Tarifnews

    Tarifwechsel bei Lidl soll schnellstmöglich passieren

    Lidl erkennt Einzelhandelstarifvertrag für Beschäftigte in Lagergesellschaften an

    25. Juli 2017 | Das zur Unternehmensgruppe Schwarz gehörende Handelsunternehmen Lidl will künftig mit den regionalen Lagergesellschaften, die als Servicedienstleister alle Logistikvorgänge der Lidl-Filialbetriebe durchführen und bisher im Tarifvertrag „Logistik“ eingestuft waren, den Arbeitgeberverband wechseln und den für den Einzelhandel gültigen Tarifvertrag anwenden. Der Tarifwechsel soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt vollzogen werden und betrifft von den über 78.000 Beschäftigten in Deutschland rund 3.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 20 regionalen Lagerlogistikzentren, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung inzwischen selbst bekanntgegeben hat.

    Die rund 130 Lidl-Beschäftigten in Graben haben für den Einzelhandelstarifvertrag schon seit Monaten gekämpft. Umso mehr können sie sich jetzt über den Tarifwechsel und den Erfolg freuen, der von Graben ausgegangen ist. Im Februar 2017 hatte die Gewerkschaft ver.di die Geschäftsführung von Lidl in Graben aufgefordert, künftig den Einzelhandelstarifvertrag, anstatt den Logistiktarifvertrag, anzuwenden. Durch zahlreiche Aktionen und Solidaritätsstreiks ließ sich Lidl überzeugen und gab am 21. Juli den geplanten Tarifwechsel bekannt.

    „Eins ist wieder einmal deutlich geworden, nur dort, wo sich Beschäftigte in ver.di mehrheitlich organisieren, kann man solche Erfolge produzieren.“

    Hubert Thiermeyer, ver.di-Verhandlungsführer für den Einzelhandel in Bayern

    „Wir konnten durch unsere Aktionen einen großen Schritt gegen Altersarmut für unsere Kolleginnen und Kollegen herbeiführen“, sagte Thomas Gürlebeck, für den Handel zuständiger ver.di-Sekretär aus Augsburg. Durch deutlich bessere Regelungen des Einzelhandelstarifvertrags seien künftig für die Beschäftigten bis zu 30 Prozent mehr Einkommen möglich. Die Entschlossenheit der in ver.di organisierten Beschäftigten habe Lidl beeindruckt und sei das Fundament für den Erfolg. „Lidl konnte es am Schluss auch niemanden mehr vermitteln, warum für gleiche Tätigkeiten im Lidl Konzern unterschiedlich bezahlt wird,“ sagte Gürlebeck weiter.

    Der Gewerkschafter kündigte an, nachdem ver.di im Rahmen der Einzelhandelstarifrunde durch zahlreiche Aktionen und Solidaritätsstreiks auf die Forderungen der Beschäftigten aufmerksam gemacht habe, werde man nun versuchen, schnellstmöglich zusammen mit der Geschäftsleitung die Überleitung in den Einzelhandelstarif zu vereinbaren.

    Das sei ein unglaublicher Erfolg, der zusammen mit den Beschäftigten bei Lidl gelungen sei, sagte Hubert Thiermeyer, ver.di-Verhandlungsführer für den Einzelhandel in Bayern. „Die deutlich besseren Arbeitsbedingungen werden ein wichtiger Baustein gegen die drohende Altersarmut sein“, sagte er. Und weiter: „Eins ist wieder einmal deutlich geworden, nur dort, wo sich Beschäftigte in ver.di mehrheitlich organisieren, kann man solche Erfolge produzieren.“

    Erneut gibt es bei Lidl Ärger mit der Geschäftsführung um die Arbeit von Betriebsräten. Murat/dpa-Bildfunk Den Tarifvertrag für den Einzelhandel anerkannt ...  – In knapp der Hälfte der 39 deutschen Lidl-Lagerlogistikzentren war bereits nach dem besser bezahlten Einzelhandelstarifvertrag bezahlt worden – unter anderem in Eggolsheim in Franken. Die unterschiedlichen Löhne sorgten bei den Beschäftigten für Unverständnis