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    Heißer Herbst im Einzelhandel

    Heute Streiks in mehreren Bundesländern

    Heute wird wieder in vielen Bundesländern gestreikt, denn noch immer rücken die Arbeitgeber nicht von ihrer starren Haltung ab. Die Beschäftigten wehren sich, sie wollen mehr Lohn und ihren Manteltarifvertrag zurück.

    Nordrhein-Westfalen, Köln: Nachdem die nordrhein-westfälischen Einzelhandels-Arbeitgeber im September die fünfte Verhandlungsrunde haben platzen lassen, ruft ver.di die Einzelhandelsbeschäftigten am heutigen Freitag, 4. Oktober, zu einem landesweiten Streik auf. Auf die ungeheuerliche Provokation der Arbeitgeber, könne es nur eine Antwort geben: Mehr Druck aus den Betrieben, sagte ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer. Die Beschäftigten fordern die Arbeitgeber auf, den Manteltarifvertrag wieder in Kraft zu setzen und ein verhandlungsfähiges Tarifangebot vorzulegen. Landesweit werden sich rund 1.300 Beschäftigte aus 60 Betrieben an den Streiks beteiligen. In Köln beginnt um 12 Uhr auf dem Neumarkt eine zentrale Streikkundgebung, zu der die Streikenden anreisen werden. Gegen 13 Uhr startet ein Demonstrationszug durch die Kölner Innenstadt mit einem „Besuch“ der Zentrale des Kaufhofkonzerns.

    Hessen: Die Beschäftigten von Hennes & Mauritz im Hessencenter Frankfurt legen heute ebenfalls ganztägig die Arbeit nieder. Sie unterstreichen damit erneut, dass sie keinesfalls einverstanden sind mit der Haltung der Arbeitgeber, Spätöffnungs- und Nacharbeitszuschläge zu streichen, und mit einer Niedriglohngruppe von 8,20 Euro abgespeist zu werden. ver.di fordert weiterhin die uneingeschränkte Erhaltung des Manteltarifvertrages, sowie eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 1 Euro pro Stunde und für die Auszubildenden 50 Cent in der Stunde.

    Südhessen, Darmstadt: In fünf südhessischen Einzelhandelsfilialen wird heute ebenfalls gestreikt, so hat ver.di zum eintägigen Warnstreik aufgerufen bei H&M in Darmstadt und Weiterstadt im Loop5, bei Karstadt in Viernheim sowie Real in Raunheim und Rüsselsheim. Wie schon in den vergangenen Monaten werden gezielt die umsatzträchtigen Wochentage für Streiks ausgewählt. Sollten sich die hessischen Einzelhändler auch weiterhin an die Vorgaben des bundesweiten Arbeitgeberverbandes halten und am Ziel einer tiefgreifenden sowie nachhaltigen Verschlechterung von Entgelten und Arbeitsbedingungen festhalten, dann könnte das Weihnachtsgeschäft für sie zu einer echten Herausforderung werden.

    Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen: Am heutigen Freitag wird in Dresden bei netto, H&M, IKEA, Esprit und Kaufland gestreikt. In Südthüringen setzen Marktkauf Sonneberg, Kaufland Hildburghausen und Kaufland Ilmenau und in Erfurt H&M, IKEA und die OBI-Märkte in Erfurt und Sömmerda die Streiks fort. In Gera treffen sich die Streikenden nach Aktionen vor den jeweiligen Betrieben auf dem Höhlerfest. In Gera ist es inzwischen der 24. Streiktag. In Magdeburg hatten sich am 2. Oktober bereits 100 Verkäuferinnen zur Streikkundgebung getroffen, in Südthüringen streikten 100 Beschäftigte, in Leipzig 70 und in Erfurt 50. So werde es weitergehen, Ruhe werde es erst geben, wenn eine Erhöhung der Gehälter und Löhne vereinbart ist und die Tarifverträge wieder unterschrieben sind, sagte ver.di-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago. Am 11. Oktober werden die Verhandlungen in Dresden fortgesetzt.

    Bayern: Nachdem der Arbeitgeberverband Bayern nach fünfmonatigem Tarifkampf in der vierten Tarifverhandlung im September bestätigt hat, dass es ihm nur um Kosteneinsparung auf Rücken der Beschäftigten geht, werden die Streiks im bayerischen Einzelhandel fortgesetzt. Zum Streik aufgerufen sind in Nürnberg die Beschäftigten von Marktkauf Mögeldorf, am Plärrer und Wilhelmshavener Straße, in Unterfranken die Beschäftigten von H&M, und in Augsburg setzen die Beschäftigten von H&M am Willi-Brandt-Platz und Moritzplatz ihren seit Streik fort.

    Niedersachsen, Hannover: In Hannover sind heute ausgewählte Filialen von H&M und New Yorker aus dem laufenden Geschäftsbetrieb zum Streik aufgerufen worden, nachdem die Streiks schon letzte Woche im Einzelhandel ausgedehnt worden waren. Die Brückentage nach dem Tag der Deutschen Einheit gelten im Einzelhandel als die Umsatzstärksten des Herbstes. „Unsere Streiks müssen richtig weh tun!“, sagte ver.di-Streikleiterin Juliane Fuchs. Deshalb würde zukünftig gezielt an Tagen mit besonders hohen Kundenfrequenzen gestreikt und zunehmend auch überraschend nach Ladenöffnung. Die Tarifverhandlungen im niedersächsischen Einzelhandel sind seitens des Handelsverbandes im Juni abgebrochen worden. Einen neuen Verhandlungstermin gibt es nicht.