Recht & Datenschutz

    BigBrotherAward 2018

    Überwachungs-Oscars verliehen

    Berlin, 20. April 2018 | Was 2013 noch wie eine böse Vorahnung klang, als Dave Eggers’ Roman „The Circle“ erschien, ist längst Realität. Mit dem BigBrotherAward 2018 in der Kategorie Arbeitswelt wurde am 20. April 2018 das deutsche Unternehmen Soma Analytics UG ausgezeichnet. Der Name des Unternehmens sagt es schon: Es analysiert Körperdaten. Allerdings nicht individuell für eine Person, die mehr über sich und ihren Gesundheitsstatus erfahren möchte, sondern für andere Unternehmen, die wissen möchten, wie fit und gesund ihre Mitarbeiter/innen sind. Ist es in „The Circle“ ein Armband, dass sämtliche Körperfunktionen der Circle-Beschäftigten sammelt und speichert, bietet Soma Analytics die App Keela fürs Smartphone an, die die Unternehmen ihren Beschäftigten sozusagen verordnen. Und mittels der dann jede Menge Gesundheitsdaten gesammelt werden, etwa anhand des Tippverhaltens auf der Computertastatur, der Handynutzung bis hin zum Schlaf.

    „Derartiges möglich zu machen, ist ohne Einschränkung auszeichnungswürdig.“

    Aus der Laudatio für Soma Analytics

    In der Laudatio zur Preisverleihung heißt es: „Dass dieses Angebot Arbeitgeber begeistert und auf neue Ideen bringt, zeigen erste Erfahrungen aus Großbritannien, wo Kelaa in einer großen Anwaltskanzlei mit über tausend Mitarbeitern eingesetzt wird. Dort hat der für die Nutzung der Kelaa-App zuständige Mitarbeiter festgestellt: „Die App zeigt uns die Potentiale auf, die wir realisieren können, wenn wir mit unseren Mitarbeitern zusammen an ihrem Schlaf arbeiten“. Derartiges möglich zu machen, ist ohne Einschränkung auszeichnungswürdig.“ Und es wundert auch nicht, dass Soma Analytics umgehend gegen die Auszeichnung mit dem Überwachungs-Oscar, wie die Zeitung „Le Monde“ ihn einmal nannte, protestierte. Das Unternehmen sieht sich zu unrecht ausgezeichnet, berichtete ein Sprecher „Spiegel online“. Schließlich würde man Telefongespräche längst nicht mehr auswerten, wie von der Jury des BigBrotherAwards behauptet.

    Dürfen Unternehmen Beschäftigten-Daten tracken?

    Dennoch befindet sich der Hinweis auf diese Nutzung von Beschäftigtendaten noch immer auf der Homepage des Unternehmens. Und im Zusammenhang mit dem Thema Datenschutz und Persönlichkeitsrechten, die nicht erst durch die jüngsten Diskussionen rund um Facebook und dem Cambridge-Analytica-Skandal, bei dem Nutzerdaten im Vorfeld der Wahlen in den USA ausgewertet worden waren, immer wieder hochkommen, bleibt grundsätzlich die Frage: Darf ein Unternehmen überhaupt Daten, geschweige denn Gesundheitsparameter von Beschäftigten tracken, also abgreifen und auswerten?

    Eine Frage, die sich auch in der Verleihung des BigBrotherAwards in der Kategorie Verbraucherschutz an Amazon „für ihr neugieriges, vorlautes, neunmalkluges und geschwätziges Lauschangriffdöschen namens Alexa“, stellte. Dieses Döschen verarbeitet Sprachaufnahmen und überwacht somit sämtliche Mitglieder eines Haushalts, in dem Alexa zuhause ist. Wer alles auf diese Daten wie lange zugreifen kann, bliebe dabei aber offen, so die Begründung der Preisverleiher.

    Die Verleiher des BigBrotherAwards, eine Jury aus prominenten Bürgerrechtler/innen, wollen das weltweite Internet nicht wieder abschaffen, aber alle, die es nutzen, sollen sich vor dem Missbrauch von Daten schützen können. Das gilt für jede einzelne Person genauso wie für jedes Unternehmen, die auf Nutzerdaten und -verhalten zugreifen. Sei es um der Werbung neuer Kunden, sei es um der Gesundheit der Mitarbeiter/innen Willen.

    Die BigBrotherAwards haben schon einiges in Bewegung gebracht: So wurden durch sie scannbare Rabattkarten, Scoring, Mautkameras, Farbkopierer und Handyüberwachung als Grundrechte und Privatsphäre gefährdend erkannt. Vereine wie Digitalcourage und der Chaos Computer Club, die u.a. hinter dem Preis stehen, warnten frühzeitig vor der Gesundheitskarte, der Steuer-ID und der Vorratsdatenspeicherung.

    Alle diesjährigen Preisträger unter https://bigbrotherawards.de

    Der BigBrotherAward wartet darauf, abgeholt zu werden Foto: Matthias Hornung Der BigBrotherAward wartet darauf, abgeholt zu werden

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