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Gehälter der Schlecker-Frauen zu hoch?

25. April 2013 | Die vermeintlich hohen Gehälter der Schlecker-Frauen hätte dazu beigetragen, dass diese nach der Insolvenz des Drogerie-Discounters nur sehr schwer neue Arbeitsplätze gefunden hätten. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seinem neuen Kurzbericht. „Was die Wissenschaftler der Bundesagentur für Arbeit feststellen, heißt nichts anderes, als dass tarifliche Bezahlung ein Vermittlungshemmnis ist“, kritisierte Bernhard Franke, Landesfachbereichsleiter für den Handel in Baden-Württemberg und ehemaliger ver.di-Verhandlungsführer bei Schlecker.

Die „relativ gute Bezahlung“ bei Schlecker liege daran, dass die Schlecker-Frauen gemeinsam mit ver.di die Anwendung der Branchentarifverträge des Einzelhandels durchgesetzt hätten. „Tariflohn im Einzelhandel bedeutet, dass eine gelernte Verkäuferin je nach Berufsjahr zwischen 9,92 und 13,79 Euro pro Stunde verdient, eine Filialleiterin je nach Tätigkeitsjahr zwischen 12,60 und 15,49 Euro. Spitzenverdienste sehen wahrlich anders aus", sagte Franke zu den Tariflöhnen im Juni 2012. Zu dieser Zeit haben rund 27000 Schlecker-Beschäftigte ihre Arbeit verloren.

„Bei den Arbeitsstellen, die auf den regionalen Arbeitsmärkten verfügbar sind und mögliche Anschlussoptionen für die ehemaligen Schlecker-Beschäftigten darstellen, fallen die Abschläge nach Auskunft der Arbeitsvermittler derart hoch aus, dass sie insbesondere in den ersten Monaten der Arbeitslosigkeit die rechtlich definierte Grenze der Zumutbarkeit überschreiten."

Aus dem IAB-Kurzbericht 7/2013

Wenn die Bundesagentur für Arbeit nun feststelle, dass „der Wunsch nach geringen Abstrichen beim Gehalt die Vermittlung arbeitslos gewordener Schlecker-Mitarbeiter erheblich erschwert“ habe, sage dies viel über die aktuelle Arbeitsmarktsituation im Einzelhandel aus. „Die Tarifverträge des Einzelhandels, die als ‚vermittlungs-hemmend‘ beschrieben werden, waren bis ins Jahr 2000 in der gesamten Branche allgemein- verbindlich. Seit 2000 verweigern die Arbeit- geber ihre Zustimmung zur Allgemeinverbindlichkeitserklärung – mit der Folge, dass inzwischen allenfalls noch knapp die Hälfte der Branche tarifgebunden ist“, sagte der Gewerkschafter. Nunmehr bescheinige man den ehemaligen Schlecker-Beschäftigten, dass sie – um ihre Vermittlungschancen zu verbessern – zu Einkommensverlusten von bis zu 30 Prozent bereit sein müssten.

„Skandalös an diesem Vorgang ist vor allem, in welchem Umfang im Einzelhandel inzwischen Niedriglöhne bis hin zu echten Dumpinglöhnen offenbar üblich geworden sind“, kritisierte Stefanie Nutzenberger, die im ver.di-Bundesvorstand für den Handel zuständig ist. „An diesem Fall wird erneut deutlich, wie wichtig ein gesetzlicher Mindestlohn auch für den Einzelhandel ist, damit das Lohndumping in dieser Branche endlich gestoppt wird.“

Die Arbeitgeberverbände hätten das Zustandekommen eines Branchenmindestlohns verhindert. „Diesen arbeitnehmerfeindlichen Kurs setzen die Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde fort, indem sie versuchen, über die Verschlechterung der Tarifverträge den ruinösen Verdrängungswettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten zu betreiben“, sagte Nutzenberger.

Laut IAB hatten im März 2013 rund die Hälfte der ehemaligen Schlecker-Beschäftigten eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aufgenommen oder sich selbstständig gemacht.

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