Tarifnews

    Existenzen sichern und Altersarmut bekämpfen

    Symposium: ver.di fordert allgemeinverbindliche Tarifverträge im Handel

    Berlin, 24. Juli 2017 | Die Tarifbindung im Handel sinkt seit Jahren. Mit gravierenden Folgen für die Beschäftigten, die immer weniger verdienen. ver.di fordert deshalb allgemeinverbindliche Tarifverträge. Um dafür zu werben, hat die Gewerkschaft zu einem Symposium am 24. Juli 2017 in Berlin Vertreter aus Politik und Handel eingeladen und mit ihnen über das Ziel gute Löhne, gute Arbeitsbedingungen und soziale Sicherung diskutiert. Es geht um nicht weniger als um die Existenz von 5,1 Millionen Menschen, die in der Branche arbeiten; davon mehr als 3 Millionen im Einzel- und Versandhandel.

    Fast jeder Dritte im Handel bezieht einen Niedriglohn mit unter zehn Euro die Stunde. Viele Beschäftigte bekommen – oft unfreiwillig – nur Teilzeitstellen, mit dem Ergebnis durch staatliche Hilfe den Lohn aufstocken zu müssen und später im Alter auf Armut zuzusteuern. Arm trotz Arbeit, das ist im Handel letztendlich für viele Menschen bittere Realität. „Wenn 1,5 Milliarden Aufstockerbeträge gezahlt werden, weil die Menschen von ihrem Lohn nicht leben können, dann stimmt etwas in der Gesellschaft nicht, dann brauchen wir eine Antwort“, sagte das für Handel zuständige ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Die Allgemeinverbindlichkeitserklärung sei zwar nicht die gesamte Antwort, aber ein umfassender Beitrag. ver.di wolle die Altersarmut bekämpfen, den Vernichtungswettbewerb stoppen und Existenzen sichern.

    „Einer für alle“

    In den letzten Jahren ist die Tarifbindung merklich zurückgegangen, skizzierte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske die bedrohliche Entwicklung. Und viele nicht tarifgebundene Arbeitgeber drücken die Löhne weiter. Vor allem Frauen geraten in Armut; sie bekommen oft nur Teilzeitstellen, kommen seltener auf 40 oder gar 45 Berufsjahre, und schlittern am Ende ihres von Armut geprägten Arbeitslebens direkt in die Altersarmut. Die Gewerkschaft ver.di will Reallohnerhöhungen und diese per Tarifvertrag absichern. „Die Tarifverträge müssen allgemeinverbindlich werden“, sagte der ver.di-Vorsitzende. „Das heißt, einer für alle. Tarifverträge, die für alle gelten.“  Das bedeutet auch, wenn sich die Tarifparteien einig seien, müssen sie die Allgemeinverbindlichkeit beschließen können, ohne dass andere Arbeitgeberverbände sie blockieren, wie das jetzt der Fall sei, so Bsirske weiter. Eine Allgemeinverbindlichkeit müsse dazu führen, dass die Tarifverträge dann auch für verbandsungebundene Unternehmen gelten, sagte der ver.di-Vorsitzende.

    Um Allgemeinverbindlichkeitserklärungen für alle zu erreichen, will die Gewerkschaft die Öffentlichkeit stärker für die Probleme der Beschäftigten im Handel sensibilisieren, die Arbeitgeber in den Verbänden bei ihrer sozialen Verantwortung packen und die Politiker auf Bundesebene einbeziehen. ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger betonte abschließend, sie wolle Allgemeinverbindlichkeitserklärungen für alle Tarifverträge, das heißt nicht nur für Entgelttarifverträge sondern auch für Manteltarifverträge. 

     

    Tarifvrhandlungen Handel 2013 Caroline Seidel/DPA Ein Herz für Tarife