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    Alternative Evaluation zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz: Konsequente …

    Alternative Evaluation zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz: Konsequente Reform gefordert

    20.05.2022

    Gemeinsam mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat das Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft heute (20. Mai 2022) eine Studie zur Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) vorgestellt. Die Ergebnisse belegen, dass befristete Arbeitsverträge mit kurzen Laufzeiten für wissenschaftliche Beschäftigte an Universitäten nach wie vor der Normalfall sind. Unter kurzen Vertragslaufzeiten und unsicheren Perspektiven leiden sowohl die Beschäftigten als auch die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit. Erstellt wurde die Studie von Dr. Mathias Kuhnt (TU Dresden), Prof. Dr. Tilman Reitz (Friedrich-Schiller-Universität Jena) und Dr. Patrick Wöhrle (TU Dresden). 

    Prof. Dr. Tilman Reitz, Friedrich-Schiller-Universität Jena: 

    „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass befristete Arbeitsverträge insbesondere nach der Promotion starke Einschränkungen für das Privatleben bedeuten. Kinderwünsche werden häufig zurückgestellt. Beunruhigend sind aber auch die Auswirkungen der Befristungspraxis auf die Wissenschaft selbst: Insbesondere wenn Vertragslaufzeiten für den Abschluss einer Qualifikationsarbeit nicht ausreichen, leidet die Qualität.“

    Dr. Mathias Kuhnt, Technische Universität Dresden:

    „Besonders überraschend, aber auch besorgniserregend, ist für mich, wie sehr sich befristet Beschäftigte mit wissenschaftlich motivierter Kritik zurückhalten. Das muss uns zu denken geben, denn Wissenschaft lebt davon, ihre Ergebnisse ständig kritisch zu hinterfragen. Eine Einschränkung der Diskussionskultur können wir uns nicht leisten.“ 

    Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand: 

    „Was wir als Gewerkschaft schon lange kritisieren, ist durch die Evaluation nun nachgewiesen: Die Novelle des WissZeitVG von 2016 hat das Befristungsunwesen in der Wissenschaft nicht abgestellt. Die Bundesregierung ist daher aufgefordert, diese fatale Politik, die so viel Unsicherheit schafft, endlich zu korrigieren. Arbeitsverträge zur Erstellung einer Doktorarbeit brauchen verbindliche Mindestlaufzeiten; das trägt auch dazu bei, Promotionsabbrüche zu vermeiden. Und für promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorgesehene Haushaltsstellen müssen Dauerstellen werden; mindestens aber braucht es eine klare Perspektive auf Entfristung.“ 

    Dr. Lisa Janotta, Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft: 

    „Kleinere Reparaturen am WissZeitVG reichen nicht aus. Das im internationalen Vergleich einmalige WissZeitVG hat sich nicht bewährt und ist in seiner derzeitigen Form abzuschaffen. Mehr als 80 Prozent der Befragten haben in der Evaluation angegeben, dass nach der Promotion eine unbefristete Beschäftigung die Regel sein sollte. Das ist ein klarer Auftrag für uns, diese Erwartungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der anstehenden Novellierung des Befristungsrechts unüberhörbar zu machen.“

    Die Alternative Evaluation zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist aus dem Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft hervorgegangen und wurde mit Unterstützung u.a. von ver.di erstellt. Den Kern der Evaluation bildet eine repräsentative Erhebung, die an 23 Universitäten durchgeführt wurde und mit über 4.600 gültig ausgefüllten Fragebögen einen großen Rücklauf hatte. Hintergrund sind die von der Ampelkoalition angekündigte Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes sowie die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung beauftragte Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes, deren Präsentation ebenfalls für heute angekündigt ist.

    Weitere Informationen unter:

    https://biwifo.verdi.de/branchen/hochschulen/++co++816e20dc-d2c5-11ec-8ecf-001a4a160129

     

    Pressekontakt

    Richard Rother
    ver.di-Bundesvorstand
    Paula-Thiede-Ufer 10
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    E-Mail: pressestelle@verdi.de 
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