Fragen & Antworten

    „Bewertung von Vermögen – ein bürokratisches Monstrum“

    „Bewertung von Vermögen – ein bürokratisches Monstrum“

    Die Bewertung insbesondere von Immobilien und Betriebsvermögen, die für die Besteuerung nötig ist, ist angeblich viel zu aufwendig. Die Kosten seien so hoch, dass sich Vermögensbesteuerung kaum lohne.

    Tatsächlich betrugen bei der bis 1996 erhobenen Vermögensteuer die Kosten der Finanzverwaltung nach einer Schätzung des Bundesfinanzministeriums etwa drei Prozent des Steueraufkommens. Auch die heute notwendige realistische Bewertung von Grund- und Immobilienvermögen stellt kein großes Problem dar, bei der Feuerversicherung klappt es schließlich auch. Es gibt es mittlerweile bewährte Verfahren, die für die Vermögensbesteuerung angewendet werden können. Im Zuge der Erbschaftsteuerreform wurde das Bewertungsgesetz geändert und bietet dafür eine geeignete Grundlage.

    Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in ausführlichen Studien die Kosten der Erhebung einer Vermögensabgabe und einer Vermögensteuer abgeschätzt. Ergebnis: für eine einmalige Vermögensabgabe liegt der „Anteil der Befolgungs- und Verwaltungskosten am Abgabeaufkommen bei unter ein Prozent für das Szenario mit eine Million Euro persönlichem Freibetrag und 250.000 Euro Kinderfreibetrag“ (Aufkommens- und Verteilungswirkungen einer Grünen Vermögensabgabe, DIW 2010, S. 80). Hierbei sind nicht nur die Kosten der Finanzverwaltung, sondern auch die der Steuerpflichtigen enthalten. Je höher die Freibeträge und die Abgabesätze, desto geringer ist der relative Erhebungsaufwand.

    Bei einer jährlichen Vermögensteuer liegt der relative Aufwand etwas höher, weil der Steuersatz geringer ist und die Vermögen in regelmäßigen Abständen neu erhoben werden müssen. Bei einem Steuersatz von 1 Prozent kommt das DIW bei den natürlichen Personen auf 2,8 Prozent (Aufkommens- und Verteilungswirkungen einer Wiederbelebung der Vermögensteuer, DIW 2012, Tab. 4) und bei den Kapitalgesellschaften auf 1,4 Prozent (Tab. 9). Insgesamt sind das Erhebungskosten von etwa zwei Prozent. Das ist keineswegs übermäßig viel.

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