Politik & Wirtschaft

    Studie warnt vor ungerechter Einkommensverteilung

    Die Ungleichheit wächst

    Es gibt „kein wissenschaftlich erwiesenes Idealmaß an Ungleichheit“, schreiben die Autoren – eine Gruppe von über 100 Ökonomen – in einer umfassenden Studie zur Einkommensverteilung in der Welt. Aber das es immer ungleicher zugeht auf der Welt, vor allem seit den 1980er Jahren mit der zunehmenden Privatisierung in öffentlichen Bereichen, das haben die Ökonomen anhand etlicher Daten herausgearbeitet.

    Haste mal einen Euro? Nur die Reichen werden immer reicher Foto: Silas Stein/dpa Haste mal einen Euro? Nur die Reichen werden immer reicher

    Versammelt haben diese Ökonomen die Wirtschaftswissenschaftler Lucas Cancel von der Paris School of Economics und Thomas Piketty, Autor des Bestsellers „Das Kapital im 21. Jahrhundert“. Die Schlagzeile der taz, die tageszeitung, bringt die Ergebnisse der Wissenschaftler auf den Punkt: „Europäischer Weg oder amerikanischer Albtraum“.

    Der Weg ist schnell beschrieben: „In den vergangenen Jahrzehnten sind die Länder reicher geworden, aber die Regierungen sind verarmt. Dadurch haben die Regierungen weniger Spielraum zur Regulierung der Wirtschaft, zur Umverteilung von Einkommen und zur Bekämpfung der wachsenden Ungleichheit“, heißt es in dem Bericht der Ökonomen. Sowohl in den reichen Industrieländern genauso wie in Schwellenländern wurden Unsummen an staatlichem Vermögen an private Unternehmen übergeben. Und so haben sich nach Berechnungen der Ökonomen seit 1980 die privaten Vermögen in den Industriestaaten auf 400 bis 700 Prozent des Nationaleinkommens verdoppelt, während die einzelnen Staaten kaum noch Vermögen besitzen, nachdem sie ihr sogenanntes Tafelsilber verhökert haben.

    In den USA beispielsweise waren die Einkommen 1980 noch ähnlich verteilt wie in Europa. Doch seither hat sich der Anteil der oberen 10 Prozent am Gesamteinkommen in der Vereinigten Staaten von Amerika verdoppelt. In Westeuropa ist er dagegen nur von 10 auf 12 Prozent gestiegen, weil vor allem in Deutschland der Staat noch umverteilt. Dennoch lässt sich auch hierzulande nachweisen, dass die unteren Einkommensgruppen immer weniger Anteil am Gesamteinkommen haben und das „Hand in Hand geht mit dem Wachstum des Niedriglohnsektors“. Und dieser Niedriglohnsektor wächst weltweit. Die Autoren warnen daher auch davor, dem amerikanischen Weg weiter zu folgen. Er „zerquetscht“ die Mittelschicht, bereits im Jahr 2050 würden demnach die obersten 0,1 Prozent mehr Besitz angehäuft haben als die gesamte Mittelschicht.

    Starke Regierungen, starke Gewerkschaften

    Aus der wachsenden Misere führen laut der Ökonomen vor allem höhere Besteuerungen der Einkommen und Erbschaften von Gutverdienern und Reichen, die wie unlängst mit der Trumpschen Steuerreform in den USA zu oft entlastet werden. Ein weltweites Finanzregister, das die Eigentümer von Vermögenswerten erfasst, soll Steuerflucht und Geldwäsche eindämmen. Zudem fordern die Wirtschaftswissenschaftler freien Zugang zu Bildung für alle Schichten, mehr betriebliche Mitbestimmung, angemessene Mindestlöhne und öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit und Umweltschutz. Das erfordert nicht nur starke Regierungen, sondern auch starke Gewerkschaften.

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