Idee & Tradition

    Wieso treffen sich Frauen am 8. März

    Geschichte des Internationalen Frauentages

    Wieso treffen sich Frauen am 8. März

    "Unser Märzentag". So ist der Aufruf überschrieben, der 1911 an die Frauen appellierte, sich aktiv am ersten Frauentag zu beteiligen. Der Aufruf ging von der SPD und den freien Gewerkschaften aus: "Die sozialistischen Frauen aller Länder fühlen sich mit euch solidarisch. Der 19. März muß euer Ehrentag sein." Dieses Datum wurde gewählt, um an Ereignisse während der Revolution von 1848 in Berlin zu erinnern. Später sollte es der 8. März werden.

    Plakatmotiv Frauentag 1914 Foto: ÖTV-Magazin 1986, Nachdruck Plakat zum Frauentag 1914

    Die Anregungen für den Frauentag gehen auf Frauendemonstrationen in den USA seit 1858 zurück. Die Amerikanerinnen begingen bereits am 20. Februar 1909 einen nationalen Frauentag. Initiiert durch die deutsche Sozialistin Clara Zetkin, fand der erste Internationale Frauentag am 19. März 1911 in Deutschland, Dänemark, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Millionen von Frauen beteiligten sich. Zentrale Forderungen waren zum Beispiel das Wahl- und Stimmrecht, die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstages, ausreichender Mutter- und Kinderschutz, die Festsetzung von Mindestlöhnen und gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung. 1912 schließen sich die Frauen in Frankreich, den Niederlanden und Schweden an, 1913 auch die russischen Frauen.

    Das Frauenwahlrecht steht bis 1918 im Mittelpunkt und kann im November von aktiven Frauen in Deutschland erstritten werden. Erst im Jahr 1921 wurde bei einer großen sozialistischen Frauenkonferenz als festes Datum der 8. März festgelegt. Damit sollte an den Textilarbeiterinnen-Streik in Petersburg erinnert werden, der auf andere Sektoren übergriff und eine große Demonstration auslöste. Die Kämpfe fanden am 8. März 1917 - nach altem russischen Kalender am 23. Februar - statt und waren der Beginn der "Februarrevolution" in Russland.

    In den "Zwischenkriegsjahren" waren die zentralen Themen am 8. März zum einen der legale Schwangerschaftsabbruch sowie der Schwangeren- und Mutterschutz. Es enstand eine Massenbewegung, denn die europaweite Wirtschaftskrise zwang jährlich über eine Million Frauen, abzutreiben; rund 44 000 Frauen starben in Deutschland 1931 an den Folgen der illegalen Abtreibungen. Andere wichtige Frauenthemen dieser Zeit hingen mit der Existenzsicherung zusammen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnkürzung, Senkung der Lebensmittelpreise und Schulspeisung. Forderungen, die uns auch heute nicht unbekannt sind.

    Plakatmotiv SPD-Frauenkampagne Foto: FES, Archiv Frauenkampagne der SPD 1930

    Während der faschistischen Diktatur der Nationalsozialisten unter Hitler wurden bereits im Frühjahr 1933 alle Frauenorganisationen und ihre Presseorgane verboten oder gleichgeschaltet. Als der Reichstag am 27. Februar in Flammen steht, nehmen die Nazis die ungeklärte Brandstiftung als Vorwand, um einen Terrorzug gegen alle antifaschistischen Gruppierungen zu beginnen - so auch gegen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Der Frauentag kann nicht mehr durchgeführt werden und der Muttertag wird zum offiziellen Feiertag - die Frau wird auf ihre Gebärfunktion ihre Rolle als Ehefrau und Mutter reduziert. In der Illegalität begehen viele Frauen trotzdem den 8. März, oft getarnt als Familienfeier. Der Internationale Frauentag wird für die Antifaschistische Bewegung zum Kampftag gegen die Nazidiktatur und für den Frieden.

    "In den meisten Arbeiterfamilien vermochte sich der Muttertag auch nach 1933 nicht durchzusetzen, erst recht nicht der ihn durchdringende faschistische Geist.

    Die Idee des 8. März hingegen bliebt unter diesen lebendig, auch wenn der Frauentag nur illegal im vertrauten Kreis gepflegt werden konnte und es nicht mehr möglich war, dafür auf offener Straße zu demonstrieren oder Frauentagsveranstaltungen durchzuführen. Immer wieder mussten die faschistischen Behörden feststellen, dass illegale Flugblätter verteilt oder - wie zum Beispiel 1936 und 1937 auf Berliner S-Bahn-Stationen - Flugzettel an Mauern geklebt wurden, die an den Internationalen Frauentag erinnerten und zum Kampf gegen die Nazis aufforderten." (Siegfried Scholze: Der Internationale Frauentag einst und heute, trafo Verlag, 2001)

    Frauentag 1991 ver.di-Archiv Frauentag 1991

    Nach dem zweiten Weltkrieg fand bereits 1946 in der sowjetischen Besatzungszone der Frauentag wieder statt. Offiziell gefeiert wurde die gesellschaftliche Befreiung der Frau. In Westdeutschland wurde der Frauentag erst in den späten 60er Jahren von der neuen autonomen Frauenbewegung wieder belebt.

    Der 8. März wurde zur Plattform für Themen wie die Rechte von Ausländerinnen, Respekt vor nichtheterosexuellen Lebensweisen und die bessere Sicherung der Frauenrechte in der europäischen Annäherung. Ein Höhepunkt der Bewegung war 1994 der FrauenStreikTag, bei dem sich mehr als eine Million Frauen bundesweit gegen Diskriminierung engagierten.

    Text: Daniela Suttner, 2003