ver.di

    Kundgebungen und Warnstreiks an vielen Orten

    Statt Händel gibt's jetzt ver.di

    von Claudia von Zglinicki

    Berlin, 5. März 2015 – Die Warnstreikwelle rollt. Nach der zweiten Runde der Tarifverhandlungen, in der die Arbeitgeber kein Angebot zur Entgelterhöhung, zur Übernahmeregelung für die Azubis und den anderen Forderungen der Gewerkschaften vorgelegt, stattdessen aber drastische Verschlechterungen bei den Betriebsrenten gefordert haben, sind in vielen Städten Beschäftigte der Länder dem Aufruf von ver.di zu ganztägigen Warnstreiks gefolgt. Und täglich werden es mehr. 

    Kundgebung mit 700 Teilnehmenden vor dem Niedersächsischen Finanzministerium in Hannover Foto: Hollemann/dpa Kundgebung vor dem Niedersächsischen Finanzministerium am 4. März in Hannover


    Zu den ersten, die ihren Protest auf die Straße brachten, gehörten mehr als 60 Bühnentechniker und Beschäftigte aus Schneiderei, Schuhmacherei, anderen Werkstätten und dem Fuhrpark am Badischen Staatstheater in Karlsruhe. Ihr Warnstreik führte bei den vier Vorstellungen am 28. Februar zu Einschränkungen, eine musste sogar ohne Bühnenbild stattfinden. „Wenn die Arbeitgeber uns nun noch die Betriebsrente wegnehmen, dann können wir ja gleich für umsonst arbeiten“, sagte ein Streikender empört. Das Publikum reagierte unterschiedlich; verständnisvoll, aber auch verärgert. Ein Zuschauer sah es musikalisch: „Ich dachte, die spielen heute Händel, stattdessen sehen wir jetzt Verdi!“

    Bundesländer von ihrer Geisterfahrt abbringen

    In Baden-Württemberg folgten dem Aufruf zu Warnstreiks die Zentren für Psychiatrie in Reichenau und Nordbaden, die Uni Konstanz, die Hochschule Aalen und weitere Dienststellen. Am 5. März zogen in Ulm Streikende von der Universität, vom Studentenwerk und der Autobahnmeisterei Heidenheim durch die Innenstadt. In Bayern hatten Beschäftigte an Autobahn- und Straßenmeistereien und Flussmeisterstellen bereits am Montag den Warnstreik-Auftakt bestritten. Der stellvertretende Landesbezirksleiter Norbert Flach kündigte in Bayern bis zum dritten Verhandlungstermin am 16. und 17. März weitere Arbeitsniederlegungen an, „um die Bundesländer von ihrer Geisterfahrt abzubringen“. Eine angemessene Tariferhöhung zu verweigern und sie abhängig zu machen von Abstrichen in der betrieblichen Altersversorgung, das grenze nicht nur an Erpressung – es sei infam und ein zynischer Beitrag des Staates zum Aufbau der Altersarmut, sagte er.

    700 Streikende aus dem Großraum Hannover trafen sich am 4. März in der Landeshauptstadt vor dem Niedersächsischen Finanzministerium. An einer zweiten Kundgebung in Stade beteiligten sich 170 Beschäftigte. Sie kamen von Landkreisverwaltungen, Autobahn- und Straßenmeistereien, Hochschulen, Studentenwerken, den Landessozialämtern, von der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Landesamt für Statistik. 

    In Berlin waren am 3. März 2.000 Mitglieder von ver.di und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu einer lautstarken Kundgebung zusammengekommen; Grundschullehrer/innen, Horterzieherinnen, Schulhausmeister und -sekretärinnen, Beschäftigte von sozialpädagogischen Förderzentren und berufsbildenden Schulen waren dabei. „Wir sind hier, um unsere Rechte zu schützen“, sagte die 49-jährige Manuela, Erzieherin an einer Grundschule in Berlin-Kreuzberg. Und: „Es muss endlich Gehaltserhöhungen geben!“ Für die nächsten Tage sind überall in der Republik weitere Warnstreiks angekündigt.