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    „Korrekte Atzen für korrekte Bezahlung!“

    In der dritten Verhandlungsrunde muss was bei rumkommen

    von Claudia von Zglinicki

    Potsdam, 16. März 2015 Die ver.di Jugend ist unüberhörbar an diesem Vormittag vor dem Verhandlungshotel in Potsdam, unübersehbar auch. Hinter dem breiten Banner mit der klaren Ansage „Ohne uns seht Ihr alt aus!“ haben sich viele junge Leute versammelt, einer unter ihnen steckt im Superman-Kostüm, ein Held des Berufsalltags wie alle anderen. Und auch Jenny Plonske sagt, das hätte sie sich nicht nehmen lassen. Zu wichtig ist es der 25-Jährigen, die am Bezirksamt Berlin-Mitte zur Gärtnerin ausgebildet wird, hier ihre Meinung lauthals kund zu tun. Worum es ihr geht? „Um die Übernahme! Ich bin alleinerziehend, und ich brauche den Job, unbefristet, nicht nur für ein Jahr, was das Bezirksamt vielleicht vorhat.“ Im Sommer schließt Jenny ihre Ausbildung ab, ihre Tochter ist viereinhalb. Gut ausgebildet und dann ziemlich bald erwerbslos zu sein, das ist für die junge Mutter keine Option.

    Azubis und andere Aktive der ver.di-Jugend vor Verhandlungsbeginn am 16. März in Potsdam Foto: ver.di Sie sind viele und sie sind laut: ver.di-Jugendliche vor dem Verhandlungsbeginn in Potsdam


    Es ist heute die dritte Verhandlungsrunde für die rund 800.000 Länderbeschäftigten. Mehr als 450 Gewerkschafter/innen sind nach Potsdam gekommen, um zu zeigen, dass sie Druck machen wollen – und dass sie jetzt endlich ein ordentliches Angebot der Arbeitgeber erwarten. Keine Verschlechterung der Altersvorsorge, 5,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 175 Euro pro Monat, die Verbesserung der Situation der Auszubildenden, ihre unbefristete Übernahme nach erfolgreicher Abschlussprüfung. Auch für Matthias Franke ist das am wichtigsten, neben der besseren Bezahlung, wie er sagt. Auf dem Transparent des 22-Jährigen steht: „Korrekte Atzen für korrekte Bezahlung!“ Matthias Franke erwartet einen guten Abschluss in dieser Verhandlung, heute oder morgen. „Und wenn das nicht möglich ist, streiken wir weiter“, da ist er sich sicher, ebenso wie Jenny und die anderen, die hier stehen.

    Als der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirkse in Potsdam eintrifft, wendet er sich zuerst an die jungen Leute. „Es ist gut, euch so lautstark zu hören“, sagt er. „Das ist ein wichtiges Signal in einer Situation, in der die Verhandlungen festgefahren sind! Aber wir wollen einen Durchbruch, sonst werden sich die Dinge weiter zuspitzen.“ Beifall brandet auf. Jemand ruft: „Sonst kommen wir wieder!“ Die ver.di-Jugendlichen skandieren ihre Forderung: „Wir wollen ein Angebot, wir wollen ein Angebot!“ Das hört auch der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft der Länder, der gerade ankommt. Und nichts sagt.