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    ver.di fordert Klartext über Schlecker-Pläne von Investoren und deren Einbeziehung in Verhandlungsprozess – Bundestarifkommission verschiebt Urlaubsgeld und anstehende Tariferhöhung

    10.05.2012

    Am heutigen Donnerstag hat sich die Tarifkommission Schlecker für die Verschiebung anstehender tariflicher Leistungen ausgesprochen – vorbehaltlich der Zustimmung der ver.di-Mitglieder bei Schlecker. Damit wird die Option für den Abschluss eines Sanierungstarifvertrages zu einem späteren Zeitpunkt offengehalten, da die dafür notwendigen Voraussetzungen derzeit noch nicht erfüllt sind. Gleichzeitig fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Klartext vonseiten des Insolvenzverwalters hinsichtlich der Pläne von interessierten Investoren und deren Einbeziehung in den Verhandlungsprozess.

    „Die Verschiebung des Auszahlungszeitraums der jetzt anstehenden zweiprozentigen Tariferhöhung  und des Urlaubsgeldes in den Monat August ist ein deutliches Zeichen an den Insolvenzverwalter und mögliche Investoren, dass die Beschäftigten alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen, damit ein Sanierungstarifvertrag doch noch abgeschlossen werden kann “, betonte ver.di-Verhandlungsführer Bernhard Franke.

    Es habe sich in der Sondierung mit dem Insolvenzverwalter am gestrigen Mittwoch gezeigt, dass vor  dem Abschluss eines Sanierungstarifvertrages konkrete Gespräche mit potenziellen Investoren unverzichtbar seien – auch darum, weil der Insolvenzverwalter die Zusage zu einem Kündigungsschutz während des Verzichtszeitraumes einem Investor überlassen will.

    Darüber hinaus gebe es weitere entscheidende Gründe für mehr Transparenz. „Wenn Menschen von ihrem Geld abgeben sollen, müssen sie wissen wofür. Hier fordern wir klare Worte des Insolvenzverwalters, wohin die Reise gehen soll“, unterstrich Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel. „Der Einstieg interessierter Investoren in den Verhandlungsprozess und deren Mitgestaltung bei der Überarbeitung des vorliegenden Fortführungskonzeptes wäre außerordentlich wichtig“, sagte Nutzenberger.

    Sobald die Voraussetzungen für einen Sanierungstarifvertrag gegeben seien, könnten die Verhandlungen unmittelbar aufgenommen werden.  Klar sei, dass die geforderten 15 Prozent Einsparung bei den Personalkosten unrealistisch seien. „Für eine Vollzeit-Verkäuferin aus Nordrhein-Westfalen würde das einen Verzicht von mehr als 360 Euro pro Monat bedeuten, für eine Verkäuferin mit einer 20-Stundenwoche knapp 200 Euro“, rechnete Christel Hoffmann, Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Schlecker, vor. „Das zwingt zahlreiche Schlecker-Frauen in die Abhängigkeit ergänzender Hartz-IV-Leistungen und ist eine unverantwortliche Forderung“, kritisierte Hoffmann.

    Die Bundestarifkommission hat sich für einen möglichen Sanierungsbeitrag der Beschäftigten ausgesprochen. Dieser setzt sich zusammen aus dem dreijährigen Verzicht auf Sonderzahlungen und dem Verschieben fälliger Tariferhöhungen. „Damit sind wir an die absolute Schmerzgrenze gegangen, mehr geht beim besten Willen nicht, sonst entzieht man den Frauen die Existenzgrundlage“, so Verhandlungsführer Franke.

    Über die Verschiebung der anstehenden Leistungen in den August und den Vorschlag für den Sanierungsbeitrag der Beschäftigten findet in Kürze eine Befragung der ver.di-Mitglieder bei Schlecker statt.