Nebenbei - die tägliche Kolumne

    Der Lackmustest

    Ausflug in die Chemie

    Wie verfärbt sich der Mindestlohn, wenn man ihn verwässert? Ein Lackmustest brächte es an den Tag – ein „Lackmustest für soziale Gerechtigkeit“, wie der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske ihn nennt in seinem mündlichen Rechenschaftsbericht auf dem ver.di-Bundeskongress.

    Doch Lackmus – was ist das überhaupt? Was will der Gewerkschafter uns damit sagen? Ist das rot, ist das blau? Säure oder Lauge? Also ist’s nun eben zu erklären: Lackmus kommt von „Leg“, indogermanisch für „tröpfeln“ – und „Mus“, das heißt „Brei“. Denn Lackmus wurde ursprünglich gewonnen, indem man einen Brei aus Flechten und Wasser abtropfen ließ.

    Und so war es auch mit dem gewerkschaftlichen Einsatz für den gesetzlichen Mindestlohn: Steter Tropfen höhlte den Stein des Widerstands. Lackmustest also bestanden, sofern das überhaupt geht. Hier stimmt nun der pH-Wert und auch die Chemie zwischen Führung und Basis bei ver.di - auch wenn nicht alle im Saal den naturwissenschaftlichen Hintergrund dieser Frage durchschauten.

    Aber den „Quantensprung“ halten viele ja auch für gigantisch, obwohl das Quant nun wirklich nicht sehr hoch springen kann.

    Hermann Schmid