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    Margret Mönig-Raane - "We love you!"

    Zum Abschied der stellvertretenden Vorsitzenden:

    Margret Mönig-Raane - "We love you!"

    Margret Mönig-Raane Foto: Kay Herschelmann Von Monika Brandl geherzt und von Frank Bsirske beklatscht: Margret Mönig-Raane, die aus Altersgründen nicht erneut als stellvertretende ver.di-Vorsitzende kandidierte

    Als Philip J. Jennings, der Generalsekretär des internationalen Dachverbands der Dienstleistungs-gewerkschaften UNI Global, ins Mikrofon rief: „Margret, ein Skandal: We love you!“, gab es beigeisterten Beifall im Saal. „Unser Abschiedsgeschenk für Dich“, übertönte Jennings den anhaltenden Applaus, „ist eine 40-Prozent-Frauenquote in UNI.“ Und für diese Quote hat Margret Mönig-Raane über Jahre gestritten. 

    Auf dem 3. Bundeskongress der  Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vom 17. bis 24. September in Leipzig hat Margret Mönig-Raane, 63, aus Altersgründen nicht erneut für den ver.di-Bundesvorstand und das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden kandidiert. Am Mittwoch, auf der Mitte des Kongresses, wurde Margret Mönig-Raane feierlich verabschiedet – unter stehenden Ovationen der rund 1000 Delegierten.

    Im zehnten Jahr seit der Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft scheidet eine ihrer maßgeblichen Verfechterinnen aus ihren hohen Ämtern aus. Gefragt nach herausragenden Erlebnissen in ihrem langen Gewerkschaftsleben, nennt sie ohne Zögern die Gründung von ver.di. Als die Delegierten der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, deren Vorsitzende Margret Mönig-Raane seinerzeit war, dem Zusammenschluss der fünf Gründungsgewerkschaften zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft zustimmten - das „war ganz toll“, erinnert sich die Gewerkschafterin, „das war wirklich der absolute Höhepunkt“.

    Dabei hatte sie, ursprünglich gelernte Erzieherin, längst vor der ver.di-Gründung im Jahr 2001 so manches für die Gewerkschaftsbewegung zuwege gebracht – und durchaus herausragende Erlebnisse zu verzeichnen. Als im Oktober 1993 der damalige Vorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), Lorenz Schwegler, von seinem Amt zurücktrat, übernahm seine Stellvertreterin Margret Mönig-Raane die Position der amtierenden Vorsitzenden.

    Und damals, vor mittlerweile 18 Jahren, war es immer noch nicht selbstverständlich, dass eine Frau an der Spitze einer der wichtigen Gewerkschaften im Lande steht. Nicht einmal in der Gewerkschaft selbst. Man hatte mit Margret zwar eine amtierende Vorsitzende, aber bis zum nächsten Ordentlichen Gewerkschaftstag, so kündigten es seinerzeit einige Kollegen an, wolle man einen „Vorsitzenden mit Charisma“ suchen. Doch daraus wurde nichts. Die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen in der HBV stand hinter Margret Mönig-Raane und wählte sie 1995 zur Vorsitzenden, bis zur ver.di-Gründung 2001 blieb sie unangefochten im Amt.

    Wie in den vielen Jahren zuvor hat sich Margret Mönig-Raane auch als stellvertretende ver.di-Vorsitzende besonders für die Gleichberechtigung der Frauen eingesetzt – aus dem gleichen Grund, aus dem sie Gewerkschafterin geworden ist: „Weil ich Ungerechtigkeit nur schwer aushalten kann.“ Im ver.di-Bundesvorstand war sie unter anderem für die Frauenpolitik und für die Tarifpolitik zuständig - und sie war die Bundesfachbereichsleiterin des Fachbereichs Handel in ver.di. Auch eine Mammutaufgabe angesichts der vielerorts immer noch miserablen Arbeits- und Entlohnungsbedingungen nicht nur bei verschiedenen großen Discountern im Einzelhandel. Und weil im Einzelhandel mehrheitlich Frauen arbeiten, wiederum ein Kampf um mehr Gerechtigkeit für die Frauen im Land.

    Damals hatte die Mutter, eine Fabrikarbeiterin, zu ihrer Tochter Margret gesagt: „Ich kann dir keine Aussteuer bezahlen, aber eine Ausbildung bekommst du.“ Sie konnte nicht ahnen, wie sehr sich die bezahlt machen sollte – für viele, viele Frauen, für viele abhängig arbeitende Menschen und für die Gewerkschaftsbewegung weit über unser Land hinaus. Deswegen: We love you, Margret! Yes we do.

    Text: Maria Kniesburges