Beschäftigte in der Ver- und Entsorgung kritisieren Arbeitsbedingungen - ver.di-Umfrage Gute Arbeit zeigt dringenden Handlungsbedarf

    Pressemitteilung vom 26.09.2022

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die Beschäftigten in der Ver- und Entsorgung im Frühjahr 2022 bundesweit dazu befragt, wie sie ihre Arbeitsbedingungen einschätzen. Angesprochen wurden Beschäftigte in kommunalen und privaten Betrieben der Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft. 14.570 Beschäftigte haben geantwortet. Dabei wurde vielfach auf erhebliche Probleme aufmerksam gemacht. Aufgrund der jetzt vorliegenden Umfrageergebnisse weist ver.di darauf hin, dass im Bereich Versorgungssicherheit zahlreiche dringende Handlungsbedarfe bestehen.

    „ver.di wird gemeinsam mit den Beschäftigten in den Betrieben Maßnahmen entwickeln, die zu schnellen und gezielten Verbesserungen führen sollen, vor allem dort, wo der dringendste Handlungsbedarf besteht“, betont ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz und fordert die Arbeitgeber auf, hierbei mitzuwirken, um in der Ver- und Entsorgung Gute Arbeit zu schaffen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Umfrage habe ergeben, dass viele der Befragten - trotz hoher Identifikation mit der eigenen Arbeit – nicht für eine Tätigkeit im eigenen Betrieb werben würden, weil sie sich unzureichend geschult, strukturell überlastet sowie gesundheitlich angegriffen fühlen oder finanzielle Sorgen haben. „Das macht deutlich, dass jetzt schnelle Schritte erfolgen müssen, um die Beschäftigten zu entlasten und die Tätigkeiten attraktiver zu machen, damit neues Personal eingestellt werden kann“, so Schmitz weiter. Fachkräfte als entscheidende Ressource Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft würden derzeit nicht in nötigem Umfang gefördert und aufgrund der Personalengpässe komme es zusätzlich zu einem massiven Arbeitsdruck. Hier müsse umgehend gegengesteuert werden.

    Im Einzelnen ergab die Umfrage, dass Beschäftigte bezüglich der Qualifizierungsangebote kritisieren, dass sie häufig nur unzureichend über Weiterbildungsangebote informiert werden. Nur ein kleinerer Teil der Beschäftigten gibt an, dass ihr Betrieb berufliche Entwicklungsprogramme anbietet. Insbesondere in kleineren Betrieben kümmert sich laut Befragung kaum jemand um Fort- und Weiterbildung. Ein überraschend großer Anteil der Beschäftigten gibt an, für die aktuellen Arbeitsaufgaben nicht ausreichend qualifiziert zu werden. Ein noch größerer Teil fühlt sich für künftige berufliche Anforderungen nicht ausreichend qualifiziert. Dies betrifft alle Branchen, Sparten und Betriebsgrößen, wenn auch mit unterschiedlichen Ausprägungen. Nur ein Teil der Beschäftigten hat den Eindruck, dass Qualifizierung und Erhalt der Arbeitsfähigkeit in ihrem Betrieb gefördert werden. Die Betriebe stehen daher in Bezug auf die Qualifizierung ihrer Beschäftigten vor enormen Herausforderungen.

    Ein großer Teil der Befragten kritisiert, dass die Arbeitsintensität in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Die Belastungssituation ist so dramatisch, dass hier sofortiger Handlungsbedarf besteht und dringend Fachpersonal eingestellt werden muss.

    Ein großer Teil der Beschäftigten gibt an, unter den derzeitigen Anforderungen ihre jetzige Tätigkeit „wahrscheinlich nicht“ ohne Einschränkungen bis zum Rentenalter ausüben zu können. Bei den Belastungen, die dazu beitragen, überwiegen soziale und emotionale Belastungen. In der Wasser- und Abfallwirtschaft kommen körperliche Belastungen hinzu. Ein relevanter Teil der Beschäftigten arbeitet mindestens „selten“ auch in der Nacht. Je häufiger Nachtarbeit geleistet wird, desto kritischer werden die Arbeitsbedingungen eingeschätzt.

    Angebote, die die Gesundheit erhalten oder wiederherstellen gibt es laut Umfrage nur in einem Teil der Betriebe. Weniger als die Hälfte der Befragten, erklären, dass es bei ihnen solche Angebote gibt; in der Abfallwirtschaft und den Bädern sind es sogar nur ca. ein Fünftel. Dabei werden solche Gesundheitsangebote gerade von der Mehrheit der Beschäftigten, die sie nicht bekommen, als wichtig angesehen.

    Die Befragten machten ver.di zudem auf drei Themen besonders aufmerksam: Branchenübergreifend hat das Geld für sie klaren Vorrang. Hier spiegeln sich die kritischen Einschätzungen der Befragten zu ihrem Einkommen wider. Viele fühlen sich nicht leistungsgerecht bezahlt. Des Weiteren, wenn auch mit großem Abstand zum finanziellen Anliegen, wünschen sich die Beschäftigten gute Regelungen zu mobiler Arbeit und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In der Abfallwirtschaft und bei den Bädern werden außerdem auch Angebote zum Erhalt der Gesundheit genannt.

    Eine Gesamtpräsentation der Ergebnisse mit Erläuterungen findet sich unter Umfrage – ver.di (verdi.de) zum Download.

     

    Pressekontakt

    Martina Sönnichsen
    ver.di-Bundesvorstand
    Paula-Thiede-Ufer 10
    10179 Berlin
    Tel.: 030/6956-1011 bzw. -1012
    E-Mail: pressestelle@verdi.de

     

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