Internationaler Tag der Seeleute: ver.di fordert Ausbildungsoffensive und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen

Pressemitteilung vom 23.06.2023

Aus Anlass des Internationalen Tages der Seeleute (am kommenden Sonntag, den 25. Juni 2023) warnt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) vor einer Vernachlässigung dieses maritimen Berufszweiges. „Es wird viel über sichere, faire und nachhaltige Lieferketten gesprochen. Oft werden dabei aber diejenigen übersehen, die Waren, Güter, aber auch Menschen und Tiere über die Ozeane transportieren“, erklärt Maya Schwiegershausen-Güth, die bei ver.di die Bundesfachgruppe Luftverkehr und Maritime Wirtschaft leitet. 

„Es ist nicht hinnehmbar, wenn wir einerseits miserable Arbeits-, Verdiensts- und Lebensbedingungen zum Beispiel von landwirtschaftlichen Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika beklagen, andererseits aber katastrophale Zustände an Bord vieler Handelsschiffe hinnehmen“, so die Gewerkschafterin. „Die physischen und psychischen Belastungen, denen die Seeleute ausgesetzt sind, werden durch die oft fehlende Kommunikation mit Angehörigen und Freunden während der monatelangen Zeit auf See noch verschärft “, fährt Schwiegershausen-Güth fort. Es sei untragbar, dass die Menschen an Bord oft noch immer von Internetzugängen abgeschnitten seien, weil sich die Reedereien die Kosten dafür sparen oder auf die Seeleute umlegen. 

Leider trügen auch deutsche Reedereien einen Teil der Verantwortung für diese Situation, weil sie ihre Flotten mehrheitlich ausgeflaggt hätten, um in Deutschland geltende Standards zu umgehen. Auch deshalb ziehe der eigentlich spannende Beruf der Seefahrerin bzw. des Seefahrers hierzulande immer weniger junge Leute an, denn es fehlen Perspektiven und Vorbilder, die für eine Karriere auf See begeistern könnten. In der Folge finden die Schiffseigner bei uns immer weniger Bewerberinnen und Bewerber. 

Die Gewerkschaft fordert daher, den Beruf durch eine Ausbildungsoffensive und attraktivere Arbeitsbedingungen von Seeleuten an Bord und an Land zu stärken. Dazu könne die öffentliche Hand einen zentralen Beitrag leisten, denn die deutsche Schifffahrt werde stark subventioniert. „Der Staat sollte aber Bedingungen für die Subventionierung formulieren: Staatliche Förderungen müssen an Ausbildung und Tariftreue gekoppelt werden – sonst subventioniert die Gesellschaft Ausbeutungsverhältnisse und Altersarmut“, unterstreicht Schwiegershausen-Güth.

 

Pressekontakt

Daniela Milutin
ver.di-Bundesvorstand
Paula-Thiede-Ufer 10
10179 Berlin
Tel.: 030/6956-1011 bzw. -1012
E-Mail: pressestelle@verdi.de 

 
 

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