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    ver.di: Wirtschaftliches Aus trifft die Schlecker-Beschäftigen …

    ver.di: Wirtschaftliches Aus trifft die Schlecker-Beschäftigen am härtesten

    29.06.2012

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat nach dem endgültigen Aus für die Schlecker-AS-Filialen und der vom Gläubigerausschuss beschlossenen Schließung der Schlecker-XL-Märkte davor gewarnt, den Beschäftigten der insolventen Drogeriekette die Verantwortung für die Firmenpleite zuzuweisen. „Es ist nicht hinnehmbar, dass aus den Hauptbetroffenen der Insolvenz – den Schlecker-Frauen – jetzt Täter gemacht werden sollen, obwohl der wirtschaftliche Niedergang und das Aus eindeutig die Folge unternehmerischer Fehlleistungen der Familie Schlecker sind“, sagte Stefanie Nutzenberger, zuständiges ver.di-Vorstandsmitglied für den Handel, am Freitag. Insofern träfen auch Vorwürfe, ver.di habe tarifliche Standards zu entschieden verteidigt, direkt die Beschäftigten. „Sie haben lange Jahre für ihre Rechte kämpfen müssen und waren zuletzt trotzdem bereit, auf einen erheblichen Teil ihres Gehalts zur Rettung des Unternehmens zu verzichten“, so Nutzenberger. Tatsächlich habe die Verantwortungslosigkeit der Eigentümer-Familie in der Vergangenheit bis heute dramatische Folgen. Ihr Verhalten – gerade gegenüber den Beschäftigten – sei unsozial und respektlos.

    Nötig sei jetzt die Klärung der Frage, aus welchen Gründen die Investorensuche letztlich gescheitert ist und warum Teilverkäufe in nennenswertem Umfang nicht zustande gekommen sind. Hier sei der Insolvenzverwalter insbesondere den Beschäftigten gegenüber in der Pflicht. „Und es darf auf keinen Fall passieren, dass am Ende des Insolvenzverfahrens zwar Lieferanten und Warenkreditversicherer einen Großteil ihres Geldes zurückerhalten, aber die Beschäftigten mangels Masse weitgehend leer ausgehen“, mahnte Nutzenberger.

    „Das Ende des Unternehmens Schlecker ist nicht das Ende der Kolleginnen und Kollegen, die über Jahrzehnte die Firma mit aufgebaut und auch unter widrigen Bedingungen am Laufen gehalten haben. Wir verlieren unsere Arbeitsplätze, aber nicht unsere Würde – und auch nicht die Gewissheit, dass unser Engagement, unser Einsatz und unser Bemühen um die Kunden faire Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Bezahlung verdienen“, sagte die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Christel Hoffmann.

    Die Politik sei jetzt in der Pflicht, angesichts der Erfahrungen bei Schlecker, das Insolvenz- und Unternehmensrecht zu überarbeiten, forderte Nutzenberger. Das geltende Insolvenzrecht sei nicht auf die arbeitenden Menschen, sondern auf Geld ausgerichtet und in der Struktur völlig unpassend für filialisierte Unternehmensstrukturen wie im Einzelhandel. „Es ist etwas anderes, ob an einem Ort eine Fabrik schließt oder ob Arbeitsplätze an Tausenden von Standorten verloren gehen“, so die Gewerkschafterin. Völlig absurd sei es, dass ein Unternehmen von der Größe Schleckers in der Rechtsform des „eingetragenen Kaufmanns“ geführt werden dürfe und dieser dabei eingeschränkten Bilanzierungs- und Transparenzvorschriften unterliege. „Hier müssen die gesetzlichen Grundlagen zügig geändert werden.“