Rente & Soziales

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    160.000 Rentner werden steuerpflichtig

    Die Rentnerinnen und Rentner in Deutschland können in diesem Jahr die höchste Rentenerhöhung seit 23 Jahren erwarten. 54 Euro mehr bekommt der Durchschnittsrentner. Doch manch einer muss nun auch erstmals Steuern abführen.

    Die Rentenerhöhung zum 1. Juli 2016 kann dazu führen, dass man auch erstmals Steuern auf die Rente zahlen muss. Foto: Hildenbrand/dpa Rentenerhöhung zum 1. Juli 2016 – schlägt jetzt das Finanzamt zu?


    In den alten Bundesländern werden die Renten um 4,25 Prozent und in den neuen Bundesländern um 5,95 Prozent erhöht. Durch die Erhöhung werden nach Aussagen der Bundesregierung rund 160.000 Rentner/innen im Jahr 2016 erstmals steuerpflichtig. „Wie viel Steuern und ob überhaupt Steuern zu zahlen sind, hängt jedoch sehr stark von der individuellen Situation ab“, sagt Edmund Lennartz vom ver.di-Lohnsteuerservice.

    Mit dem „Alterseinkünftegesetz“ hat die Bundesregierung 2005 die sogenannte nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Wer vor dem Jahr 2005 in Rente gegangen ist, hat dauerhaft einen einmalig ermittelten Freibetrag von 50 Prozent. Bei Renteneinstieg bis zum Jahr 2040 wird der steuerpflichtige Anteil der Rente von 50 Prozent schrittweise auf 100 Prozent steigen, sodass dann die gesamte Rente steuerpflichtig sein wird. Bei einem Rentenbeginn im Jahr 2016 beträgt der steuerpflichtige Anteil jetzt schon 72 Prozent. Die restlichen 28 Prozent bleiben steuerfrei. Dieser Freibetrag steigt bei künftigen Rentenerhöhungen dann nicht mit.

    Beispiel Rentenbeginn Juni 2016

    Bei einer Altersrente von monatlich 1.300 Euro beträgt das Jahreseinkommen 15.600 Euro. Der steuerpflichtige Anteil für Rentenneuzugänge in 2016 beträgt 72 Prozent, das sind 11.232 Euro. Der persönliche Freibetrag beträgt in diesem Fall 28 Prozent, das macht 4.368 Euro. Dieser einmal ermittelte Freibetrag in Höhe von 4.368 Euro bleibt immer gleich, auch wenn die Rente angehoben wird. Das bedeutet, künftige Rentenerhöhungen werden immer voll zum jeweiligen Steuersatz besteuert.

    Natürlich haben Rentner/innen wie alle anderen Steuerpflichtigen auch die Möglichkeit, ihre Steuerschuld zu verringern oder auf null zu drücken. Von den steuerpflichtigen Einkünften können z.B. Pauschbeträge für Behinderte, Pflegeaufwendungen, gezahlte Spenden, haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen usw. abgesetzt werden. Wenn nach Abzug dieser Beträge, sowie der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, das zu versteuernde Einkommen über dem Grundfreibetrag von 8.652 Euro liegt, sind Steuern zu zahlen.

    Der Fiskus freut sich

    Insgesamt 4,4 Millionen Ruheständler/innen werden 2017 vom Fiskus zur Einkommensteuer herangezogen, also jeder fünfte der rund 20 Millionen Rentner/innen. Nach Einschätzung der Bundesreigerung führt die Rentenerhöhung zu Mehreinnahmen für den Fiskus von knapp 1,5 Milliarden Euro in zwei Jahren. Im Jahr 2017 entstehen infolge der Anhebung Mehreinnahmen von schätzungsweise 720 Millionen Euro und 2018 von rund 730 Millionen Euro.

    Seit dem Jahr 2008 erhält jeder Bürger eine Steuer-Identifikationsnummer. Auch Rentner/innen sind vom Gesetzgeber verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Das Finanzamt bekommt durch einen Datenabgleich mit Rentenversicherungsträgern, Versicherungen und Banken Kenntnis von allen gesetzlichen und betrieblichen Renten.

    ver.di-Lohnsteuerservice hilft!

    Wer als Rentner im Jahr 2016 Einkommen von mehr als 16.000 Euro hat (Verheiratete 32.000 Euro), sollte vom ver.di-Lohnsteuerservice prüfen lassen, ob er eine Steuererklärung abgeben sollte, um nicht Gefahr zu laufen, Steuerhinterziehung zu begehen, rät Edmund Lennartz. Sollte sich herausstellen, dass aufgrund der Rentenhöhe auch in Zukunft die Abgabe einer Steuererklärung nicht erforderlich ist, kann eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragt werden.

    Was bleibt künftig netto?

    Der persönliche Blick in die regelmäßige Renteninformation offenbart zwar die zu erwartende Rentenhöhe, doch davon gehen noch die Kranken- und Pflegeversicherung und evtl. eine Steuerzahlung runter. Wer jetzt schon mal grob überschlagen möchte, welche Rente für ihn später in ein paar Jahren mal netto übrig bleiben wird, kann dies mit Hilfe von verschiedenen Rentenrechnern tun, im Internet finden sich verschiedene unter dem Suchwort „Rentenrechner“.

    Die ver.di-Lohnsteuerbeauftragten helfen bei allen Steuerfragen rund um die Rente und Einkommensteuererklärung. Ansprechpartner für den kostenlosen Mitgliederservice gibt es in jedem ver.di-Bezirk und im Mitgliedernetz.

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