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Ausgezeichnete Betriebsräte

26. Oktober 2012 Die herausragende Arbeit von Betriebsräten wurde gestern in Bonn zum vierten Mal mit der Verleihung des Deutschen Betriebsrätepreises gewürdigt. Die wichtigste Auszeichnung, der Hauptpreis in Gold, ging dabei an den Betriebsrat der Vorwerk & Co. KG, Wuppertal. „Die Preisverleihung würdigt die betrieblich und gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit von Betriebsräten“, betonte Dina Bösch, für Mitbestimmung zuständiges Vorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). „Betriebsräte können gemeinsam mit ver.di dafür sorgen, dass die Rechte der Beschäftigten trotz zunehmender Leiharbeit und prekärer Beschäftigungsverhältnisse nicht zu kurz kommen. Und sie können dafür sorgen, dass Konflikte fair ausgetragen werden.“

ver.di gratuliert nicht nur den Hauptpreisträgern, sondern vor allem zwei Betriebsratsgremien aus dem eigenen Organisationsbereich, die ausgezeichnet wurden. Der Sonderpreis in der Kategorie „Fair statt Prekär“ ging an den Betriebsrat der Klinikum Bayreuth GmbH. Im Jahr 2006 hatte das Klinikum eine eigene Leiharbeitsfirma als Klinikum Bayreuth Servicegesellschaft gegründet. In der Folgezeit wurden Einstellungen aller Berufsgruppen, außer Ärzten und Führungskräften, über diese Leiharbeitsfirma vorgenommen – zu einer Bezahlung auf Basis eines Tarifvertrags der Leiharbeitsbranche. Die Beschäftigten erhielten dadurch rund 30 Prozent weniger Gehalt als die Kolleginnen und Kollegen, die nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bezahlt wurden. Die Betriebsräte des Klinikums Bayreuth wehrten sich mit tatkräftiger Unterstützung der ver.di-Vertrauensleute, breiter Bürgerinformation, intensiven Gesprächen mit Parteien, Verbänden und Vereinen über fünf Jahre gegen diese drastische Schlechterstellung im Rahmen der klinikeigenen Leiharbeitsfirma – mit Erfolg: Die Servicegesellschaft wurde zum Januar 2011 aufgelöst, alle Beschäftigten sind jetzt beim Mut-terunternehmen beschäftigt und werden nach dem TVöD bezahlt.

Den Sonderpreis in der Kategorie „Innovative Betriebsratsarbeit“ erhielt der Betriebsrat E-Center Scheuner e.K. in Bad Gandersheim. Die Beschäftigten des Edeka-Marktes wurden im Februar 2011 sehr kurzfristig über den Verkauf an einen privaten Kaufmann informiert, der ihnen die vorherige tarifliche Bezahlung nicht länger zugestehen wollte. Die Betriebsräte setzten sich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, unterstützt von ver.di hartnäckig dafür ein, die Tarifstandards im Geschäft zu sichern. Nach schwierigen Auseinandersetzungen gelang es ihnen, in einer Gesamtbetriebsvereinbarung für die nächsten zweieinhalb Jahre die volle Tarifbindung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, vermögenswirksame Leistungen sowie jährliche Gehaltserhöhungen durchzusetzen. Damit ist das E-Center Scheuner der erste an einen privaten Händler verkaufte Edeka-Markt in Deutschland, der auch weiterhin in der Tarifbindung verbleibt – und so auch zum Vorbild für die rund 120.000 Beschäftigten bei den anderen privaten Edeka-Händlern werden könnte.

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