Recht & Datenschutz

    Krawatte ab, Arbeitsplatz weg

    Narren bei der Arbeit

    Berlin, 11. November 2016 | Die fünfte Jahreszeit, die Zeit der Narren, hat wieder begonnen. Und das ist nicht immer nur lustig. Es ist zwar ein traditioneller Brauch in den närrischen Hochburgen, dass an Weiberfastnacht den männlichen Kollegen die Krawatte abgeschnitten wird. Und wer in diesen Regionen lebt und arbeitet, kennt diesen Brauch und stellt sich darauf ein. Aber streng genommen muss man sich diesen Übergriff nicht gefallen lassen. Das Abschneiden der Krawatte stellt eine Sachbeschädigung dar, gegen die der Angegriffene Notwehr einsetzen kann, sogar mit körperlicher Gewalt.

    So hat das karnevalsferne Amtsgericht Essen schon 1988 einem Arbeitnehmer einen Anspruch auf Schadensersatz wegen des ungewollten Abschneidens der Krawatte zugesprochen (AG Essen vom 3. Februar 1988 – 20 C 691/87 –, NJW 1989, 399).

    Fasching – so ein Schnitt kann ein böses Ende nehmen Foto: Fredrik von Erichsen/dpa Fasching – so ein Schnitt kann ein böses Ende nehmen


    Mit Schlägen und Tritten

    Doch so ein Vorfall kann auch ganz anders ausgehen. In einem Rechtsstreit vor dem Düsseldorfer Landesarbeitsgericht aus dem vergangenen Jahr ging es um die fristlose Kündigung eines Beschäftigten, der sich mit Schlägen und Tritten dagegen gewehrt hatte, dass ihm zwei Kolleginnen die Krawatte abschneiden. Und auch gegen die Kündigung wehrte er sich und klagte.

    Der Kläger war seit dem Jahr 1987 bei dem Beklagten – seinem Arbeitgeber – als Einkaufssachbearbeiter tätig. Zudem war er schwerbehindert. An Weiberfastnacht 2015 nahm der Kläger auf dem Betriebsgelände seines Arbeitgebers an einer Karnevalsfeier teil.
    Im Laufe des Festes versuchten zwei Mitarbeiterinnen mehrfach, dem Kläger die Krawatte abzuschneiden, was dieser ablehnte. 

    Später kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Kläger und einem anderen Mitarbeiter, bei dem dieser an der Stirn verletzt wurde. Die Firma kündigte daraufhin das Arbeitsverhältnis nach Zustimmung des Integrationsamtes und Anhörung des Betriebsrates fristlos. Nach Darstellung des Arbeitgebers hat der Kläger den anderen Mitarbeiter in den Unterleib getreten und ihn ins Gesicht geschlagen. Er habe ihm den Inhalt eines Bierglases ins Gesicht geschüttet und ihm dann das leere Glas ins Gesicht gestoßen. Das Bierglas sei zersplittert. Ein Notarzt habe mehrere Glassplitter aus der Stirn entfernt. 

    Kläger kann sich nicht genau erinnern

    Aus Sicht des Klägers ging die Eskalation von seinen Kollegen aus. Von den Mitarbeiterinnen, die ihm die Krawatte abschneiden wollten, und dem anderen Mitarbeiter sei er mehrfach beleidigt worden. Er habe den Kollegen zunächst von sich weggestoßen und dann nach ihm getreten, ohne ihn zu berühren. Er habe befürchtet, der Mitarbeiter werde ihn angreifen. Danach habe er keine genaue Erinnerung mehr. Er habe aufgrund einer krankheitsbedingten Angststörung reagiert, weil er sich bedroht gefühlt habe. Er sei zum angeblichen Tatzeitpunkt deshalb schuldunfähig gewesen.

    Die Ausführungen überzeugten das Gericht nicht. Wie bereits das Arbeitsgericht zuvor hielt es die Kündigung für wirksam und wies die Berufung des Klägers zurück. Dem war eine Beweisaufnahme vorausgegangen, in der ein Video in Augenschein genommen und die beteiligten Zeugen vernommen wurden.

    Wer also eine Karnevalsfeier besucht, sollte auf närrische Übergriffe gefasst sein und sich entsprechend verhalten. Wer nicht möchte, dass ihm die Krawatte abgeschnitten wird, trägt bei derartigen Gelegenheit am besten keine oder nur eine, auf die er gut verzichten kann. Das vermeidet spätere Rechtsstreitigkeiten.

    Till Bender, DGB-Rechtsschutz

    Wer zuletzt lacht... Foto: Federico Gambarini/dpa Wer zuletzt lacht...

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