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    Dienst am Menschen

    Sieben Tage in der Woche schwimmen gehen – auch das machen die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes möglich

    Dienst am Menschen

    Ein Provisorium: Mit einer Traglufthalle wurde aus dem 50-Meter-Becken des Solimare-Freibads in Moers ein Hallenbad. Foto: ENNI Solimare-Freibad in Moers


    Silke Wissigkeit steht am Schwimmbecken des Solimare-Traglufthallenbades in Moers. Mit ihrem roten T-Shirt ist sie gut zu erkennen als Schwimmmeisterin. Sie ist die Frau am Beckenrand, die das Geschehen im Wasser im Blick hat. „Wir hören aber auch, wenn jemand hinter uns ins Wasser springt“, sagt sie. Gucken, hören, aufmerksam sein. Ältere Menschen und kleine Kinder hat die Bäderfachangestellte besonders im Blick. Diese offizielle Berufsbezeichnung geht den meisten Badegästen nur schwer über die Lippen. Für sie ist Silke Wissigkeit die Schwimmmeisterin.

    Freundlich und aufmerksam

    Als „Dienst am Menschen“ bezeichnet sie ihre Tätigkeit. Freundlichkeit sei das oberste Gebot, sie weiß, dass das Bad vom Besuch seiner Stammkunden lebt. An Werktagen öffnet es morgens um 6 Uhr. Dann sind bereits seit einer halben Stunde zwei Bäderfachangestellte im Einsatz, schauen ob alles vorbereitet und gereinigt ist. Auch abends, nach der Schließung des Bades, geht ihr Dienst noch eine Stunde weiter.

    „Ärzte, Juristen, Handwerker, da ist alles dabei"

    Silke Wissigkeit, Bäderfachangestellte

    Mit der Öffnung des Bades kommen morgens als Erste die sogenannten Frühschwimmer. „Ärzte, Juristen, Handwerker, da ist alles dabei“, sagt Wissigkeit. Männer und Frauen, die sich morgens vor der Arbeit fit machen wollen für den Arbeitstag. Sie kommen regelmäßig und freuen sich auch über nette Gespräche mit den Beschäftigten im Hallenbad. Mittlerweile kennt man sich.

    Anschließend kommen die Schulen, nachmittags und abends Vereine, den ganzen Tag über einzelne Schwimmer/innen, am Wochenende besonders viele Familien zum Wasserspaß. Dann ist ein Teil des Beckens für Wasserspielzeug reserviert. Und alle, die kommen, erwarten freundliche Aufmerksamkeit.

    Schwimmbetrieb an sieben Tagen in der Woche Foto: ENNI Schwimmbetrieb in Moers


    Das Moerser Hallenbad ist eins der wenigen am Niederrhein, das 50-Meter-Bahnen in der Halle bietet. Die Halle selbst ist ein Provisorium. Die Stadt hat 2008 das Sportzentrum Rheinkamp mit dem letzten Hallenbad im Stadtgebiet abreißen lassen, der Grund waren Baumängel. Bis Ende dieses Jahres soll ein neues Bad in Rheinkamp fertiggestellt sein.

    So lange dient die Traglufthalle als Ersatz. Sie hat aus einem 50-Meter-Becken des Freibades eine Schwimmhalle gemacht. Umkleiden sind im benachbarten Gebäude einer seit zehn Jahren geschlossenen Saunaanlage untergebracht und durch einen Gang mit der Halle verbunden.

    Zwei Barhocker

    Auch der Arbeitsplatz von Silke Wissigkeit wirkt eher provisorisch. Für die Schwimmmeister gibt es zwei Barhocker am Beckenrad. Doch dort findet eh nur noch ein Teil ihrer Arbeit statt. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Arbeit der Reinigungskräfte zu prüfen, die Kassenabrechnung fertig zu stellen, Dienstpläne zu erstellen und für Ersatz zu sorgen, falls Kollegen mal ausfallen.

    Im Sommer arbeiten sie im benachbarten Freibad. Immer mehr Aufgaben sind in den vergangenen Jahren hinzugekommen, zum Beispiel drei Mal täglich die Wasserqualität zu prüfen. Täglich sind außerdem Techniker im Einsatz. Einer von ihnen ist Thomas Hahn. Er kontrolliert die Filter und Anlagen und repariert, was kaputt oder defekt ist. Bei größeren Reparaturen zieht er einen Dienstleister hinzu.

    Alles, was mit Wasser zu tun hat

    Doch immer mehr Arbeitsaufgaben erledigt Thomas Hahn außerhalb des Schwimmbades. Das Hallenbad gehört zu einer Tochter der ENNI-Gruppe, einem Dienstleister, der für die Stadt Moers aber auch für andere Gemeinden Dienstleistungen rund um die Bereiche Energie, Straße und Sport anbietet. Bezahlt werden die Beschäftigten jedoch weiterhin nach dem Tarifvertrag Öffentlicher Dienst.

    „Wir müssen sehen, dass wir auch weiter Arbeit haben."

    Thomas Hahn, Techniker

    Für Thomas Hahn bedeutet die Arbeit für den Dienstleister, dass er auch – mit entsprechender Zusatzqualifikation – in der benachbarten Eishalle im Einsatz ist. Darüber hinaus kümmert er sich, je nach Dienstplan, für die ENNI um alles, was mit Wasser zu tun hat, zum Beispiel im die Spülung von Hydranten. „Für mich ist das okay“, sagt er, „wir müssen sehen, dass wir auch weiter Arbeit haben.“ Denn im Provisorium gibt es für die Techniker nicht ganz so viel zu tun, und wenn das neue Schwimmbad fertig ist, wegen der Gewährleistung wohl auch nicht.

    Text: Heike Langenberg