­li­tät. Click & Col­lect ist durch die Co­ro­na-Kri­se fast schon All­tag. Ei­ne deut­li­che Spra­che spre­chen da auch die bei On­li­ne-Ver­käu­fen er­ziel­ten Um­sät­ze: Sie sind – nicht zu­letzt Co­ro­na-be­dingt – im ver­gan­ge­nen Jahr um 20,8 Pro­zent auf 71,5 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­stie­gen. Mehr Geld für die Be­schäf­tig­ten ist al­so da. Und mehr Geld for­dern sie auch.

    Beschäftigte im Handel

    Beschäftigte im Handel
    © ver.di

    Im Handel streiken immer mehr Beschäftigte

    18.06.2021 – Für die rund 214.000 Beschäftigten im Berliner und Brandenburger Einzelhandel hat Die Tarifrunde noch nicht einmal begonnen. Dort startet sie am 25. Juni 2021. „Wir erwarten eine schwierige Verhandlungsrunde“, sagt Conny Weißbach, die zuständige ver.di-Verhandlungsführerin. Bislang sei nicht einmal erkennbar, ob die Arbeitgeber ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen wollten. Bei den schon laufenden Tarifrunden in anderen Bundesländern haben die Arbeitgeber jedenfalls viel zu geringe Angebote vorgelegt. Zahlreiche Streiks hat es deshalb bereits gegeben. „Mit dem, was derzeit auf dem Tisch liegt, müssten die Beschäftigten bei einer derzeitigen Preissteigerung von derzeit mindestens 2,5 Prozent sogar erhebliche Reallohnverluste hinnehmen. Das ist ernüchternd für die Beschäftigten, die in der Pandemie weit mehr als das Übliche geleistet haben, um die Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern wie Nahrungsmitteln oder Toilettenpapier sehr gut zu versorgen“, sagt Conny Weißbach.

    Unternehmen im Handel

    Unternehmen im Handel
    © ver.di

    Impfkampagne gegen Altersarmut

    Ein paar Tage vor Beginn der ersten Verhandlungsrunde in Berlin wird ver.di unter dem Motto „Impfkampagne gegen Altersarmut“ in der Öffentlichkeit auf die Situation im Einzelhandel aufmerksam machen. Mit der etwas anderen Impfaktion soll Kundinnen und Kunden, aber auch den Beschäftigten klargemacht werden, was droht, wenn die Löhne niedrig bleiben und nicht der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung folgen: Es droht den Beschäftigten – übrigens zu über 70 Prozent Frauen – im Alter Armut. Und weil der größte Teil der Beschäftigten nur in Teilzeit arbeitet, ist dies ein sehr großes Problem. Der ver.di-Impfstoff soll nachhaltig wirken. „Der Wirkstoff gegen Altersarmut ist eine angemessene Tarifspritze mit einer tabellenwirksamen Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent plus 45 Euro“, sagt Conny Weißbach.

    Ende Mai bereits haben einige Arbeitgeberverbände im Handel erstmals Angebote in den laufenden Entgelttarifverhandlungen vorgelegt. Mit einer Nullrunde fürs laufende Jahr, einer kleinen Einmalzahlung und geringfügigen prozentualen Steigerungen ab 2022 wollen sie die Beschäftigten im Groß- und Außenhandel (GAH) und im Einzel- und Versandhandel abspeisen. Doch Wertschätzung sieht anders aus. Die ohnehin schon sehr gut angelaufene Streikbewegung der Beschäftigten im Handel in den ver.di-Landesbezirken – etwa in NRW, Bayern, Hamburg – dürfte nun noch mehr Fahrt aufnehmen. Die Mitglieder der Tarifkommission GAH im ver.di-Landesbezirk Nordrhein-Westfalen waren sichtbar erschüttert, als sie Mittwochabend ihre Meinung zur Arbeitgeber-Offerte vor laufender Kamera äußerten (handel-nrw.verdi.de).

    Eine „Ohrfeige für die Beschäftigten im Handel, die sich täglich bei der Arbeit einem Ansteckungsrisiko aussetzen“ sei das gewesen, meinte ein Kollege. Ein anderes Mitglied der Tarifkommission hatte ausgerechnet, dass die GAH-Unternehmen mal gerade 19 Euro monatlich brutto als Plus im kommenden Jahr zahlen wollten – und das angesichts ausgezeichneter Umsätze. „Wir werden den Druck erhöhen müssen“, erklärte Silke Zimmer, ver.di-Verhandlungsführerin in NRW. „Es wird weiter gestreikt.“ Vergangenen Freitag hatten Kolleg*innen aus dem GAH und dem Einzelhandel bereits gemeinsam mit einer Menschenkette vor der Porta Möbel Logistik in Frechen gestreikt.

    Magere Angebote der Arbeitgeber verschärfen den Konflikt

    Für den Einzel- und Versandhandel boten die Arbeitgeber am Donnerstag ein gegenüber dem GAH leicht abweichendes Angebot an, das im Ergebnis aber ebenfalls nur „als Unverschämtheit“ bezeichnet werden könne, so Silke Zimmer. Im Einzelnen schwebt ihnen vor, dass die Unternehmen, die gut durch die Corona-Pandemie gekommen sind, zum Juli dieses Jahres 1 Prozent mehr zahlen, ab Mai 2022 nochmal 1,4 und ab Mai 2023 wiederum 2 Prozent. Dazu käme eine Einmalzahlung von 1,4 Prozent monatlich bezogen auf den jeweiligen Bruttolohn für die Zeit zwischen Juli 2021 und April 2022. In Betrieben, die von den Auswirkungen der Pandemie stärker betroffen sind, sollen hingegen überhaupt erst im März 2022 Entgelterhöhungen anstehen – um ein mageres Prozent.

    Scheinbar hätten die ersten Warnstreiks Wirkung gezeigt, da die Arbeitgeber überhaupt erstmals ein Angebot vorgelegt hätten, meinte Verhandlungsführerin Silke Zimmer. Inhaltlich seien die Offerten aber inakzeptabel, da sie letztlich Reallohnverzicht bedeuteten. „Offensichtlich ist am Verhandlungstisch allein keine Lösung zu erreichen, deshalb werden wir bis zur dritten Verhandlungsrunde den Druck erhöhen.“ Mit ihrem mehr als mageren Angebot hätten die Arbeitgeber den Konflikt nochmals verschärft.

    Konfrontation statt Wertschätzung auch in Berlin und Brandenburg

    Im ver.di-Landesbezirk Berlin-Brandenburg startete die Arbeitgeberseite am Donnerstag mit einem vergleichbaren Miniangebot in die Verhandlungen für den GAH: 2021 wollen sie die Beschäftigten mit einer Einmalzahlung von 150 Euro abspeisen, und die soll es auch nur in wirtschaftlich stabilen Betrieben geben.  „Rewe und Sanacorp fahren Rekordumsätze, und ihren Beschäftigten wollen sie ein paar Krümel vorwerfen. So geht es überhaupt nicht“, erklärte anschließend Franziska Foullong, ver.di-Verhandlungsführerin für den GAH in Berlin und Brandenburg. „Die Ansage ist klar: Die Arbeitgeber setzen auf Konfrontation statt auf Fairness und Wertschätzung. Dieses Angebot ist für uns nicht verhandelbar.“ Die ver.di-Tarifkommission werde mit ihren Mitgliedern in den Betrieben nun die passende Antwort beschließen, um gestärkt in die zweite Verhandlungsrunde am 30. Juni 2021 zu gehen.      

    Die Tarifverhandlungen im Einzel- und Versandhandel sowie im Groß- und Außenhandel laufen unabhängig voneinander in jedem Bundesland für sich (s. Infokästen unten). Forderungen zu Entgeltsteigerungen, Laufzeit und Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge sind allerdings bundeseinheitlich abgestimmt.                                                           

    Text: Gudrun Giese

    Das ist der Verhandlungsstand in den einzelnen Bundesländern

    Baden-Württemberg

    3. Ver­hand­lungs­run­de 21.06.2021
    For­de­run­gen und Ver­hand­lungs­stand

    - In der ers­ten Ver­hand­lungs­run­de für die 490.000 Be­schäf­tig­te im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Ein­zel- und Ver­sand­han­del am 28.04.2021 gab es we­der ein An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber­sei­te noch kam es zu ei­ner in­halt­li­chen An­nä­he­rung der Ta­rif­par­tei­en. Auch die zwei­te Ver­hand­lungs­run­de am 20. Mai blieb er­geb­nis­los. Die ver­.­di-For­de­run­gen: - Er­hö­hung der Löh­ne und Ge­häl­ter um 4,5 % plus 45 € pro Mo­nat; - An­he­bung der Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um mo­nat­lich 100 €; - Ei­nen ren­ten­fes­ten ta­rif­li­chen Min­dest­lohn von 12,50 € in der Stun­de. - ­Ta­rif­li­che Auf­sto­ckung von Kurz­ar­bei­ter­geld auf 100 % des Net­to­ver­diens­tes - ­Er­hö­hung der mo­nat­li­chen ta­rif­li­chen So­zi­al­zu­la­ge auf 25 € bzw. 35 € - Lauf­zeit: 12 Mo­na­te - Im Groß- und Au­ßen­han­del wird seit Mit­te April ver­han­del­t. Die ers­ten bei­den Ver­hand­lungs­run­den blie­ben er­geb­nis­los, bis­her ha­ben die Ar­beit­ge­ber auch kein An­ge­bot vor­ge­leg­t. ver­.­di for­dert ei­ne Er­hö­hung der Löh­ne und Ge­häl­ter um 5,5%, min­des­tens um 150 €, und ein ta­rif­li­ches Min­des­tent­gelt von 12,50 € pro Stun­de. Am 10.6. wird wei­ter­ver­han­del­t.

    Bayern

    3. Ver­hand­lungs­run­de 29.06.2021
    For­de­run­gen und Ver­hand­lungs­stand

    - Die Ar­beit­ge­ber leg­ten in der ers­ten Ta­rif­ver­hand­lung am 03.05.2021 kein An­ge­bot vor. Die For­de­run­gen: - ­Er­hö­hung der Löh­ne, Ge­häl­ter und Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 4,5 % plus 45 € pro Mo­nat - ­Er­hö­hung der un­te­ren Be­schäf­tig­ten­grup­pen und Löh­ne auf ein ren­ten­fes­tes Min­de­stein­kom­men von 12,50 € in der Stun­de. - ­Die Lauf­zeit der Ta­rif­ver­trä­ge soll 12 Mo­na­te be­tra­gen - Im Groß- und Au­ßen­han­del ist die ers­te Ver­hand­lungs­run­de eben­falls oh­ne Er­geb­nis zuen­de ge­gan­gen, hier wird am 9.6. wei­ter­ver­han­del­t.

    Berlin

    Ver­hand­lungs­be­ginn am 25.06.2021
    Die For­de­run­gen

    - Ei­ne Er­hö­hung der Ge­häl­ter, Löh­ne und Aus­zu­bil­den­den­ver­gü­tun­gen um 4,5 % plus ­zu­sätz­lich 45 Eu­ro pro Mo­nat - Ein ren­ten­fes­tes Min­des­tent­gelt von 12,50 Eu­ro die Stun­de - Ei­ne Lauf­zeit von neun Mo­na­ten, da­mit der Ein­zel­han­del in Ber­lin und Bran­den­burg nicht wei­ter­hin als bun­des­wei­tes Schluss­licht, son­dern par­al­lel zu den Ta­rifrun­den in den an­de­ren Ta­rif­ge­bie­ten ver­han­delt wird. - Im Groß- und Au­ßen­han­del wur­de erst­mals am 27. Mai ver­han­del­t, aber oh­ne Er­geb­nis, wei­ter geht's am 13. Ju­li.

    Brandenburg

    Ver­hand­lungs­be­ginn am 25.06.2021
    Die For­de­run­gen

    - Ei­ne Er­hö­hung der Ge­häl­ter, Löh­ne und Aus­zu­bil­den­den­ver­gü­tun­gen um 4,5 % plus ­zu­sätz­lich 45 Eu­ro pro Mo­nat - Ein ren­ten­fes­tes Min­des­tent­gelt von 12,50 Eu­ro die Stun­de - Im Groß- und Au­ßen­han­del wur­de be­reits zwei­mal er­geb­nis­los ver­han­del­t, wei­ter geht es am 13.7.; ver­.­di for­dert ei­ne Stei­ge­rung der Löh­ne und Ge­häl­ter von min­des­tens 150 € oder 6% und einen Min­dest­ta­rif von 12,50 €/­Stun­de.

    Hamburg

    3. Ver­hand­lungs­run­de 30.06.2021
    For­de­run­gen und Ver­hand­lungs­stand

    Die ers­te Ver­hand­lungs­run­de am 19. Mai ist oh­ne ei­ne An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber er­geb­nis­los be­en­det wor­den. - ­Er­hö­hung der Löh­ne, Ge­häl­ter und Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 4,5 % plus 45 € pro Mo­nat - ­Er­hö­hung der un­te­ren Be­schäf­tig­ten­grup­pen und Löh­ne auf ein ren­ten­fes­tes Min­de­stein­kom­men von 12,50 € in der Stun­de - ­Die Lauf­zeit der Ta­rif­ver­trä­ge soll 12 Mo­na­te be­tra­gen - Im Groß- und Au­ßen­han­del wur­de be­reits En­de April zum ers­ten Mal ver­han­del­t, al­ler­dings oh­ne Er­geb­nis. In der Han­se­stadt wird am 4.6. wie­der ver­han­del­t. ver­.­di for­dert dort ei­ne Er­hö­hung der Löh­ne und Ge­häl­ter um 5,5 %, min­des­tens je­doch um 155 Eu­ro.

    Hessen

    3. Ver­hand­lungs­run­de 29.06.2021
    For­de­run­gen und Ver­hand­lungs­stand

    Die Ver­hand­lun­gen be­gan­nen am 12.05.2021 mit ei­ner Pro­test­ver­an­stal­tung von Be­triebs­rä­ten aus dem Ein­zel- und Ver­sand­han­del vor dem Ver­hand­lungs­lo­kal. Ein An­ge­bot zur Er­hö­hung der Ge­häl­ter, Löh­ne und Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen ha­ben die Ar­beit­ge­ber nicht ge­macht. ­Die For­de­run­gen: - ­Er­hö­hung der Ent­gel­te und Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 4,5% plus € 45,- pro Mo­nat - ­Ver­ein­ba­rung ei­nes ren­ten­fes­ten Min­des­tent­gelts von € 12,50 pro Stun­de Lauf­zeit des Ta­rif­ver­tra­ges von 12 Mo­na­ten - Im Groß- und Au­ßen­han­del wur­de am 28. Mai zum ers­ten Mal ver­han­del­t, oh­ne Er­geb­nis. Hier wird erst am 2. Ju­li er­neut ver­han­delt wer­den.

    Mecklenburg-Vorpommern

    Ver­hand­lungs­be­ginn 24.07.2021
    Die For­de­run­gen

    - ­Er­hö­hung der Löh­ne und Ge­häl­ter um 4,5% plus 45 Eu­ro pro Mo­nat - An­he­bung der Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 70 Eu­ro pro Aus­bil­dungs­jahr - Ei­nen ren­ten­fes­ten ta­rif­li­chen Min­dest­lohn von 12,50 Eu­ro pro Stun­de - Lauf­zeit des Ta­rif­ver­tra­ges von 12 Mo­na­ten - Im Groß- und Au­ßen­han­del wer­den ei­ne Er­hö­hung der Löh­ne und Ge­häl­ter um 145 Eu­ro, min­des­tensa­ber um 6 % ge­for­der­t

    Niedersachsen/Bremen

    2. Ver­hand­lungs­run­de 10.06.2021
    For­de­run­gen und Ver­hand­lungs­stand

    In der ers­ten Ver­hand­lungs­run­de am 18. Mai be­zeich­ne­ten die Ar­beit­ge­ber die ver­.­di-For­de­run­gen als zu hoch, mach­ten aber selbst kein An­ge­bot. Jetzt wird im Ju­ni wei­ter­ver­han­del­t. - 4,5 % plus 45 Eu­ro pro Mo­nat mehr Ge­hal­t/­Lohn - ­Er­hö­hung der Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 100€ - ­Ren­ten­fes­tes Min­des­tent­gelt 12,50 Eu­ro pro Stun­de - 12 Mo­na­te Lauf­zeit - Im Groß- und Au­ßen­han­del wur­de am 19.5. zum ers­ten Mal er­geb­nis­los ver­han­del­t, die 2. Ver­hand­lungs­run­de ist für den 15.6. ter­mi­nier­t. ver­.­di for­dert ei­ne Stei­ge­rung der Löh­ne und Ge­häl­ter in Hö­he von 199 €.

    Nordrhein-Westfalen

    3. Ver­hand­lungs­run­de am 22.06.2021
    For­de­run­gen und Ver­hand­lungs­stand

    Die Ar­beit­ge­ber ha­ben in der ers­ten Ver­hand­lungs­run­de am 05.05.2021 kein An­ge­bot vor­ge­leg­t. Die ver­.­di-For­de­run­gen wur­den ab­ge­lehnt. Das An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber in der zwei­ten Ver­hand­lungs­run­de so­wohl für den Ein­zel-, aber auch für den Große- und Au­ßen­han­del wird hin­ge­gen von ver­.­di ab­ge­lehnt, wei­te­re Streiks ste­hen an (sie­he Text oben). ­Die For­de­run­gen: - ­Er­hö­hung der Löh­ne, Ge­häl­ter und Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 4,5 % plus 45 € pro Mo­nat - ­Er­hö­hung der un­te­ren Be­schäf­tig­ten­grup­pen und Löh­ne auf ein ren­ten­fes­tes Min­de­stein­kom­men von 12,50 € in der Stun­de - ­Die Lauf­zeit der Ta­rif­ver­trä­ge soll 12 Mo­na­te be­tra­gen

    Rheinland-Pfalz

    2. Ver­hand­lungs­run­de 25.06.2021
    For­de­run­gen und Ver­hand­lungs­stand

    - ­Er­hö­hung der Löh­ne, Ge­häl­ter und Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 4,5 % plus 45 € pro Mo­nat - ­Er­hö­hung der un­te­ren Be­schäf­tig­ten­grup­pen und Löh­ne auf ein ren­ten­fes­tes Min­de­stein­kom­men von 12,50 € in der Stun­de. - ­Die Lauf­zeit der Ta­rif­ver­trä­ge soll 12 Mo­na­te be­tra­gen. - Die 1. Ver­hand­lungs­run­de blieb oh­ne Er­geb­nis. - Auch im Groß- und Au­ßen­han­del wur­de bis­her er­geb­nis­los ver­han­del­t, dort wird am 22.7. wei­ter­ver­han­del­t.

    Saarland

    2. Ver­hand­lungs­run­de 21.06.2021
    For­de­run­gen und Ver­hand­lungs­stand

    - ­Er­hö­hung der Löh­ne, Ge­häl­ter und Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 4,5 % plus 45 € pro Mo­nat - ­Er­hö­hung der un­te­ren Be­schäf­tig­ten­grup­pen und Löh­ne auf ein ren­ten­fes­tes Min­de­stein­kom­men von 12,50 € in der Stun­de. - ­Die Lauf­zeit der Ta­rif­ver­trä­ge soll 12 Mo­na­te be­tra­gen - Die ers­te Ver­hand­lungs­run­de am 18. Mai fand aus­schließ­lich on­li­ne statt und blieb er­geb­nis­los.

    Sachsen, Sachsen-Anhalt-Thüringen

    2. Ver­hand­lungs­run­de 24.06.2021
    For­de­run­gen und Ver­hand­lungs­stand

    Das An­ge­bot, dass die Ar­beit­ge­ber am 1. Ju­ni in der ers­ten Ver­hand­lungs­run­de wur­de als in­ak­zep­ta­bel ab­ge­lehnt. ver­.­di for­der­t: - ­Er­hö­hung der Ge­häl­ter, Löh­ne und Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 4,5 % plus 45 € pro Mo­nat; - Ei­nen ren­ten­fes­ten ta­rif­li­chen Min­dest­lohn von 12,50 € in der Stun­de. - Lauf­zeit: 10 Mo­na­te bis 31.3.2022 (An­glei­chung der Lauf­zei­ten) - Im Groß- und Au­ßen­han­del wur­de am 17.5. und 27.5. (T­hü­rin­gen) die ers­te Ver­hand­lungs­run­de er­geb­nis­los be­en­det, am 19.5. wur­de erst­mals ge­streik­t. Dort wird am 7.6. (Sach­sen-An­hal­t), am 22.6. (Sach­sen) und 29.6. (T­hü­rin­gen) wei­ter­ver­han­del­t.

    Schleswig-Holstein

    Ver­hand­lungs­be­ginn am 01.07.2021
    Die For­de­run­gen

    - ­Er­hö­hung der Löh­ne und Ge­häl­ter um 4,5% plus 45 Eu­ro pro Mo­nat - An­he­bung der Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen um 70 Eu­ro pro Aus­bil­dungs­jahr - Ei­nen ren­ten­fes­ten ta­rif­li­chen Min­dest­lohn von 12,50 Eu­ro pro Stun­de - Lauf­zeit des Ta­rif­ver­tra­ges von 12 Mo­na­ten

    AVE – Allgemeinverbindlichkeit

    Das wol­len al­le Bun­des­län­der

    In ei­ner ge­mein­sa­men In­itia­ti­ve soll in je­dem Bun­des­land die All­ge­mein­ver­bind­lich­keit der Ta­rif­ver­trä­ge im Ein­zel­han­del wie­der er­reicht wer­den. Dann wür­den re­gio­nal im Ein­zel­han­del die glei­chen Löh­ne ge­zahlt wer­den.

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    Inzwischen gelten in allen Supermärkten in Deutschland strenge Hygienevorschriften für die Beschäftigten und Kund*innen
    © dpa

    Worum geht es in der Tarifrunde im Handel?

    Das zurückliegende Jahr 2020 war im Handel nicht nur online ein Rekordjahr: Trotz der Lockdowns seit nunmehr über einem Jahr hat der Einzel- und Versandhandel den Gesamtumsatz intensiv gesteigert. Es war das elfte Wachstumsjahr in Folge und die Erlöse lagen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes real um knapp vier Prozent höher als 2019; im Großhandel waren es immerhin noch 1,8 Prozent. Darin steckt Rekordarbeit – und sie wird in großen und kleinen Geschäften, in Versandzentren, Lägern, auf LKWs sowie in Büros geleistet.

    Es gibt in den anstehenden Tarifrunden im Einzel- und Großhandel also etwas zu verteilen, wenngleich Corona sich in der gesamten Branche sehr unterschiedlich ausgewirkt hat. Während außer dem Versand- und Onlinegeschäft zum Beispiel auch der Handel mit Lebensmitteln und Baustoffen oder Pharmaprodukten enorm nach oben schnellte, gab es empfindliche Einbußen beim Mode- und Innenstadthandel sowie beim Verkauf von Maschinen und Ausrüstungen.

    Bei tarifgebundenen Unternehmen, die wegen der Pandemie in die Krise geraten sind, ist ver.di im Handel deshalb offen für tarifpolitische Lösungen, um damit die Arbeitsplätze der Kolleginnen und Kollegen abzusichern. Am 28. April war der Auftakt zur ersten Verhandlungsrunde im Handel in Baden-Württemberg. Im Verlauf des Monats Mai starten in fast allen anderen Bundesländern ebenfalls die Tarifrunden, lediglich in Mecklenburg-Vorpommern geht’s erst am 24. Juni los.

    4,5 Prozent und ein Festbetrag mehr

    Als Slogans haben die Tarifkommissionen „Ohne uns kein Geschäft!“ beziehungsweise „Ohne uns kein Handel!“ gewählt, weil sehr viele Beschäftigte trotz extrem gestiegener Belastungen „den Laden am Laufen“ halten. Andere müssen durch Kurzarbeit empfindliche Gehaltseinbußen hinnehmen. Das braucht dringend einen Ausgleich, verlangt Respekt und Anerkennung.

    Hauptanliegen von ver.di im Einzel- und Versandhandel ist es, die Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent und um 45 Euro zu erhöhen. Mit Blick auf eine Mindestabsicherung im Alter wird als nächster Schritt auch ein tariflicher Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde gefordert. Die Auszubildenden sollen in der Regel 100 Euro mehr im Monat bekommen. Verhandlungsstart ist Anfang Mai.

    „Wir wollen in jedem Fall tabellenwirksame Erhöhungen durchsetzen, auf denen dann auch in den kommenden Tarifrunden wieder aufgebaut wird", sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. „Mit Einmalzahlungen lassen sich die Beschäftigten nicht abspeisen. Und wir werden auch auf die Straße gehen, um gute Tarifabschlüsse durchzusetzen.“

    Für den Groß und Außenhandel ist die Spannbreite der Forderungen relativ groß. Sie bewegen sich zwischen 4,5 Prozent plus Festbetrag und 6 Prozent, wobei alternativ Festbeträge bis zu 199 Euro verlangt werden. In Sachsen sollen die Arbeitgeber 1 Euro mehr pro Stunde zahlen.

    Systemrelevanz muss sich in Euro und Cent ausdrücken

    Maurike Maaßen ist eine erfahrene Gewerkschafterin aus der Praxis, Betriebsrätin bei Netto in Essen, Mitglied der Tarifkommission und auf vielen Ebenen bei ver.di ehrenamtlich aktiv. Sie empfindet das Verhalten der Arbeitgeber als „Dreistigkeit ohne Ende“. Denn, auch wenn es schon oft gesagt worden sei, stimme die Aussage: „Wir haben es verdient!“ Die Kolleg*innen in den Geschäften hätten in den zurückliegenden Monaten schwer geschuftet, aber mehr als Beifall sollten sie dafür nicht erhalten. Verzweifelt seien auch die Kolleg*innen, die wegen des Lockdowns nicht in den Läden vor Ort arbeiten konnten, inzwischen allerdings sehr viel für das Online-Geschäft getan hätten. „Es hieß ja so oft, dass wir ,systemrelevant‘ sind. Das muss sich nun in Euro und Cent ausdrücken.“

    Große Angst vor Altersarmut

    „Die Angst vor Altersarmut ist sehr groß, weil es bei den Einkommen hinten und vorne nicht reicht“, sagt Jürgen Schulz, der bei Saturn beschäftigt ist. Er gehört der Tarifkommission für den Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen, in der kürzlich die Ergebnisse einer Tarifbefragung diskutiert wurden, in die fast 900 Betriebe einbezogen waren. Dass den Beschäftigten im Handel Altersarmut droht, untermauert auch eine aktuelle Studie, laut der jede zweite Verkäuferin in Nordrhein-Westfalen nur einen Niedriglohn bezieht. Dumping prägt bereits weite Teile des deutschen Einzel- und Versandhandels, angefacht durch die anhaltende Tarifflucht. Inzwischen sind rund 80 Prozent der Betriebe im Handel nicht mehr an die Flächentarifverträge gebunden.

    Neben einem deutlichen Gehaltsplus fordert ver.di deshalb für den gesamten Handel die sogenannte Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge, kurz: AVE, die dann für alle Betriebe gelten würden. Eine gemeinsame Beantragung von Gewerkschaft und Arbeitgebern bei den Arbeitsministerien, die dafür notwendig wäre, verweigern die Arbeitgeberverbände bisher. Die Mobilisierung für spürbar bessere Einkommen und für die AVE ist unterdessen in vollem Gange.

    Mehr erfahren zur Tarifrunde im Handel

    Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke zur Tarifrunde im Handel

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