Fragen & Antworten

    Zeitarbeit oder Leiharbeit - wo ist der Unterschied?

    Zeitarbeit oder Leiharbeit - wo ist der Unterschied?

    Was ist das eigentlich, Leiharbeit und Zeitarbeit?

    Leiharbeit oder Zeitarbeit bedeutet dasselbe, dass Arbeitnehmer*innen von einem Verleihunternehmen, bei dem sie im Regelfall unbefristet angestellt sind, einem Unternehmen (Entleiher) für eine bestimmte Zeit überlassen werden. Rechte und Pflichten des Arbeitgebers inkl. der Bezahlung liegen beim Verleiher. Dieser muss eine Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung („AÜG-Lizenz“) haben, die die Bundesagentur für Arbeit auf Antrag erteilt.

    Der ursprüngliche Sinn von Leiharbeit war es, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, zeitweise auftretende „Arbeitsspitzen“ abzudecken, indem sie sich Arbeitskräfte für diesen Zweck befristet ausleihen können. Allerdings wurde die Leiharbeit – insbesondere durch die „Hartz-Gesetze“ ab 2002 – zu einem Instrument zum Abbau von Arbeitslosigkeit. Seitdem galt die Leiharbeitsbranche als wesentlicher Teil des Niedriglohnbereichs. Durch neue Vorgaben im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) und durch erfolgreiche Tarifpolitik hat sich dies in den letzten Jahren geändert. In jüngster Zeit gibt es zudem Entwicklungen in der Leiharbeit, mit denen auf neue Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt reagiert wird (z.B. auf partiellen Fachkräfte- und Spezialistenmangel), sodass sich Zeitarbeit zunehmend aus der „Schmuddelecke“ des Arbeitsmarktes befreien kann.

    Warum sollte ich ver.di-Mitglied werden, wenn ich in der Leih-/Zeitarbeitsbranche arbeite?

    Für die Leiharbeit gilt laut Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) der „Grundsatz der Gleichstellung“, d.h. der Verleiher ist eigentlich verpflichtet, dem Leiharbeitenden die im Entleihbetrieb für eine vergleichbare Beschäftigung geltenden „wesentlichen Arbeitsbedingungen“ einschließlich des Lohns zu gewähren (sog. „equal treatment“ und „equal pay“). Allerdings hat sich gezeigt, dass Leihbeschäftigte durchgängig schlechter bezahlt wurden, nicht mit den Stammbeschäftigten gleichgestellt und alleine kaum in der Lage waren, „equal pay“ und „equal treatment“ gegenüber dem Arbeitgeber durchzusetzen.

    Deshalb schließt ver.di zusammen mit anderen DGB-Gewerkschaften mit den beiden großen Arbeitgeberverbänden der Leiharbeit, dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), Tarifverträge ab: In mehreren Tarifrunden konnten mittlerweile umfangreiche Verbesserungen u.a. beim Entgelt und beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld durchgesetzt werden. Je mehr Beschäftigte in der Leiharbeit Gewerkschaftsmitglied sind, desto besser sind die Ergebnisse. Da zuletzt auch ein vom Arbeitgeber zu zahlender Bonus für Gewerkschaftsmitglieder von – je nach Beschäftigungsdauer – bis zu 700 Euro durchgesetzt werden konnte, lohnt es sich einmal mehr, ver.di-Mitglied zu werden.

    Wie steht ver.di zur Leiharbeit?

    ver.di setzt sich einerseits für die Beschränkung von Zeit- unarbeit und andererseits für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Zeit- und Leiharbeitnehmer*innen ein. Leiharbeit muss auf zu überbrückende personelle Engpässe begrenzt werden und darf tarifvertragliche Standards nicht unterlaufen. Deshalb fordert ver.di gesetzliche Reformen, die

    • gleiche Bezahlung und gleiche Arbeitsbedingungen für Leiharbeit vom ersten Einsatztag an gewährleisten;

    • eine Flexibilitätszulage von zehn Prozent für Beschäftigte in der Leiharbeit sicherstellen. Dadurch ist die Verlockung für Arbeitgeber weniger groß, Leiharbeit in großem Stil zu praktizieren und gleichzeitig von Leihbeschäftigten zu erbringende hohe Flexibilität aufgrund häufig wechselnder Arbeits- und Einsatzbedingungen honoriert;

    • das 2004 aufgehobene Synchronisationsverbot wiedereinführen. Das heißt, Leihunternehmen stellen ihre Beschäftigten nicht nur dann an, wenn sie weiterverliehen werden, sondern behalten sie auch in verleihfreien Zeiten und bringen damit Stabilität in das Arbeitsleben auch von Leihbeschäftigten. Damit würde das Beschäftigungsrisiko nicht mehr von den Leihbeschäftigten, sondern von der Leiharbeitsfirma getragen;

    • die Höchstüberlassungsdauer arbeitsplatz- statt arbeitnehmerbezogen regeln, damit es nicht zu Karusselleffekten kommt, also nach Ablauf der Höchstüberlassungsdauer lediglich die eine durch den anderen Leihbeschäftige(n) ausgetauscht wird;

    • sicherstellen, dass Leihbeschäftigte bei allen Schwellenwerten in Arbeits- und Mitbestimmungsgesetzen berücksichtigt werden,


    Welche Rechte habe ich als Leiharbeiter*in?

    Grundsätzlich haben Beschäftigte in der Leiharbeit die gleichen Rechte wie andere Arbeitnehmer*innen. Das Leihunternehmen, bei dem die oder der Arbeitnehmer*in angestellt ist, muss Beiträge zu den Sozialversicherungen abführen, den Lohn im Krankheitsfall weiterzahlen und sich an den gesetzlichen Kündigungsschutz halten. Das Problem ist jedoch, dass ein Leiharbeitsverhältnis oftmals nur wenige Monate dauert, der gesetzliche Kündigungsschutz aber erst nach sechs Monaten greift, so dass der Schutz faktisch ausgehebelt wird.

    Gibt es Tarifverträge in der Zeitarbeit?

    ver.di hat zusammen mit anderen DGB-Gewerkschaften in einer Tarifgemeinschaft mit den beiden großen Arbeitgeberverbänden der Leiharbeit, dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), Tarifverträge abgeschlossen. In mehreren Tarifrunden konnten zwischenzeitlich umfangreiche Verbesserungen u.a. beim Entgelt und beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld durchgesetzt werden, zuletzt auch ein vom Arbeitgeber zu zahlender Bonus für Gewerkschaftsmitglieder von – je nach Beschäftigungsdauer – bis zu 700 Euro.

    Was kann ich verdienen mit Leiharbeit?

    Grundsätzlich kommt es auf die Art der Tätigkeit in der Leiharbeit an. Auch wenn der Niedriglohnanteil immer noch mehr als dreimal so hoch wie bei den Vollzeitbeschäftigten insgesamt ist, gibt es auch spezielle Verleihfirmen z.B. für Ärzte, Lokführer oder Fachleute für Kraftwerke, die sehr hohe Löhne zahlen, da diese Spezialisten knapp sind.

    Wenn das Leihunternehmen Mitglied im Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) oder dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) ist, gelten für Gewerkschaftsmitglieder die mit den DGB-Gewerkschaften abgeschlossenen Tarifverträge. Je nach Eingruppierung sind danach Stundenlöhne ab 1.4.2021 zwischen 10,45 Euro in der untersten und 22,79 Euro in der obersten von 9 Entgeltgruppe möglich (ab 1.4.2022 zwischen 10,88 Euro und 23,72 Euro).

    Entscheidend für den Verdienst ist die richtige Eingruppierung. ver.di hat zusammen mit anderen DGB-Gewerkschaften mit den Arbeitgeberverbänden BAP und iGZ deshalb auch vereinbart, nach welchen Kriterien die Eingruppierung zu erfolgen hat. Ausschlaggebend sind zum einen die berufliche Qualifikation, zum anderen die Art der Tätigkeit, die ausgeübt werden soll. Je höher die Entgeltgruppe, desto höher die Anforderungen und umso höher auch das Gehalt.

    Da in bestimmten Branchen die durchschnittliche Bezahlung weit über den Mindestentgelten liegt, wurden hier zusätzlich Branchenzuschläge vereinbart, um die Vergütung der Leiharbeiter*innen anzugleichen. Die Zuschläge steigen je nach Dauer der Beschäftigung in dem jeweiligen Entleihbetrieb und sind je nach Branche unterschiedlich hoch.

    Bin ich der Leiharbeit und Zeitarbeit sozialversichert?

    Beschäftigte in der Leiharbeit sind wie alle anderen Beschäftigten auch vollständig sozialversichert. Und zwar muss die Verleihfirma, bei der die/der Beschäftigte angestellt ist, die Sozialversicherungsbeiträge entrichten. Auch haben Leihbeschäftigte Anspruch auf Urlaub, Lohnfortzahlung bei Krankheit etc. wie in jeder anderen Branche.

    Leiharbeit und Zeitarbeit in der Corona-Pandemie: Was muss ich beachten?

    Anders als im Zeitraum der Finanzkrise 2012 kann Kurzarbeitergeld während der aktuellen Corona-Pandemie auch für Leiharbeitnehmer*innen beantragt werden. Damit sollen auch in der Zeitarbeit Entlassungen von Beschäftigten vermieden werden. Dafür wurde das Recht der Leiharbeitsbeschäftigten auf Vergütung während einsatzfreier Zeiten bei Vereinbarung von Kurzarbeit befristet aufgehoben.

    Um die Beschäftigung in der Leiharbeit weiter zu stabilisieren, dürfen darüber hinaus für die Dauer der Corona-Krise nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vorübergehend auch Arbeitgeber, die keine Erlaubnis als Verleiher haben, ihre Beschäftigten an andere Betriebe verleihen.

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