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    ver.di warnt: Exzellenzinitiative darf Probleme des Hochschulsystems …

    ver.di warnt: Exzellenzinitiative darf Probleme des Hochschulsystems nicht überdecken

    15.06.2012

    Im Vorfeld der Entscheidung in der zweiten Phase der Exzellenzinitiative für die deutschen Hochschulen am 15. Juni 2012 in Bonn kritisiert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Fixierung auf wenige Spitzeneinrichtungen, die von zentralen Problemen des Hochschulsystems ablenke.

    „Herausragende Hochschulen wird es auf Dauer nicht geben, indem man die Standards auf breiter Front absenkt – im Gegenteil: Nur eine in der Breite gut aufgestellte Hochschullandschaft bildet den geeigneten Nährboden für immer neue exzellente wissenschaftliche Impulse“, unterstrich Renate Singvogel, Bereichsleiterin Bildungspolitik in ver.di. Doch genau das leiste die Exzellenzinitiative nicht. Vielmehr habe sich gerade bei den Arbeitsbedingungen die Lage in den vergangenen Jahren teils dramatisch verschärft.

    Für 85 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebe es nur noch befristete Stellen. Die Mehrheit erhalte nicht einmal einen Jahresvertrag. Auch bei den Beschäftigten in Technik und Verwaltung sei Befristung auf dem Vormarsch. „Mehr als ein Viertel dieser Gruppe ist nur noch mit einem Zeitvertrag ausgestattet, obwohl sie ohne Frage Daueraufgaben wahrnehmen“, betonte Singvogel. Studiengangentwickler oder Qualitätsbeauftragte würden in großer Zahl eingestellt, um die langfristige Entwicklung der Hochschulen voranzutreiben, erhielten aber selbst oft nur einen Kurzzeitvertrag. Hochschulsekretärinnen seien inzwischen eher Wissenschaftskoordinatorinnen, würden aber teils noch bezahlt wie Schreibkräfte, kritisierte die Gewerkschafterin.

    „Hervorragende Leistungen sind das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen aller Hochschulbeschäftigten. Das schlägt sich unmittelbar in der Forschung und vor allem bei den Studienbedingungen nieder. Was nutzt es uns, wenn wir eine Hand voll Einrichtungen haben, die in den internationalen Forschungsrankings vielleicht ein paar Plätze nach oben klettern, beim Gros der Beschäftigten und Studierenden kommt davon aber nichts an?“ so Singvogel. Die Bereichsleiterin drängt auf eine solide Finanzierung der Hochschulen in der Breite, die Einführung von Mindeststandards bei den Beschäftigungsbedingungen und einen Bewusstseinswandel an den Universitäten und Fachhochschulen: „Gute Arbeit sorgt für ein gutes Studium und hochwertige Forschung. Sie ist ein Wettbewerbsfaktor für die Hochschulen. Vor allem die Länder sind in der Verantwortung, die politischen Weichen entsprechend zu stellen, aber die Hochschulen müssen das dann auch konsequent umsetzen.“