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    DGB-Index Gute Arbeit 2016: Digital nicht gleich besser

    Digitalisierung beeinflusst 82 Prozent aller Arbeitsplätze

    10. November 2016 | Computer, Smartphone, Scanner oder Roboter – bei vier von fünf Beschäftigten ist die Arbeit durch digitale Hilfsmittel verändert und technisch unterstützt. Dennoch nimmt die Arbeitsbelastung zu. Das geht aus der zehnten Erhebung zum DGB-Index Gute Arbeit 2016 mit dem Schwerpunkt „Digitalisierung der Arbeitswelt“ hervor. Befragt wurden bundesweit knapp 10.000 Beschäftigte quer durch alle Branchen.

    Elektronische Kommunikationsmittel wie E-Mail, Smartphone und soziale Netze sind inzwischen für 68 Prozent der Befragten relevant, am meisten bei Information und Kommunikation mit einem Anteil von 94 Prozent. Mit unterstützenden elektronischen Geräten wie Datenbrillen, Scannern oder Diagnosegeräten arbeitet jeder Zweite, bundesweit 53 Prozent, – der höchste Anteil findet sich im Gesundheitswesen mit 67 Prozent. Die Arbeit mit computergesteuerten Maschinen und Robotern spielt für bundesweit 23 Prozent der Beschäftigten eine Rolle, im Organisationsbereich von ver.di betrifft dies vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen mit 29 Prozent Anteil.

    Bei 82 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland ist die Arbeit durch Digitalisierungsprozesse beeinflusst. Bei 60 Prozent in hohem oder sehr hohem Maße. Doch nicht unbedingt zum Vorteil der Beschäftigten, denn laut Befragung erleben sie eher Mehrbelastungen statt Arbeitserleichterungen. Nahezu jeder zweite Beschäftigte, der von Digitalisierung stark oder sehr stark betroffen ist, berichtet über negative Auswirkungen wie etwa einer höheren Arbeitsbelastung, einer wachsenden Arbeitsmenge und mehr Multitasking. Eine positive Bilanz zieht nicht einmal jeder zehnte.

    Doch die Technik ist nicht schuld. Die Analyse der Ursachen liefert deutliche Hinweise, dass nicht Computer, Roboter und Co den Belastungszuwachs oder -abbau zu verantworten haben, sondern die Umstände, also das Wie und Wozu ihres Einsatzes. Aber auch die Überwachung und Kontrolle der Arbeitsleistung hat zugenommen, nahezu jeder Zweite fühlt sich infolge der Digitalisierung bei der Arbeit stärker kontrolliert und überwacht.

    Nur eine Minderheit sieht positive Veränderungen der Work-Life-Balance durch die neuen technischen Entwicklungen. Hier zeigen sich zwar Potenziale für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, insbesondere bei Beschäftigten mit Betreuungsaufgaben für Kinder und Pflegebedürftige, doch die wenigsten können das für sich nutzen. Insgesamt ist zwar der Anteil der Arbeit, die nicht in unternehmenszugehörigen Arbeitsstätten geleistet wird, gestiegen, fast jeder Dritte arbeitet jetzt öfter von zu Hause oder von unterwegs. Doch „mobile Arbeit“ ist kein Qualitätszeichen. Wer schon schlechte Arbeitsbedingungen hat, am Arbeitsplatz hetzen muss und oft unbezahlte Arbeit leistet, der nimmt auch eher Arbeit mit nach Hause.

    Ein weiterer Befund: Bei der digitalen Veränderung ihrer Arbeit werden die Beschäftigten nur unzureichend beteiligt. Drei Viertel der digitalisiert Arbeitenden haben keinen oder nur einen geringen Einfluss auf den Digitalisierungsprozess an ihrem Arbeitsplatz. Das aber wäre angeraten, wenn sich die Arbeitsqualität aus Beschäftigtensicht verbessern soll.

    Indexwerte

    Zum dritten Mal in Folge wurde unter den insgesamt elf Kriterien der Arbeitsqualität, die Arbeitsintensität von den Beschäftigten am schlechtesten bewertet – mit 48 Indexpunkten bekommt sie die Bewertung schlechte Arbeit. Doch auch das Einkommen kommt nur auf 49 Punkte, ebenfalls schlechte Arbeit. Im Gesamturteil liegt die Arbeitsqualität 2016 quer durch alle Brancen mit einem Indexwert von 63 Punkten im unteren Mittelfeld. Auf ein Gut kommt wie im Vorjahr nur der Sinn der Arbeit mit 81 Punkten.

    Multitasking – immer mehr Aufgaben gleichzeitig, da hilft auch die Digitalisierung nicht, wenn die Arbeitsbedingungen nicht im Zuge neuer Techniken mit verbessert werden, sondern immer mehr obendrauf gepackt wird. Grafik: Colourbox Multitasking