Fragen & Antworten

    „Leistungsträger dürfen nicht bestraft werden.“

    „Leistungsträger dürfen nicht bestraft werden.“

    Hohe Einkommen und Vermögen sind Ausdruck und Ergebnis hoher Leistungsfähigkeit. Dieses Argument wird gerne bemüht, um eine höhere Besteuerung großer Einkommen und Vermögen als ungerecht und leistungsfeindlich zu brandmarken. Denn Leistung würde so bestraft.

    Die vermeintliche Begründung ist ein Zirkelschluss: Je höher das Einkommen, desto höher die Leistung, desto höher das Einkommen. Unerklärt bleibt die Tatsache, dass Ende der 1980er Jahre das Gehalt von Dax-30-Managern 14mal so hoch war wie das Durchschnittsgehalt der bei ihnen Beschäftigten, heute aber 49mal so hoch. Der VW-Vorstandsvorsitzende erhält mehr als 45.000 Euro am Tag. Für das Gehalt des Deutschbankers Anshu Jain müsste eine Erzieherin 390 Jahre arbeiten.

    Diese Kluft zwischen Spitzengehältern und Armutslöhnen lässt sich mit unterschiedlichen Qualifikationen, Arbeitszeiten und höherer Verantwortung nicht erklären. Entscheidend sind vielmehr wirtschaftliche Macht, soziale Herkunft und Geschlecht. Wer hat, dem wird gegeben – dieses Prinzip gilt erst recht für die leistungslosen Einkommen wie Dividenden, hohe Zinseinnahmen oder bei Erbschaften.

    Wer hart arbeitet, bleibt immer häufiger arm. Altenpfleger, Busfahrer und Fachverkäuferinnen zeigen große Leistung und haben am Monatsende oft weniger als 1.500 Euro brutto. Immer mehr Vollzeitbeschäftigte müssen  Hartz IV beantragen, um über die Runden zu kommen. Über 20 Prozent der Beschäftigten müssen für einen Niedriglohn von rund 10 Euro brutto pro Stunde arbeiten. Sie werden bestraft, weil ihre Leistung nicht angemessen bezahlt wird.

    Haben Sie weitere Fragen zu diesem Thema? Dann schreiben Sie an wirtschaftspolitik@verdi.de