Nebenbei - die tägliche Kolumne

    Von Quoten und Bändchen

    Bunt oder gedeckt?

    Meist wird es ja heutzutage schnöde ID-Band genannt. Ganz so, als handele es sich quasi analog zur Fußfessel um so etwas wie eine Handfessel. Dabei soll es doch Türen öffnen, Türen öffnen zu Erbauung und Vergnügen. Genau das soll es, das Einlassbändchen.

    So auch auf dem ver.di-Bundeskongress in Leipzig. Hier sind die Einlassbändchen fröhlich bunt und natürlich mit dem Kongressmotto bedruckt: „Stärke. Vielfalt. Zukunft“.

    Dieses Bändchen wird den tausend Delegierten und allen, die sonst noch am Gelingen des Kongresses mitwirken, am Mittwochabend die Türen öffnen zur gemeinsamen „Abendveranstaltung“, also zur großen Feier mit Essen, Trinken, Kulturprogramm und was nicht sonst noch alles.

    Bunt wird es wohl sicher wieder zugehen – bunt wie das Einlassbändchen halt. Und auch dies ist sicher: Das Fest wird ordnungsgemäß quotiert sein. Womöglich werden sogar mehr Frauen als Männer dort feiern. Denn ver.di ist ja bekanntlich die weiblichste Gewerkschaft weithin.

    Allerdings kann es mit der Quotierung auch bei ver.di mal gründlich schiefgehen, sogar auf dem Bundeskongress. Direkt vor dem gemeinsamen Fest gab es dort den traditionellen „Parteien Talk“. CDU, SPD, Linke und Grüne hatten ihre Vertreter zur Diskussion nach Leipzig geschickt. Jawohl Vertreter, ohne -innen. Alle in gedeckten Anzügen, versteht sich.

    Und auch der Moderator, dieser allerdings von ver.di selbst aufs Podium entsandt, fügte sich harmonisch ins seltene Bild. Selten jedenfalls bei ver.di, sehr selten. Ach, hätte man ihnen doch wenigstens ein buntes Bändchen umgehängt.  

    Maria Kniesburges