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Hamburger Krankenhäuser: Erfolgreich gestreikt

7. Mai 2012┃Die Warnstreikbeteiligung brachte ein vorzeigbares Ergebnis: Ende April haben sich ver.di und der Krankenhausarbeitgeberverband auf Eckpunkte eines Tarifvertrags geeinigt. Jetzt stimmen ver.di-Mitglieder an den Hamburger Krankenhäusern über das Verhandlungsergebnis ab.

Anfang des Jahres hatte ver.di nach den dringlichsten Problemen bei der Arbeit in den Hamburger Krankenhäusern gefragt. Rund 3.000 Beschäftigte beteiligten sich an der Befragung.

Die häufigsten Antworten: Regelmäßiges Arbeiten am Wochenende, zu viele Überstunden und ein zu geringes Einkommen. Für den größten Unmut bei den Auszubildenden sorgen vor allem die Tätigkeiten als Springer, bei denen sie flexibel und je nach Bedarf zwischen den Krankenhausstationen wechseln müssen.

Entsprechend dieser Probleme stellte ver.di die Forderungen für die Tarifverhandlungen mit dem Hamburger Krankenhausarbeitgeberverband auf: Im Jahr maximal 26 Wochenendschichten, die Verbesserung der Situation der Auszubildenden und – vor dem Hintergrund, dass die Asklepios Kliniken pro Jahr einen Gewinn von rund 53 Millionen Euro machen – eine Lohnerhöhung von 6,5 Prozent.

Schikane und Drohungen

Dass sie es mit ihren Forderungen ernst meinen, bewiesen die Beschäftigten der Asklepios Kliniken, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und des Universitären Herzzentrums. Mehr als 2.000 Menschen folgten dem ver.di-Aufruf zum Warnstreik. 

„Wir hatten bei diesem Streik den Abschluss einer Notdienstvereinbarung angeboten, doch die Arbeitgeber lehnten ab.“

Arnold Rekittke, ver.di-Gewerkschaftssekretär

Und sie gingen auch für ihre Kolleginnen und Kollegen auf die Straße, die es nicht wagten, sich am Streik zu beteiligen. Denn am Werktag vor dem Streik erhielten Beschäftigte aus den Funktionsbereichen und den Bereichen OP und Anästhesie per Post so genannte „Notdienstbestellungen“ mit dem Tenor: Wer seiner Pflicht zur Arbeit nicht nachkommt, dem droht die Kündigung. „Ein dreister Vorgang“, sagt ver.di-Gewerkschaftssekretär Arnold Rekittke. „Wir hatten bei diesem Streik den Abschluss einer Notdienstvereinbarung angeboten, doch die Arbeitgeber lehnten ab.“ Laut Rekittke schickten die Arbeitgeber vor dem Streik Führungskräfte durch die Abteilungen und drohten den Beschäftigten noch einmal persönlich mit Kündigung. „Dies war nicht rechtens – und doch schafften es die Arbeitgeber mit diesen Maßnahmen, dass in einzelnen Kliniken Beschäftigte eingeschüchtert und an ihrem Grundrecht auf Streik gehindert wurden“, erläutert Rekittke.    

Trotz dieser Einschüchterungen und Drohungen konnten die Warnstreiks zum richtigen Zeitpunkt Druck erzeugen: In der dritten Verhandlungsrunde wurde ein positives Ergebnis erzielt.

3,5 Prozent mehr Lohn bekommen die rund 13.000 Beschäftigten ab dem 1. März 2012, plus zusätzlicher Steigerungen von jeweils 1,4 Prozent zum 1. Januar und 1. August 2013. Am Wochenende sollen die Beschäftigten entlastet werden – 26 Sonntage im Jahr müssen frei sein.

Und: Auszubildende erhalten zum 1. März diesen Jahres 50 Euro, ab dem 1. August 2013 gibt es 40 Euro mehr Geld. Die bei den Auszubildenden unbeliebten, als „Stationshopping“ beschriebenen Springerarbeiten werden eingestellt.

Arbeitgeber brauchen Druck

Nach dem 7. Mai stimmen die ver.di-Mitglieder an den Hamburger Krankenhäusern per Mitgliederbefragung über das Verhandlungsergebnis ab. Die zuständige ver.di-Verhandlungsführerin Hilke Stein betont, wie wichtig das breite Engagement der Mitglieder gegen den Widerstand der Arbeitgeber in dieser Tarifrunde war: „Die hohe Warnstreikbeteiligung unmittelbar vor der dritten Verhandlungsrunde hat dazu geführt, dass wir mit den Arbeitgebern so verhandeln konnten, dass am Ende ein vorzeigbares Ergebnis steht. Das ist der Erfolg aller und es hat sich wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Rechte in den Tarifauseinandersetzungen in Anspruch nehmen - dazu gehören auch Warnstreiks.“

Text: Romin Khan 

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