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    Bürger/innen-Info

    Bürger/innen-Info

    Auf unsere Leistungen sind wir, die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen, stolz. Allerorts leisten wir Arbeit im Dienst der öffentlichen Daseinsvorsorge – für uns alle, auch für Sie, eine notwendige Lebensgrundlage. Doch unsere Arbeitsbedingungen werden immer schlechter. Das hat auch Folgen für Sie, die Bürger, denn gute Arbeit braucht gute Arbeitsbedingungen. In der laufenden Tarifrunde für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben die Arbeitgeber bisher kein Angebot vorgelegt, das uns wertschätzt, dafür, dass wir das Land am Laufen halten.

    Die Antwort kommt aus den Betrieben: Warnstreiks. Dadurch kann es für Sie in den nächsten Wochen möglicherweise zu Einschränkungen kommen. Das bedauern wir, aber weil in der Tarifpolitik die Durchsetzungsfähigkeit entscheidet, sind wir bereit, die Mittel des Arbeitskampfes zu nutzen, wenn es ansonsten nicht möglich ist, zu einem akzeptablen Kompromiss zu finden.

    Sammlung von Trillerpfeifen Foto: DPA Bildfunk Streik


    Still stehen werden die Räder während des Streiks unter anderem beim öffentlichen Nahverkehr, bei Kultureinrichtungen, in Bädern und Bibliotheken, in Kindertageseinrichtungen, sozialen Diensten, Krankenhäusern, der Müllabfuhr, auf Flughäfen, bei Feuerwehren, in Stadtwerken oder auch bei Arbeitsagenturen und Jobcentern.

    Unsere Position wird mit Argumenten kritisiert, zu denen wir Stellung nehmen wollen:

    Die Kassen der Gemeinden sind leer, heißt es. Wir sollen Verantwortung zeigen, heißt es.

    Wussten Sie, dass den Kommunen durch die Steuergeschenke an Wenige pro Jahr mehr als 8 Milliarden Euro an Einnahmen entgehen? Wussten Sie, dass die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik immer mehr Menschen in Not bringt und zu Aufstockern macht? Wussten Sie, dass die Kommunen im Jahre 2011 über 10 Milliarden Euro mehr eingenommen haben als 2010?

    Wir wissen, dass wir unseren Beitrag geleistet haben und ihn täglich leisten. Wir haben auch unseren Familien und kommenden Generationen gegenüber Verantwortung. Darum fordern wir, die ver.di-Mitglieder im öffentlichen Dienst, 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro monatlich.

    Die Finanzprobleme der Kommunen müssen politisch gelöst werden. Die Ausgaben können nicht weiter gekürzt werden, sonst verschlechtert sich die Lebensqualität für uns alle. Es müssen die Einnahmen verbessert werden.

    Unsere Arbeitsplätze sind sicher, heißt es.

    Wussten Sie, dass in den letzten 15 Jahren fast jede dritte Stelle im öffentlichen Dienst gestrichen wurde? Wussten Sie, dass im gleichen Zeitraum die Anzahl der Teilzeitstellen von etwa 1 Million auf nun circa 1,5 Millionen gestiegen ist? Und wussten Sie, dass heute schon etwa 100.000 von uns mittlerweile nur befristet beschäftigt sind? Davon sind zwei drittel Frauen!

    Wir sind uns dessen bewusst, denn die Ergebnisse dieser Entwicklung spüren wir Tag für Tag. Arbeitsplatzsicherheit sieht anders aus.

    Luftballons mit ver.di drauf Foto: DPA Bildfunk Luftballons


    Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst verdienen gut – heißt es.

    Wussten Sie, dass die Arbeitnehmer der Gemeinden im vergangenen Jahr offiziell einen durchschnittlichen Bruttoverdienst von 2.350 Euro hatten? Und wussten Sie, dass vielerorts schon bis zu 1.000 Euro monatlich zusätzlich zum Tariflohn gezahlt werden (müssen), um zum Beispiel Ingenieure oder IT-Spezialisten für eine Tätigkeit bei einer Kommune gewinnen zu können?

    Wir wissen, dass in vielen Arbeitsbereichen der Fachkräftemangel längst Realität ist. Darum muss auch die Attraktivität des öffentlichen Dienstes gehoben werden.

    Der von uns geforderte Mindestbetrag sei unsozial – heißt es. Dadurch würden die unteren Löhne stärker angehoben und damit weitere Privatisierungen begünstigt, heißt es.

    Wir wissen, dass unsere Einkommenserhöhungen in den letzten Jahren kaum die Inflationsrate erreicht haben und wir deshalb real Einkommensverluste haben.

    Es ist unser Ziel, die niedrigen Entgelte stärker anzuheben, denn gerade für unsere Kollegen und Kolleginnen dort haben die Reallohnverluste die gravierendsten Auswirkungen. Immer mehr von ihnen müssen Nebenjobs annehmen oder brauchen ergänzende Sozialhilfe.

    Die jetzt zum Teil schon angedrohten Privatisierungen müssen durch Parlamente entschieden werden. Angesichts vieler Erfahrungen, dass Privatisierungen steigende Preise und/oder schlechtere Leistungen folgen, müssen dann demokratisch Entscheidungen gefunden werden. Dort werden wir uns einmischen.

    Die Frage des Lohns ist eine soziale Frage!

    Parallel dazu fordert ver.di vom Gesetzgeber die Regelung eines Mindestlohns, damit auch Beschäftigte in anderen Branchen mit ihren Einkommen ein würdiges Leben begründen können.

    Aus all diesen Gründen bitten wir um Ihr Verständnis für unsere Aktionen und um ihre Unterstützung. Vielen Dank.