Nachrichten

    Auszubildende im Handel oft unzufrieden

    Vielfach lassen die Ausbildungsbedingungen im Handel zu wünschen übrig

    19. Januar 2017 | Rund 160.000 junge Menschen ergreifen eine Ausbildung im Handel. Zufrieden sind viele von ihnen nicht, denn sie fühlen sich oft als billige Vollzeitarbeitskräfte missbraucht und nicht gut ausgebildet. Dieses Ergebnis zeigt der Ausbildungsreport Handel 2015/2016, den ver.di zusammen mit dem DGB nun zum dritten Mal in Folge vorlegt. Für den Report wurden im Jahr 2015 über 4.000 Auszubildende und in 2016 knapp 2.500 Auszubildende befragt.

    Vielfach werden die Erwartungen der Auszubildenden an eine qualitativ hochwertige Berufsausbildung nicht erfüllt: So beklagten rund ein Drittel (33,8 Prozent) der Befragten 2016, dass sie regelmäßig Überstunden leisten müssen, obwohl dies für Auszubildende nur im absoluten Ausnahmefall vorkommen soll. Ebenfalls ein Drittel (33,4 Prozent) klagt über Probleme, sich nach der Ausbildung in der Freizeit zu erholen. Und für 28,5 Prozent der Auszubildenden existiert kein betrieblicher Ausbildungsplan, obwohl er gesetzlich vorgeschrieben ist.

    „Diese und andere Ergebnisse sprechen dafür, dass viele Auszubildende als billige reguläre Vollzeitarbeitskräfte eingesetzt werden …“

    Franziska Foullong, ver.di-Jugendsekretärin im Handel

    „Diese und andere Ergebnisse sprechen dafür, dass viele Auszubildende als billige reguläre Vollzeitarbeitskräfte eingesetzt werden, statt eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu erhalten. Es ist kein Wunder, dass über 30 Prozent der Befragten mit der Ausbildung nicht zufrieden sind und fast 18 Prozent nicht weiter im erlernten Beruf tätig sein wollen. Die Arbeitgeber müssen dringend umdenken, wenn sie die Branche für Nachwuchs attraktiv gestalten wollen“, sagte Franziska Foullong, ver.di-Jugendsekretärin im Handel.

    Allgemeinverbindliche Tarifverträge nötig

    Zu guten Ausbildungsbedingungen gehören betriebliche Interessenvertretungen und Tarifverträge. Doch Tarifbindung und Mitbestimmung werden im Handel immer seltener. Für die Auszubildenden bedeutet das unter anderem auch finanzielle Nachteile. „Deswegen geht es in der Tarifrunde 2017 einerseits um eine deutliche Erhöhung der Ausbildungsvergütungen. Vor allem aber brauchen wir wieder eine Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Laut Ausbildungsreport lag die durchschnittliche Ausbildungsvergütung im Handel 2016 bei knapp 724 Euro brutto monatlich. Mit einem ver.di-Tarifvertrag sind es hingegen 837 Euro.

    Mehr erfahren

    • Der Ausbildungsreport Handel 2015/2016 ist eine Sonderauswertung der DGB-Ausbildungsreporte 2015 und 2016. Die Sonderauswertung kann bei ver.di abgerufen werden: Ausbildungsreport Handel 2015/16
    • Informationen zur Tarifbewegung der ver.di-Jugend auf der Kampagnenseite „besser unbequem“
    Die Jugend im Handel will keine Federn mehr lassen Christian Jungeblodt  – Die Jugend im Handel will keine Federn mehr lassen