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    Deutsche Reeder sind Weltmeister im Ausflaggen unter Billigflaggen …

    Deutsche Reeder sind Weltmeister im Ausflaggen unter Billigflaggen – Beschäftigung und Ausbildung werden missachtet

    25.09.2012

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) befürchtet, dass das „Maritime Bündnis für Beschäftigung und Ausbildung“ zerstört und damit auch die deutsche seemännische Ausbildung langfristig beschädigt wird.

    Hintergrund dieser Annahme ist die aktuelle Statistik des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) für Schiffe unter deutscher Flagge sowie Schiffe unter deutschem Management und Billigflagge. Diese weist einen  starken Rückgang auf weniger als 370 Schiffe im Bündnis auf, obwohl eine Anzahl von 600 Schiffen für 2012 angestrebt war, um die deutsche Schifffahrtsförderung für Ausbildung und Beschäftigung weiter zu entwickeln. Das vor acht Jahren gegründete Bündnis zwischen Bundesregierung, deutschen Küstenländern, dem Reeder-Verband und ver.di war mit einer Mitgliedschaft von 300 Schiffen unter deutscher Flagge gestartet. Ziel des Bündnisses ist, das maritime Know-how zu erhalten, die Ausbildung zu fördern und Beschäftigung zu sichern.

    „Viele Reeder verlassen das Bündnis, um noch mehr Spielraum gegenüber guten tarifrechtlichen und sozialen Bedingungen zu erhalten“, kritisiert ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Deutsche Reeder würden massenhaft ausflaggen und Besatzungen anheuern, die schlechte Arbeits¬bedingungen und Dumpinglöhne akzeptieren. Die Begründung der Reeder, dass deutsche Schiffsoffiziere, insbesondere Kapitäne fehlen, sei schlichtweg falsch. Mehr als 100 junge Absolventen der Seefahrtsschulen würden Möglichkeiten suchen, um an Bord eingesetzt zu werden.

    Die Reeder hätten eine gesellschaftliche Verantwortung gegenüber der Bundesrepublik  und dem maritimen Bündnis. Sie könnten nicht nur Vorteile aus dem Förderprogramm in Anspruch nehmen, betonte die Gewerkschafterin.

    Mit dem Konterkarieren des Bündnisses durch die Reeder verlangt ver.di, dass die Bestimmungen für die Tonnagesteuer in Deutschland geändert werden. Die Bundesrepublik liefe zudem Gefahr, dass die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren einleitet.

    ver.di fordert das Bundesverkehrsministerium auf, sich dieses Problems  anzunehmen und die Reeder mit konkreten Vorgaben dazu zu veranlassen, ihre Versprechungen aus dem „maritimen Bündnis“ zu erfüllen und die Tonnagesteuer an Ausbildung und Beschäftigung zu binden. Nur so könnten in Zukunft arbeits- und sozialrechtliche Mindeststandards geschaffen und Sozialdumping durch Billigflaggenschiffe unterbunden werden, fordert Christine Behle.


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